Hass und Hetze: Internet als Nährboden für niedere Instinkte
Die EU will konsequenter gegen Hass im Netz vorgehen. Das ist richtig und wichtig, löst aber das Grundproblem nicht, meint unser Autor.

Fast jeder zweite Nutzer wurde im Internet schon einmal beleidigt. Und über 41 Prozent der Menschen wurden falsche Dinge in sozialen Medien verbreitet. Das sind nur zwei der erschreckenden Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die Familienministerin Lisa Paus (Grüne) gestern vorgestellt hat.
Wirklich überraschend ist der Befund aber keineswegs. Das Internet und insbesondere die sogenannten sozialen Medien bieten einen idealen Nährboden für Hass, Hetze, sexuelle Belästigung und die Verbreitung von Verschwörungstheorien. Zu Hause auf der Couch fühlen sich viele Menschen angesichts der vermeintlichen Anonymität der digitalen Welt ermuntert, ihren Hass, ihre Wut, ihre niederen Instinkte hemmungslos auszuleben.
EU-Gesetz über digitale Dienste: Mehr Schutz für Nutzer bei Hass und Hetze
Konsequenzen hat das für die Täter in den wenigsten Fällen. Daher ist es richtig und wichtig, dass die Europäische Union mit dem Gesetz über digitale Dienste gegensteuern will. Mehr Schutz und Kontrolle für Nutzer, mehr Regeln und Pflichten für die Anbieter digitaler Dienste sind die Ziele dieses Gesetzes, das ab diesem Samstag EU-weit gilt.
Doch machen wir uns nichts vor. Auch das beste Gesetz wird Hass und Hetze im Netz nicht verhindern. Es bedarf schon eines gewaltigen zeitlichen und personellen Aufwands, um zumindest die schlimmsten Auswüchse im Netz zu bekämpfen und deren Urheber zur Rechenschaft zu ziehen. Dass die verrohte Debattenkultur auf Facebook, Instagram, X und Co. durch das Gesetz zivilisiert wird, ist ein Wunschtraum. Es bleibt wohl dabei: Wer sich in den sozialen Netzwerken bewegt, muss mit allem rechnen. Die Alternative heißt: Abmelden.
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