Die Linke verpasst Einzug in Landtag: Große Enttäuschung bei Wahlparty in Heilbronn
Große Enttäuschung bei den Kandidaten der Partei Die Linke in Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie in Hohenlohe: Die Chance, erstmals in den Landtag einzuziehen, schien noch vor wenigen Wochen groß, doch nun ist sie vertan.
19 Uhr, Soziales Zentrum Käthe in der Heilbronner Wollhausstraße. Etwa 80 Leute sind da. Drinnen zwischen Bar und Buffet, draußen an Biertischgarnituren. In etlichen Plastikbechern beginnt der Sekt, schal zu werden. Es gibt ja auch keinen Grund anzustoßen. Die nächste Hochrechnung erscheint auf der Leinwand: 4,4 Prozent, nochmal ein Zehntel weniger als vor 20 Minuten. „Das ist bitter“, kommentiert eine Frau. Ein Mann gibt sich kämpferisch, trotz des Ergebnisses: „Das Wichtigste ist, dass wir uns jetzt nicht von der Enttäuschung unterkriegen lassen.“
Die Linke: Wie die Partei zu Wackelkandidatin wurde
Der große Traum vom erstmaligen Einzug der Partei in den Stuttgarter Landtag ist geplatzt. Dabei schien die historische Chance zum Greifen nah. Noch vor wenigen Wochen sahen Prognosen Die Linke sicher drin. Doch auf der Zielgeraden legten die Grünen zu – und Die Linke wurde zur Wackelkandidatin.
Dem Weinsberger Florian Vollert (50), Bewerber im Wahlkreis Neckarsulm und Sprecher des Linken-Kreisvorstandes, steht die Enttäuschung wie so vielen hier ins Gesicht geschrieben. „Es ist sehr schade.“ Er glaubt, dass es zum Ende hin im Land vorwiegend nur noch darum ging, wer Ministerpräsident wird, Özdemir oder Hagel, und dass daher viele Menschen taktisch wählten. „Das hat uns den Einzug vermasselt.“ Immerhin: Er und seine Co-Kandidatinnen Emma Weber (Wahlkreis Eppingen) und Hiba Charif (Wahlkreis Heilbronn) hätten einen tollen Wahlkampf geführt und erlebt.
Linke-Kandidaten nehmen aus dem Wahlkampf viel mit
Emma Weber nickt: „Ich nehme aus dem Wahlkampf sehr viel Positives mit. Wir hatten tolle Gespräche mit den Leuten auf der Straße.“ Die 32-jährige Nordheimerin hofft, „dass das der Grundstein ist für die nächste Wahl“. Natürlich ist auch sie ernüchtert: „Das drückt aufs Gemüt.“

Hiba Charif hatte sich den Abend ebenfalls ganz anders vorgestellt. „Ich dachte, dass es reicht.“ Dennoch freut sich die 28-jährige Heilbronnerin „über die Stimmen, die wir bekommen haben". Wie Vollert und Weber stand auch Charif nicht auf der Landesliste. Es war also von vorneherein klar, dass keiner von ihnen den Sprung in den Landtag schaffen würde. Gekämpft haben sie in den vergangenen Wochen nur für dieses eine Ziel: Dass die Partei es packt. Vergeblich.
Linke: Warten auf die nächste Gelegenheit
Auch bei Matthias Odenwald, Hohenloher Linke-Kandidat, war das so. „Das ist kein befriedigendes Ergebnis. Ich bin frustriert“, kommentiert er im Stimme-Telefonat das Abschneiden seiner Partei. Offensichtlich seien die Menschen in ihrem Wahlverhalten nicht mehr so gefestigt, sagt der 72-Jährige. „Wir hätten gerne eine kräftige Opposition dargestellt.“ Dennoch: Alles Jammern hilft nichts. „Nun machen wir weiter und warten auf die nächste Gelegenheit.“
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