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Nach Klette-Festnahme: Es fehlt der Wille zur umfassenden Aufklärung der RAF-Taten

  
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Nach der Verhaftung von Daniela Klette könnten viele dunkle Stellen in der RAF-Geschichte geklärt werden. Aber es wird wieder am Aufklärungswillen fehlen, auch bei staatlichen Stellen, findet unser Autor.

  
Polizisten stehen an einem Eingang zum Amtsgericht.
Polizisten stehen an einem Eingang zum Amtsgericht.  Foto: Sina Schuldt/dpa

Mit der Festnahme von Daniela Klette ist es den Sicherheitsbehörden nach langer Zeit gelungen, wieder einem ehemaligen Mitglied der Rote Armee Fraktion habhaft zu werden. Fast 26 Jahre, nachdem sich die RAF selbst aufgelöst hat, wäre die Möglichkeit, nochmals alles auf den Tisch zu legen. Aber es wird wieder nicht geschehen. Die RAF wird weiter ein Mythos bleiben.

Dabei gebietet es schon die Verantwortung für die Opfer der RAF, dass offene Fragen geklärt werden, dass ein Michael Buback erfährt, wer seinen Vater, den Generalbundesanwalt, am Gründonnerstag 1977 in Karlsruhe erschossen hat. Wer hat die präzise Sprengfalle gebaut, die Deutsche-Bank-Chef Herrhausen tötete? Wer hat Treuhand-Chef Rohwedder aus einer Entfernung von 60 Metern erschossen?


RAF-Geschichte: Es fehlt der Wille zur umfassenden Aufklärung

Die Brüder des RAF-Opfers von Braunmühl schrieben an die Attentäter: "Eure Sprache ist wie Beton." Aber Beton gibt es auf staatlicher Seite ebenso, nicht nur in Bezug auf Haftanstalten. Es fehlt bisher der Wille zur umfassenden Aufklärung.

Denn es wäre zu klären, wieso ein Stasi-Offizier 1978 vermerkte, RAF-Mitglied Verena Becker stünde seit Anfang der 70er-Jahre unter Kontrolle eines westdeutschen Geheimdienstes. Es wäre zu klären, was in Stammheim abgehört wurde, auch und vor allem in der Todesnacht von 1977. Es wäre zu klären, wieso das BKA die wegen Mordes gesuchte Gudrun Ensslin 1971 in Beirut festnehmen ließ – und sie wieder frei kam. Im Frühjahr 1972 begann die Mai-Offensive der RAF mit vielen Toten. Was wissen die Sicherheitsorgane? Sie werden es nicht sagen.

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