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Gastbeitrag: Deutschland muss sein Startup-Ökosystem stärken

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Es kommt nicht nur auf die Ideen an, sondern auf die Umsetzung, sagt unser Gastautor Christian Miele. Die Perspektiven für Gründer müssen besser werden.

Von Christian Miele

Christian Miele (36) ist General Partner beim globalen Venture Capital Fonds Headline und seit 2019 Vorstandsvorsitzender des Startup-Verbands. Als Spross der gleichnamigen Familiendynastie steht er für die Verbindung zwischen der Old Economy und der New Economy.


Christian Miele, Präsident des Bundesverbands Deutsche Startups.
Christian Miele, Präsident des Bundesverbands Deutsche Startups.  Foto: privat

Der Bundeskanzler war bestens aufgelegt, als er am 11. Mai die vom Startup-Verband jährlich veranstalteten German Startup Awards im Tipi am Kanzleramt eröffnete. Mit dem Event ehrt der Startup-Verband die Köpfe hinter herausragenden Startups. Über das Zeichen der Wertschätzung haben wir uns gefreut, zu Recht hat der Kanzler die herausragende Rolle von Startups als Innovationstreiber hervorgehoben.

Deutschland fällt bei den F&E-Ausgaben ab

Mit Blick auf Innovationen hierzulande müssen wir uns fragen: Leben wir zu sehr von der Substanz? Im internationalen Wettlauf der Innovationen fallen wir zurück. In den USA und China geben Unternehmen immer mehr für Forschung und Entwicklung aus. Der Abstand zu Deutschland wird größer. Was die Ausgaben für Forschung und Entwicklung gemessen am BIP angeht, fallen wir ab.

Wir haben herausragende Forschung, aber ein Problem bei der Umsetzung in die Praxis. Trotz Weltklassepatenten bleibt Deutschland insbesondere beim Transfer von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen weit hinter Ländern wie den USA zurück.

Wenn wir unsere PS auf die Straße bringen wollen, müssen wir an den Hochschulen ansetzen. Studierende haben oft unzureichenden Zugang zu Entrepreneurship: Sie wissen nicht, welche Schritte man gehen muss, um im Labor erfolgreich erprobte Ideen in die Praxis zu bringen.

 


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MP3 wurde in Deutschland entwickelt, die Früchte ernteten andere

Das Paradebeispiel ist das MP3-Format. Sechs Erfinder des Fraunhofer-Instituts entwickelten ein Verfahren, um Musik stark zu komprimieren, ohne hörbare Qualitätseinbußen. Erst dieses Verfahren erlaubte es dem US-amerikanischen Unternehmen Apple, mit dem iPod die Welt zu verändern.

Apple ist heute doppelt so viel wert wie alle deutschen börsennotierten Firmen zusammen. Diese Geschichte lehrt uns: Es kommt nicht nur auf die Idee an, sondern darauf, wie man sie zum Erfolg führt. Dieses unternehmerische Denken sollten wir jungen Menschen vermitteln.

München hat gezeigt, wie ein Ökosystem entstehen kann

Wir müssen Strukturen zur Gründungsförderung an Universitäten schaffen und Anreize für den Aufbau von unternehmerischen, nachhaltigen Strukturen setzen.

Wie das gelingen kann, zeigt UnternehmerTUM in München. 2002 von Susanne Klatten initiiert, tritt UnternehmerTUM seit 20 Jahren an, um eine neue Gründungskultur zu etablieren.

Aus der Idee ist ein starker Motor für den Standort München geworden. In 20 Jahren sind über 1000 Startups entstanden, München hat Berlin bei den Startup-Gründungen pro Kopf den Rang abgelaufen. Das ist auch ein Erfolg der guten Gründungsförderung an Hochschulen. Mit den Campus Founders ist auch in Heilbronn eine vielversprechende Initiative an den Start gegangen.

Das zeigt, wie neue Startups entstehen, die eine Frischzellenkur für die Wirtschaft sind. Sie haben das Potenzial für Tech-Champions Made in Germany, siehe Celonis, Flixbus und Zalando. Das ist dringend notwendig, denn unsere Wirtschaft ist in die Jahre gekommen.

Während die fünf wertvollsten Konzerne der USA mit Ausnahme Saudi-Aramco weniger als 30 Jahre alt sind, sind deutsche Unternehmen Dinos. Im Ranking der Top 100 wertvollsten Unternehmen war Ende 2022 kein deutsches Unternehmen vertreten. Ein Grund: der schwach aufgestellte Tech-Sektor.

 


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Der "War for Talents" ist kein regionaler oder nationaler Wettstreit

Um Tech-Champions hervorzubringen, brauchen wir zudem internationale Top-Talente. Nur mit ihnen können Startups wachsen. Der Fachkräftemangel ist das zentrale Hemmnis. Aber: Im globalen "War for Talents" konkurrieren deutsche Startups nicht mehr nur mit deutschen oder europäischen Unternehmen um die besten Kräfte, sondern mit global agierenden Digital- und Technologieunternehmen. Dabei ziehen sie zu oft den Kürzeren.

Ein bewährtes Mittel, um im "War for Talents" mitzuhalten, sind Mitarbeiterbeteiligungen. Startups nutzen dieses Instrument, um Top-Talente zu sich zu locken. Doch die Rahmenbedingungen in Deutschland sind international nicht konkurrenzfähig: Wir sind europaweit Schlusslicht. Das muss sich ändern.

Olaf Scholz hat zugesagt, ein entsprechendes Gesetz bis zum Sommer ins Kabinett zu bringen. Zudem muss der Zugang für Fachkräfte und Gründer nach Deutschland erleichtert werden. Eine schnellere und vereinfachte Einwanderung muss her, denn klar ist: Nur wenn Handwerker Wohnungen bauen und Erzieher sich um den Nachwuchs kümmern, sind wir als Einwanderungsland attraktiv.

Auch die Finanzierungsbedingungen müssen sich verbessern. Wir müssen mehr Kapital privater institutioneller Investoren wie Lebensversicherungen mobilisieren. Nur so werden wir den wachsenden Kapitalbedarf der Startups stillen.

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