Heilbronn vor Wahlkrimi: Wie stehen Chancen der regionalen Kandidaten?
Mit acht Abgeordneten sind die Regionen Heilbronn und Hohenlohe derzeit im Bundestag vertreten. Ihre Zahl könnte sich aber halbieren. Wir haben die Chancen der Bewerber in den drei Wahlkreisen analysiert.
Noch ist keine Stimme ausgezählt, die Bewerber selbst äußern sich grundsätzlich zurückhaltend zu ihren Chancen. Und trotzdem lassen sich vor der Wahl am Sonntag einige Tendenzen erkennen. Besonders im Fokus steht dabei der Wahlkreis Heilbronn. Hier wird der CDU-Kandidat Alexander Throm aller Voraussicht nach sein Direktmandant verteidigen, das er 2021 mit 27,8 Prozent der Erststimmen gewann. Die Wahrscheinlichkeit, dass er wieder vorne liegt, taxiert election.de auf 93 Prozent.
Bundestagswahl 2025 – Zitterpartie für Alexander Throm im Wahlkreis Heilbronn: Prognose sieht ihn draußen
Und doch sieht das renommierte Portal, das auch von Politikern wegen seiner Prognosen konsultiert und geschätzt wird, Throm nach aktuellem Stand vom vergangenen Freitag vor dem Aus in Berlin. Hintergrund ist das neue Wahlrecht, das die Zahl der Abgeordneten auf 630 begrenzt. Es führt zu einem umstrittenen Novum: Auch wer das Direktmandat gewinnt, ist nicht mehr sicher im Parlament.
Über die Zahl der Sitze einer Partei im Bundestag entscheidet zunächst das Zweitstimmenergebnis auf Bundesebene. Dieses Kontingent wird dann auf die Landeslisten verteilt – anteilig danach, wie viele Zweitstimmen auf die Partei im jeweiligen Bundesland entfielen. Beispiel CDU: Ihr hätten nach einer Modellrechnung bei der Wahl 2021 genau 22 Sitze für Abgeordnete aus Baden-Württemberg zugestanden. Die Union hat aber damals 33 Direktmandate per Erststimmen in den Wahlkreisen geholt, elf Wahlkreissieger wären demnach leer ausgegangen.
Direktmandate in den Wahlkreisen: Wer in der Abstiegszone steht, ist raus
Diesmal sieht es so aus, als gewänne die CDU 35 der 38 Direktmandate. Auch ihr Zweitstimmenanteil im Land und ihr Sitzkontingent dürfte zwar steigen. Trotzdem werden nicht alle Direktmandate von Zweitstimmen „gedeckt“ sein. Die CDU-Wahlkreissieger im Südwesten werden nach ihrem Erststimmenergebnis wie in einer Fußballtabelle gereiht, irgendwo beginnt die Abstiegszone.
Wer unter der Linie steht, ist raus. Umkämpfte städtische Wahlkreise wie Heilbronn, in denen der Sieg eher knapper ausfällt, sind dabei im Nachteil. Election.de sieht in Baden-Württemberg derzeit sechs solcher Härtefälle mit Wahlkreissieg, aber ohne Mandat – darunter Alexander Throm, der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag.
Bundestagswahl 2025: Sieg im Wahlkreis reicht nicht mehr automatisch
Election.de prognostiziert bundesweit 21 „nicht zugeteilte“ Direktmandate, sieben der AfD und 14 der CDU. Throms Chancen sinken auch deutlich, sollte die FDP den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, weil sich dann die gedeckelten Parlamentssitze auf mehr Parteien verteilen. All das ist vorläufig, kleinste Veränderungen in den Umfragen können das Tableau neu sortieren.
Während die Union voraussichtlich mehr Direktmandate holt, als ihr Sitze zustehen und die CDU-Landesliste eher symbolischen Wert hat, ist der Listenplatz für Bewerber aller anderen Parteien in der Region entscheidend – weil sie mutmaßlich nicht den Wahlkreis gewinnen und nur über die Liste den Sprung nach Berlin schaffen können. Beispiel SPD im Wahlkreis Heilbronn: Hier haderte der langjährige Abgeordnete Josip Juratovic, der diesmal nicht mehr antritt, schon 2021 mit seinem schlechten Listenplatz 18, der Gundelsheimer schaffte es aber dennoch. Jens Schäfer, der ihn beerben will, hat Platz 22, das Landesergebnis der SPD wird wohl schwächer ausfallen als 2021. Das bedeutet: schlechte Chancen für den Eppinger Schäfer.
Vier Bewerber aus der Region mit besten Chancen bei der Bundestagswahl 2025
Dekliniert man das nach Lage der Dinge für 18 Bewerber in den drei Wahlkreisen durch, zeigt sich: Fabian Gramling im Wahlkreis Neckar-Zaber und Christian von Stetten in Hohenlohe-Schwäbisch Hall stehen für die CDU vor dem Wiedereinzug ins Parlament. Harald Ebner für die Grünen in Hohenlohe und Jürgen Kögel haben sichere Listenplätze. AfD-Bewerber Kögel könnte einziger Abgeordneter aus dem Wahlkreis Heilbronn werden – dann, wenn Throm es nicht schafft und auch Michael Link für die FDP aus dem Parlament fliegt. Link ist auf der Liste abgesichert, aber nur dann, wenn es die FDP überhaupt in den Bundestag schafft.

Selbst in diesem Fall hat FDP-Mann Valentin Abel in Hohenlohe angesichts des Umfragetiefs der Liberalen in Baden-Württemberg schlechte Karten. Fliegt die FDP ganz raus und schafft es auch SPD-Kandidat Kevin Leiser in Hohenlohe mit seinem wackligen Listenplatz nicht, wäre die Region nur noch mit vier statt bisher acht Abgeordneten im Bundestag dabei. Die übrigen Kandidaten in den drei Wahlkreisen der Region haben allesamt weniger aussichtsreiche Listenplätze.
Wahlkreise Heilbronn, Neckar-Zaber, Hohenlohe-Schwäbisch Hall: So ist die Region derzeit im Bundestag vertreten
Derzeit sitzen Throm, Juratovic und Link für den Wahlkreis Heilbronn im Bundestag, Gramling für Neckar-Zaber und gleich vier Parlamentarier für Hohenlohe-Schwäbisch Hall: Von Stetten, Leiser, Ebner und Abel. Damit ist zwar Hohenlohe überrepräsentiert, nicht aber die gesamte Region. Die drei Wahlkreise zusammen haben annähernd eine Million Einwohner. Im Bund entfällt rechnerisch ein Abgeordneter auf 114 000 Einwohner, es müssten in der Region also ungefähr neun sein. Wird das Szenario Realität und es sind nach dem Wahlsonntag nur noch vier Vertreter, ist die Region rechnerisch ein Leichtgewicht in Berlin.
Gewissheit gibt es voraussichtlich erst am Montag. Für die frühen Morgenstunden hat die Bundeswahlleitung das vorläufige Ergebnis angekündigt, das auch die komplizierte Zuteilung der Direktmandate nach neuem Wahlrecht deutlich machen wird. Vor allem für Alexander Throm steht eine Zitterpartie bevor. Die Ampel-Regierung hatte die Wahlrechtsreform gegen Kritik insbesondere von CSU, CDU und Linke durchgesetzt. Das Bundesverfassungsgericht erklärte die aktuelle Regel, nach der Wahlkreissieger leer ausgehen können, für zulässig, kippte die Reform aber in einem anderen Punkt: Die Ampel wollte durchsetzen, dass die Fünf-Prozent-Sperrklausel immer gilt. Das Gericht entschied jedoch, dass auch künftig drei Direktmandate das Ticket nach Berlin sichern, selbst wenn die fünf Prozent verfehlt werden. Insbesondere für Linke und CSU kann das entscheidend sein.
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