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Internationaler Tag gegen Rassismus: Alltagsrassismus auch in Heilbronn Thema

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Rassismus gegen Weiße, geht das? Was steckt eigentlich hinter dem Begriff Alltagsrassismus? Und was kann jeder gegen Rassismus tun?

Teilnehmer einer Kundgebung sprechen sich gegen Rassismus aus.
Teilnehmer einer Kundgebung sprechen sich gegen Rassismus aus.  Foto: Michael Bahlo

„Wir alle sind in einer rassistischen Welt aufgewachsen“, sagt Nina Guérin, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Baden-Württemberg. Im Nationalen Diskriminierungsreport 2025 heißt es, dass jede fünfte Person der Aussage zustimme, „dass ethnische und religiöse Minderheiten in Deutschland in den letzten Jahren wirtschaftlich mehr profitiert haben, als ihnen zusteht“. Die Studie wird jedes Jahr vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung durchgeführt. 

historische Gründe des Rassismus liegen vor allem in Kolonialismus

23 Prozent sind demnach der Meinung, dass diese Gruppen zu viele Forderungen nach Gleichberechtigung stellen. Laut der Studie berichteten allerdings 62 Prozent der schwarzen Männer und 63 Prozent der schwarzen Frauen, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal pro Monat Alltagsdiskriminierung erfahren zu haben. 

Nina Guérin erklärt, prinzipiell könne jeder Mensch rassistisch sein, aber nicht jeder könne betroffen sein. „Rassismus gegen Weiße ist etwas, das es nicht gibt und auch nicht geben kann.“ 

Die Bundeszentrale für politische Bildung definiert Rassismus so: „Rassismus ist die Erfindung, dass es bei Menschen unterschiedliche ‚Rassen’ gibt, die in einer bestimmten Reihenfolge stehen.“ In dieser Reihenfolge stehen weiße Menschen immer oben, so Nina Guérin. Das hat historische Gründe, die insbesondere auf Kolonialismus zurückzuführen sind, durch die viele Teile der Welt von westlichen -“weißen“- Nationen unterdrückt wurden.

Der 21. März ist der Internationale Tag gegen Rassismus

Am 21. März ist der Internationale Tag gegen Rassismus. Eine Form von Rassismus ist der Alltagsrassismus. Betroffene erfahren dabei jeden Tag „Mikroaggressionen“. „Kleine Herabwürdigungen“, die aber nicht klein in ihrer Wirkung sind, durch die Betroffene sich ausgegrenzt fühlen und in Schubladen gesteckt werden, betont Guérin.

Das wohl bekannteste Beispiel sei, wenn jemand gefragt werde: „Woher kommst du wirklich?“ Wenn die Straßenseite gewechselt oder die Handtasche näher an sich gezogen werde. Auch Übergriffe, die man sich bei einer weißen Person nicht trauen würde, wie ungefragt in die Haare zu fassen, seien Formen von Alltagsrassismus.

Rassismus hat konkrete Folgen auf das Leben der Betroffenen

„Das hat konkret negative Folgen auf das Leben der Menschen“, sagt Guérin. Menschen würden etwa aufgrund ihrer Hautfarbe eine Wohnung oder ein Job verwehrt werden. 2023 waren 325 Beratungsanfragen an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes im Lebensbereich Wohnungsmarkt, wie aus dem Jahresbericht der Stelle hervor geht.

Nina Guérin erklärt: „Wir alle haben rassistisches Gedankengut verinnerlicht.“  Dagegen helfe, sich über Rassismus zu informieren und offen gegenüber Kritik zu sein, wenn eigene Aussagen eventuell als rassistisch gewertet werden. Oft seien rassistische Aussagen und Handlungen unabsichtlich. Aber Guérin macht deutlich: „Bei Rassismus geht es immer um die Wirkung nicht um die Absicht.“

Auch die Minderheit der Sinti und Roma hat mit Rassismus zu kämpfen

Malic Susica ist Rom, also ein Angehöriger der Minderheit der Roma. Der 31-Jährige wurde in Heilbronn geboren, seine Eltern kommen aus dem Kosovo. Im Zuge der Balkankriege, flohen sie in den 1990ern nach Deutschland. Sie verschwiegen zunächst, dass sie Roma sind. Diskriminierung haben sie wenig erfahren, erklärt Susica, „weil wir sozusagen inkognito waren“.

Man wisse nicht, wie viele Roma es in Heilbronn gebe, nicht jeder gebe das preis. „Es ist normal, dass sehr viele Gruppierungen verängstigt sind“, sagt Susica. Vertrauen fassen, falle einigen Sinti und Roma aufgrund der vielen schlechten Erfahrungen schwer. 

Community-basierte Beratung für Sinti und Roma auch in Heilbronn

Je älter Susica wurde, desto mehr setzte er sich mit seiner Identität als Rom auseinander und wurde stolz darauf. Mittlerweile engagiert er sich bei den Community Plus Beratungsstellen und ist Ansprechperson für Sinti und Roma in Heilbronn. Der 31-Jährige aus Happenbach kann bei rassistischen Vorfällen, Beleidigungen, Beschädigungen oder etwa Demütigungen, den Betroffenen beispielsweise Gespräche zwischen Opfer und Täter anbieten oder mit der Stadt in Verbindung treten. Ziel sei es, die Situation der Betroffenen zu verbessern, damit sie sich integrieren können.

Betroffene fühlen sich durch Rassismus-Erfahrungen diskriminiert

„Wenn man sagt ‚Ich bin Roma’ wird zunächst Rumänien assoziiert - dann der Wohnwagen und die Klischees“, sagt Susica. Klischees von klauenden Menschen und Kinderstehlenden Personen etwa. Diese Vorurteile stimmen nicht, betont der 31-Jährige. Rassismus-Erfahrungen führen dazu, dass sich Betroffene diskriminiert fühlen. „Wir fühlen uns verletzt, weil wir uns daran erinnern, wie wir unterdrückt wurden. Und in der Zeit des Nationalsozialismus etwa auch Experimente an uns durchgeführt wurden.“ 

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