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Wahl zum Vorsitz der Stuttgarter Landtagsfraktion: Zieht die AfD nach rechts?

  
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Was der überraschende Sieg des gemäßigten Anton Baron aus Hohenlohe bei der Wahl um den Vorsitz der Landtagsfraktion bedeutet, analysiert unsere Autorin.

Von Ulrike Bäuerlein

Es ist eine Überraschung: Nicht der dem völkischen Flügel zugerechnete AfD-Rechtsaußen Emil Sänze führt künftig die AfD-Landtagsfraktion, sondern der Hohenloher Abgeordnete Anton Baron. Nach mehreren Stichwahlen setzte sich der erst 35-jährige Baron gegen Sänze durch. Baron, der seit 2016 dem Landtag angehört und dort einer der jüngsten Abgeordneten war, gehörte dem Fraktionsvorstand bereits als parlamentarischer Geschäftsführer an, bevor er von Sänze aus diesem Amt verdrängt worden war.

Ein offener Rechtsruck der Landtagsfraktion, wie er unter dem zuvor als favorisiert geltenden Sänze zu erwarten war, dürfte damit zunächst einmal ausblieben. Denn Baron, im heutigen Kasachstan geborener Sohn russlanddeutscher Eltern und gelernter Wirtschaftsingenieur, ist bislang im Parlament nicht durch radikale Positionierungen in Erscheinung getreten.

Doch es ist nicht zwangsläufig davon auszugehen, dass der Hohenloher den konservativ-gemäßigten Kurs des aufgrund von Schwarzgeld-Ermittlungen zurückgetretenen Vorgängers Bernd Gögel fortsetzt. Will Baron die bislang in zwei Lager zerfallene AfD-Fraktion schlagkräftiger machen, muss er sie hinter sich einen − und das geht nur, wenn er den rechten Flügel hinter sich hat. Und nicht, wie Gögel, gegen sich. Sein rascher Aufstieg in der Fraktion und der Wahlsieg gegen Sänze sprechen dafür, dass Baron auch im Rechtsaußen-Lager der AfD-Fraktion gut ankommt. Was also tatsächlich hinter der eher gemäßigten Maske des neuen Fraktionschefs steckt, muss sich erst weisen.


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