Höhere Priorität
Die Situation an den baden-württembergischen Kitas ist zwar verbesserungsbedürftig. Das düstere Bild, das von Funktionären gerne gezeichnet wird, entspricht aber nicht der Realität, meint unser Korrespondent.
Das Klappern gehört zum Handwerk. Dies ist vor allem für Verbände wichtig, um in der öffentlichen Diskussion das Maximum für ihre Klientel herauszuholen. Gerade Funktionäre im Bildungsbereich haben das Klappern perfektioniert − und schrecken auch vor Dramatisierungen nicht zurück, wie die Umfrage zu den Kitas im Südwesten zeigt. Doch das düstere Bild entspricht zum Glück nicht der Realität.
Gleichwohl hat die Befragung ihr Gutes, denn sie weist wieder einmal darauf hin, dass die Personalsituation an den Kitas verbesserungswürdig ist. Seit Jahren ist es nicht gelungen, die Weichen richtig zu stellen. Vor allem die Großstadt-Kitas werden als Arbeitgeber immer unattraktiver. Potenzielle Fachkräfte können sich das Leben in urbanen Regionen alleine wegen der hohen Wohnungs- und Lebenshaltungskosten schlicht nicht leisten.
Daher ist es schon erstaunlich, wie wenig wichtig der Gesellschaft − und die Politik ist ein Spiegelbild dieser − die Betreuung von Kita-Kindern (gewesen) ist. Obwohl die Haushaltskassen in den vergangenen zehn Jahren voll waren, wurde zu wenig investiert, um Kitas als Arbeitsplatz attraktiver zu machen. Wird nicht in Sonntagsreden immer laut proklamiert, wie wichtig Kitas für die Entwicklung der Kinder sowie für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind?
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