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Pro & Contra: Sollten wir die Tradition Valentinstag weiterhin pflegen?

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Für einige ist der Valentinstag ein Grund zum Feiern, für andere ein Tag wie jeder andere – oder sogar einer, der richtig nervt. Unsere Autoren sind ebenfalls unterschiedlicher Meinung.

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Rote Rosen sind der Geschenkklassiker für den Valentinstag am 14. Februar.
Rote Rosen sind der Geschenkklassiker für den Valentinstag am 14. Februar.  Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Rote Rosen, Herzkarten und Schokoladenherzen überall – der Valentinstag wird weltweit als Zeremonie der Herzen gefeiert. Doch während einige Paare diesen Tag nutzen, um ihre Verbundenheit zueinander zu zelebrieren, sehen andere darin eine zunehmende Kommerzialisierung der Gefühle. Ist der Valentinstag noch ein echtes Fest der Zuneigung oder eher ein Produkt geschickter Marketingstrategien?

Pro
Von Theresa Heil

Die Liebe ist das schönste Gefühl der Welt, da sind sich die meisten wohl einig. Es ist nur logisch, dieser universalen Emotion auch einen Gedenktag zu widmen. Der 14. Februar ist in unserer heutigen Zeit leider völlig zu Unrecht als Werbefalle verschrien, sodass die wahre Bedeutung des Brauchtums oft nur auf den zweiten Blick ersichtlich ist.

Ja, Floristen und Chocolaterien machen an diesem Tag im Jahr vermutlich das Geschäft des Jahres. Aber auch aus anderen Feier- und Gedenktagen schlagen Geschäfte Profit. Beispielsweise wird jedes Jahr zur Weihnachtszeit darüber gestritten, ob der Weihnachtsmann nun eine Erfindung von Coca Cola oder dem Heiligen Nikolaus nachempfunden ist. Als Werbefigur hat der Mann mit der roten Mütze eine kommerzielle Ebene, aber das schmälert nicht die eigentliche Bedeutung der Feiertage, die er repräsentiert. Solche Diskussionen sind somit müßig.

Wie Weihnachten ist auch der 14. Februar keine Erfindung des Kommerzes, sondern hat einen lange zurückliegenden Ursprung. Bereits seit dem 14. Jahrhundert wird an diesem Datum das Fest der Liebe begangen. Der Gedenktag wird dem Heiligen Valentinus von Rom zugeschrieben. Zu Zeiten der Christenverfolgung im Römischen Reich traute er Paare, die wegen ihres Glaubens eigentlich nicht heiraten durften. Dafür wurde er enthauptet.

Am Valentinstag feiern, dass die Liebe in Deutschland für alle frei ist

Was haben wir für ein Glück, dass wir in einer Zeit leben, in der in Deutschland – zumindest rein rechtlich – jeder heiraten darf, wen er möchte. Unabhängig von Religion, Alter und Geschlecht. Seit 2017 ist die Ehe für alle in Deutschland legal. Das war ein hart erkämpfter, längst überfälliger Schritt. Wie der Lesben- und Schwulenverband berichtet, wird in immer noch 66 Ländern dieser Welt Homosexualität strafrechtlich verfolgt. In zwölf Ländern, zum Beispiel Saudi Arabien, steht darauf sogar die Todesstrafe. Dass wir in unserem Land das Privileg besitzen, Liebe frei und ohne Angst auszuleben, ist ein Grund zum Feiern.

Auffallend oft reden gerade Singles schlecht über den Tag der Liebe. Aber wer sagt denn, dass man den Valentinstag nur mit einem Partner verbringen muss? Auch mit Freundinnen oder Freunden lässt sich mit einer gemeinsamen Aktivität oder einer Geste der Zuneigung dem Alltagstrott entfliehen. Der 14. Februar ist nur der Anlass – was man daraus macht, liegt bei einem selbst. Wen der Valentinstag richtig nervt, der sollte mal in sich gehen. Vielleicht braucht er oder sie nämlich in Wirklichkeit genau das: mehr Liebe.  

Contra
Von Aleyna Cumart

Die romantische Idee, einen Tag im Jahr speziell der Liebe und Zuneigung zu widmen, klingt zweifellos charmant. Doch in der Praxis hat sich der Valentinstag weit von seinen ursprünglichen Intentionen entfernt. Anstatt ein echtes Fest der Liebe zu sein, wird er zunehmend zu einer Pflichtübung, die von kommerziellen Interessen angetrieben wird. Die Erwartung, am 14. Februar mit materiellen Geschenken seine Liebe zu beweisen, setzt viele Menschen unter Druck und lässt den eigentlichen Sinn des Valentinstags in den Hintergrund treten. Und mal ganz ehrlich: Macht Liebe so überhaupt noch Spaß?

Es ist ironisch, dass ein Tag, der ursprünglich der Ausdruck von Liebe und Wertschätzung sein sollte, für viele zu einer Quelle von Stress und Unbehagen wird. Wer keine teuren Geschenke macht oder bekommt, fühlt sich oft minderwertig oder ungeliebt. Dieser kommerzielle Druck überschattet die einfachen, aber wertvollen Gesten der Liebe und Zuneigung, die jeden Tag des Jahres gezeigt werden können – und sollten. Und zugegebenermaßen: Das ist der schwierige Teil einer Beziehung. Kaufen kann nämlich jeder, der Geld hat. 

Valentinstag vermittelt ein unrealistisches Bild von Liebe

Man kann es auch übertreiben. Oftmals wird am Valentinstag ein unrealistisches Bild der "perfekten" Beziehung vermittelt, besonders durch die Darstellung in sozialen Medien. Einige Paare, insbesondere Influencer, inszenieren ihre Beziehung, als würden sie in einem Wettbewerb stehen. Doch sollte nicht jede Beziehung so einzigartig und individuell sein wie die Menschen selbst? Diese Darstellungen können bei anderen Paaren zu unnötigen Vergleichen führen, die das eigene Glück schmälern, indem sie den Blick auf die Realität verzerren und vielleicht zu Enttäuschungen führen, weil das, was man selbst vom Partner erhalten hat, im Vergleich weniger erscheint. 

Der Valentinstag verdeutlicht zudem, was fehlt: Ein Tag, an dem auch Singles und die Selbstliebe groß gefeiert werden. Bekanntlich kann man in einer Beziehung gar nicht glücklich sein, wenn man es allein nicht ist. Während Paare also überall Rosen und Küsschen austauschen, gibt es keinen offiziellen Tag, um das Single-Leben zu feiern. Das lässt Singles am Valentinstag oft im Regen stehen, als gäbe es keinen Grund zu feiern, wenn man nicht in einer Beziehung ist. Ein „High-Five“ für alle Singles, die ihre Unabhängigkeit genießen, wäre doch auch mal was.

Hier könnt ihr nachlesen, was unsere Stimmt!-Autorinnen vom Valentinstag halten. 

 

 

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