„Will die Frage gar nicht beantworten“: Boris Palmer über Minister-Pläne
Boris Palmer plaudert bei der TV-Sendung „Maischberger“ lieber über drängende Probleme als über eigene Kabinettsambitionen, hält sich aber alle Optionen offen.
Will er wirklich oder will er nur im Gespräch bleiben? Darüber zerbricht sich im von der Landtagswahl erregten Baden-Württemberg gerade die ganze Polit-Bubble den Kopf. Möchte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer nach 20 Jahren Kommunalpolitik und Facebook-Eskapaden zurück in die Landespolitik wechseln? Strebt der prominente Ex-Grüne gar einen Platz am Kabinettstisch des Wahlsiegers und designierten Ministerpräsidenten Cem Özdemir (Grüne) an?
Undenkbar ist nichts, immerhin hat der Oberrealo Palmer den Oberrealo Özdemir im Wahlkampf nicht nur unterstützt, sondern am Ende auch noch unter die Haube gebracht.
Spekulationen um Ministeramt für Palmer: Was ist dran?
Naturgemäß können sich aber aktuell weder Özdemir noch Palmer oder sonst jemand, der in der Frage ein Wörtchen mitzusprechen hat, zu solchen Spekulationen substanziell äußern. Erstmal muss die CDU heruntergekühlt, befriedet und an den Sondierungstisch verfrachtet werden. Die ist noch nicht annähernd darüber hinweg, dass Özdemir den Unions-Hoffnungsträger und Spitzenkandidaten Manuel Hagel trotz riesigen Rückstands im Wahlkampf-Endspurt noch abgefangen und knapp überholt hat.
Da nun also erstmal Beziehungspflege ansteht, dann inhaltliche Verhandlungen und ganz am Ende Personalplanung, ist man auf Leute wie Sandra Maischberger angewiesen, die über die Güte – und den Quotenbringer-Sachverstand – verfügt, Palmer gelegentlich in ihre ARD-Talkshow einzuladen und so dem bundesdeutschen Fernsehpublikum auf die Sprünge zu helfen.
Boris Palmer zu Gast in TV-Sendung „Maischberger“
Wie war das Setting? Bevor Palmer und – warum auch immer? – Dietmar Barsch von der Linkspartei zu Wort kommen, führen erstmal „auf dem Panel“ – eine Art Tresen im Fernsehstudio, aber ohne Drinks – die zwei Journalistinnen Julie Kurz (ARD) und Helene Bubrowski (Table-Media) mit Medienmensch Hubertus Meyer-Burckhardt in den Stoff ein. Fragen wie: Wie konnte Özdemir gewinnen? Soll sein Leben mit Fahri Yardım in der Hauptrolle verfilmt werden? Und: Welche Rolle spielte eine gewisse „Schmutzkampagne“? werden munter angetalkt. Tenor: „Berlin ist nicht gleich Baden-Württemberg“ (Bubrowski) und „Deutschland ist nicht Kreuzberg“ (Bubrowski). Da weiß man dann Bescheid.
Palmer als Minister in Baden-Württemberg – wie stehen die Chancen?
Wird Palmer nun Minister? TV-Tausendsassa Meyer-Burckhardt ist sicher: „Er macht es.“ Denn, so seine These: Palmer nehme alle Einladungen in Talkshows an. Und: „Wenn ich es nicht machen möchte, sage ich alle Einladungen in Talkshows ab.“ Soso. Dafür spricht: Parallel ist gerade im Nachbarkanal ZDF ein etwas griesgrämiger Landes-Innenminister Thomas Strobl (CDU) zugeschaltet, ebenfalls wegen der Wahl. Und der möchte bestimmt Minister bleiben. Leider will Palmer selbst, als er irgendwann dran ist, die Frage nicht beantworten. „Ich will die Frage einfach nicht beantworten“, sagt er und winkt ab.
„Dann explodiert’s“: Palmer spricht über „Schmutzkampagne“ im Wahlkampf
Beantwortet Palmer andere Fragen? Ja, durchaus, eigentlich alle. Und die meisten so kenntnisreich, eloquent und schnodderig, das man sich denkt: Der würde dienstags in der Landespressekonferenz nach dem Kabinett eine gute Figur machen. So ordnet Palmer die „Schmutzkampagnen“-Vorwürfe der CDU recht plausibel ein. Das nämliche „Rehaugen“-Video der Grünen-Abgeordneten Zoe Meyer, an dem die Vorwürfe festgemacht werden, sei in der Sache schon okay gewesen. Schließlich habe auch Hagel eingeräumt, dass seine Aussagen über das Aussehen einer Realschülerin aus dem Jahr 2018 „Mist“ gewesen seien.
Trotzdem versteht Palmer die CDU, sagt er. Für die sei so ein kritisches Video nur im Rahmen einer zentral gesteuerten Kampagne denkbar. „Bei denen gibt es keine Abgeordneten, die auf eigene Rechnung 10 Tage vor der Wahl so ein Video posten.“ Unter Grünen, und damit kennt sich Ex-Mitglied Palmer aus, gehöre so eine „gewisse gesinnungsethische Selbstsicherheit“ nun mal dazu. Außerdem, und auch damit hat Palmer Erfahrung: „Das ist keine Kampagne, sondern das, was auf Social Media eben passiert, wenn viele Leute Interesse daran haben. Dann explodiert’s.“
Massenentlassungen und Insolvenzwellen – Palmer spricht über Themen bei „Maischberger“
Gab es weitere Explosionen? Im Grunde nicht. Palmer erklärt in einem kleinen Völkerkunde-Exkurs Maischberger den Typus des „Baden-Württemberger Grünen“ (sehr pragmatisch, macht Politik mit Bierbrauern und Mittelständlern), lässt sich von Maischberger nur kurz in die präparierten Minenfelder Migrationspolitik und Grüne Jugend locken.
Eigentlich will er viel lieber über die wirklich explosiven Probleme reden: Massenentlassungen bei Bosch, Insolvenzwellen im Mittelstand und „kommunale Haushaltslöcher bis zum Erdmittelpunkt“. Also: „Das ganze Musterländle in Gefahr.“ Er habe ja selbst letztes Jahr CDU gewählt, damit Friedrich Merz Kanzler werde, ist aber offenbar von dessen Performance noch nicht restlos überzeugt.
Özdemir „jetzt schon relativ klar in seinem Kopf“
Also wirklich gar nichts Neues zu Ministerspekulationen? Doch, ein bisschen. Der aus Vorpommern stammende und in Berlin tätige Linken-Politiker Bartsch glaubt, dass Özdemir „jetzt schon relativ klar in seinem Kopf“ wisse, wen er an den Stuttgarter Kabinettstisch holt. Er, Bartsch, rate aber „im Sinne späterer Wahlergebnisse“ von einem Engagement Palmers ab. Der Tübinger OB selbst hält sich nur indirekt im Spiel. Er höre ja viel aus der CDU und die sei nun aktuell total verletzt und wütend. Aber: „Wir brauchen die CDU, um dieses Land wirtschaftlich wieder nach vorne zu bringen. Die können sich jetzt nicht in ihrer verständlichen Wut zurückziehen. Das geht nicht.“ Klingt schon fast wie Özdemir. Am Ende wird Palmer noch Regierungssprecher!
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