Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl persönlich erleben
Die Zuschauer erklären, was sie beim Wahlforum für den Wahlkreis Heilbronn in der Harmonie besonders überrascht hat. Auch der Applaus aus dem Publikum gab Hinweise.

„Ich wollte an der Diskussion teilnehmen“, erklärt Joachim Schweitzer aus Heilbronn seine Entscheidung, das Wahlforum in der Harmonie zu besuchen. Früher sei der Abend mehr von der Beteiligung der Bürger geprägt gewesen. „Ich finde vom Konzept her ist es eine Verschlechterung.“ Ein weiterer Grund sei gewesen, dass er sich die Positionen der Spitzenkandidaten anhören wollte.
Schweitzer fand es schade, dass die Themen mehr aus Sicht der Unternehmen behandelt wurden. Thematisch hätte er sich mehr zu den Arbeits- und Ausbildungsplätzen gewünscht, ebenso zum Thema Frieden und zur Umwelt. Der 66-Jährige habe es erschreckend gefunden, dass für „eine faschistische Partei, wie die AfD“ geklatscht wurde. „Die Gefahr wird unterschätzt, man muss aus der Geschichte lernen.“
Klima und Kriegseinsätze: Löwensteiner hätte sich mehr Vertiefung gewünscht
„Mir fehlten zwei wichtige Punkte“, erklärt Heinz Deininger, „die so essentiell sind“. Das Thema Erderwärmung und Klima, sowie Kriegseinsätze und Militarisierung – etwa, dass die Bundeswehr in Schulen werben dürfe – seien dem 75-Jährigen Löwensteiner zu kurz gekommen.
Statt den Fragen zur Region, hätte sich Heinz Deininger eine Vertiefung der einzelnen Themen gewünscht. Noch hat er keine Wahlentscheidung getroffen. Er sehe auch keine Koalition, die seinen Bedürfnissen entspreche. Auffällig an dem Abend empfand er den Zuspruch zu Themen der AfD.
Nicht alle Besucher des Wahlforums haben ihre Wahlentscheidung schon getroffen
Die Heilbronnerin Pauline Schmidt wusste schon vor der Veranstaltung, wen sie wählen möchte. Trotzdem nutze sie die Gelegenheit: „Weil es interessant ist, mal von den anderen Kandidaten zu erfahren, wo sie stehen.“ Die 72-Jährige wünscht sich, dass alles, was gesagt wurde, auch wahr sei und so gemeint werde.
Ein Anliegen sind ihr soziale Themen. Beim Wahlforum überraschte sie, wie genau man aufgrund des Applauses ausmachen konnte, welche Wähler wo im Saal sitzen.
Eine Wahlentscheidung hat Andreas Döring (64) aus Heilbronn noch nicht getroffen. Durch das Wahlforum sei er sich jetzt „etwas klarer“. Er kam am Donnerstag in die Harmonie, weil es auch einen Unterschied mache, ob man Kandidaten im Fernsehen oder live sehe.
„Hier sind es die Kandidaten, die mich dann vertreten.“ Döring wünscht sich eine pragmatische Koalition, die lösungsorientiert sei, wie auch immer diese aussehe. Thematisch wichtig sind ihm Umwelt, Wirtschaft und Soziales. Die Applausverteilung am Abend habe er so erwartet. Für wen applaudiert wurde, sei weniger von Aussagen, als von den Fraktionen abhängig gewesen.
Migration, Arbeit, Ukraine-Konflikt: Den Wählern sind viele Themen wichtig
Jens Deininger wusste bereits vor der Veranstaltung, wen er wählen wird. „Ich ärgere mich schon über manche Dinge“, aber die Grundrichtung seiner bevorzugten Partei stimme. Könnte der 55-jährige Weinsberger sich eine Koalition wünschen, wäre die schwarz mit „ein paar grünen Pünktchen“.
Ihm sind die Themen Migrationspolitik, Arbeitsplatzsituation und der Ukraine-Konflikt wichtig. Deininger kam zum Wahlforum, weil er die Meinungen der Kandidaten hören wollte. „Man muss ja miteinander reden können.“
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