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Pro & Contra: Die Debatte um die Winnetou-Bücher

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Der Ravensburger Verlag nimmt die beiden Kinderbücher „Der junge Häuptling Winnetou“ vom Markt und entschuldigt sich, nachdem in sozialen Medien Kritik geäußert wurde. Die Kritiker bemängeln „kulturelle Aneignung“, auch von Vorurteilen war die Rede. Unsere beiden Redakteure sind geteilter Meinung.

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Mika Ullritz (l) als Winnetou und Milo Haaf als Tom Silver in einer Szene des Films "Der junge Häuptling Winnetou"
Mika Ullritz (l) als Winnetou und Milo Haaf als Tom Silver in einer Szene des Films "Der junge Häuptling Winnetou"  Foto: dpa

PRO von Christoph Feil

Niemand wird als Rassist geboren. Beeinflusst werden wir aber durch die Geschichten, die man uns erzählt und die unsere Weltsicht prägen. Einer neuen Generation von Kinogängern und Leserinnen sollte nun die Vorgeschichte von Winnetou erzählt werden, des Deutschen liebstem Apachen-Häuptling. Vor gut 150 Jahren vom sächsischen Schriftsteller Karl May erfunden, in den 60ern von Schauspieler Pierre Brice verkörpert und um die Jahrtausendwende von Comedian Michael "Bully" Herbig veräppelt, sind die verschiedenen Auftritte der Kultfigur schon immer Produkte ihrer Zeit gewesen. Und für viele sicherlich eine mit Emotionen verbundene Erinnerung, die sie sich nicht madig machen lassen möchten. Doch die Zeiten haben sich geändert.

So ist es heutzutage nicht mehr angebracht, verklärende Wildwest-Romantik und verharmlosende Klischees über den Umgang mit den indigenen Ureinwohnern Amerikas unkritisch zu wiederholen. Umso mehr Fingerspitzengefühl ist gefragt, wenn man damit ein junges Publikum und ausdrücklich auch Erstleser ansprechen möchte, wie der Ravensburger Verlag mit seinen beiden Kinderbüchern zum Kinofilm "Der junge Häuptling Winnetou".

Dass in einer Vorbemerkung zu diesen Büchern darauf hingewiesen wird, dass es sich beim Folgenden um Fiktion und keine sachgerechte Darstellung handelt: Damit haben es sich die Verfasser schlicht und ergreifend zu einfach gemacht und die Verantwortung von sich geschoben. Diese Lektion musste nun der Verlag lernen. Nach "vielen negativen Rückmeldungen" hat er die Auslieferung der Titel gestoppt und sie aus seinem Programm genommen. Ein richtiger Schritt.

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CONTRA von Thomas Zimmermann

Nun hat es auch Winnetou erwischt, unseren strahlenden Helden aus Kindertagen. Der Ravensburger Verlag nimmt zwei Bücher zum Film „Der junge Häuptling Winnetou“ aus dem Programm, nachdem Kritiker in sozialen Medien die „überholte Darstellung indigener Völker“ kritisierten. Der Verlag knickt damit in beschämender Weise vor einer kleinen Minderheit selbsternannter Sprachwächter ein, die meist anonym, aber vor allem laut, skrupellos und gut organisiert sind. Sie sind auch, und das muss man klar benennen, Gegner der Demokratie. Denn die ganz große Mehrheit der Bevölkerung tickt völlig anders.

Sie will sich nicht vorschreiben lassen, was sie lesen und denken darf, und lehnt entschieden jene Gender-Sprache ab, in der sich der Verlag auch noch demütigst entschuldigt – das Schreiben klingt wie Realsatire. Bücher, vor allem Romane, sind immer Fiktion. Karl May war nie im Wilden Westen, dennoch war er ein großartiger Erzähler. Niemand wollte ernsthaft behaupten, dass die Kinderbücher den Alltag der Indianer im 19. Jahrhundert abbilden wollen. Wie arm wird unsere Welt, wenn sich ausgerechnet Verlage vorschreiben lassen, was sie veröffentlichen dürfen.

Zensur findet nicht statt, steht im Grundgesetz. Selbstzensur dagegen immer öfter. Denn der Vorfall steht in einer langen Reihe von Vorfällen, die zeigen, wie eng der Meinungskorridor im Land geworden ist. Deshalb tut es Not, dass die „schweigende Mehrheit“ endlich die Stimme erhebt. Wir könnten zum Beispiel mit unseren Kindern in den Film gehen, der immerhin das Prädikat „besonders wertvoll“ erhielt. Das wäre ein guter Anfang. Zumal unsere Kinder es uns danken würden. Das Buch können sie ja jetzt nicht mehr lesen.

 


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