Florian Vollert: Wahlkampf ganz im Dienst der Partei
Ihm selbst wird es am 8. März wohl nicht in den Stuttgarter Landtag reichen. Das weiß Florian Vollert aus Weinsberg. Aber seine Partei, die Linke, könnte womöglich erstmals den Sprung ins Parlament schaffen. Deshalb kämpft der 50-Jährige in seinem Wahlkreis Neckarsulm.

Florian Vollert weiß, wie es ist, zu verlieren. 2013 hat er im Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe für den Bundestag kandidiert, 2021 hat er in Heidenheim als Landtagskandidat ausgeholfen. Gereicht hat es ihm weder da noch dort. Und auch dieses Mal macht er sich kaum Hoffnungen. Denn das Direktmandat im Wahlkreis Neckarsulm zu holen, ist einigermaßen utopisch. Über die Landesliste wird es der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann ebenfalls nicht schaffen: Er hat sich nach eigenen Angaben nicht dafür beworben und steht deshalb gar nicht drauf.
„Ich bin trotzdem motiviert“, sagt der Wahlkreismitarbeiter der Linken-Bundestagsfraktion, Leiter der Geschäftsstelle der Linken in Heilbronn und Sprecher des Linken-Kreisvorstandes. Denn der Familienvater – er hat zwei Töchter, zwölf und 14 Jahre alt – sieht für seine Partei bei der Wahl am 8. März „eine historische und realistische Chance“, im Land die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. Und dafür macht er Wahlkampf in seinem Wahlkreis, der 23 Kommunen zwischen Jagsthausen und Wüstenrot umfasst: Er klingelt an Haustüren, wirbt an Infoständen für seine Partei oder diskutiert auf Podien mit.
Steigende Mitgliederzahlen im Linken-Kreisverband
Mehr als verdoppelt habe der Linken-Kreisverband seine Mitgliederzahl innerhalb eines Jahres, sagt der Ur-Weinsberger: von 120 auf 250. Der Mann, der mit seiner Familie im Nebenerwerb 4,5 Hektar Rebfläche bewirtschaftet, begründet den Zulauf mit bundespolitischen Trends, etwa diesem: Viele Leute würden bewusst Mitglied, weil sie ein Zeichen gegen die erstarkende AfD setzen wollen. Aber Vollert sieht sich in den steigenden Mitgliederzahlen auch persönlich bestätigt. „Wir machen hier vor Ort eine saubere Arbeit.“
Auf vier Themen setze die Linke in diesem Landtagswahlkampf: Gesundheit, Bildung, Öffentlicher Personennahverkehr und bezahlbare Mieten. Vor allem letzteres ist Vollert ein Herzensanliegen – gerade im künftigen KI-Zentrum Heilbronn mit erwartbarem Zuzug in einem ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt. Bezahlbare Mieten: „Das muss ein Schwerpunkt in der Landes- und Kommunalpolitik sein.“ Apropos – was Kommunalpolitik betrifft, hat Vollert Erfahrung: Er vertritt die Partei, in die er vor fast 20 Jahren eingetreten ist, in der inzwischen dritten Legislaturperiode im Heilbronner Kreistag. Fünf Jahre lange, von 2019 bis 2024, war er zudem Mitglied des Weinsberger Gemeinderates.
Beim Thema Gesundheitspolitik wird Florian Vollert emotional
Kommt er auf Gesundheitspolitik zu sprechen, beginnt Vollert, sich fast in Rage zu reden. Unterbezahltes Personal, lange Wartezeiten von Patienten: „Es ist ein Skandal, wie es zurzeit ist. Viele Dingen müssten anders laufen.“ Das Land, findet Vollert zum Beispiel, müsse sich viel mehr einbringen.
Florian Vollert hat sich schon in jüngeren Jahren politisch engagiert. Aus gutem Grund. Damals wie heute findet der Landtagskandidat der Linken: Es ist besser, sich aktiv für oder gegen etwas einzusetzen, statt nichts zu tun und sich „mit einem Ohnmachtsgefühl zu ärgern“.
Bleibt bei allem (partei)politischen Engagement noch Zeit für Hobbies? Ja, ein wenig: für Fahrradfahren und Fußballspielen zum Beispiel. Oder fürs Lesen. Da schließt sich der Kreis wieder: Zu Vollerts Favoriten zählen politische Bücher.
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