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Aktivisten der "Letzten Generation" sollten ihre Protestform überdenken

Den Klimaschützern der "Letzten Generation" fehlt die Unterstützung aus der Bevölkerung, meint unser Kommentator.

Jürgen Paul
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Lesezeit 1 Min
«Letzte Generation»
Im Jahr 2022 haben sich gerade einmal rund 800 Menschen an den Protestaktionen der Gruppe beteiligt.  Foto: Swen Pförtner/dpa/Symbolbild

Es sind große Ankündigungen, die die Klimaschützer um die selbsternannte "Letzte Generation" gemacht haben. Der Widerstand werde größer als je zuvor, man werde den Protest in jede Stadt und jedes Dorf der Republik tragen. Was das konkret bedeutet, bleibt freilich unklar. Denn im vergangenen Jahr haben sich gerade einmal rund 800 Menschen an den Protestaktionen der Gruppe beteiligt. Das wird nicht reichen, um das Land lahmzulegen, das räumen die Aktivisten selbst ein.

Entscheidend sei, deutlich mehr Menschen zur Teilnahme zu bewegen, sagte die Sprecherin. Genau das ist der Knackpunkt: Der "Letzten Generation" ist es bisher nicht gelungen, breite Unterstützung für ihre Protestaktionen zu gewinnen. Vielmehr lehnt eine große Mehrheit Blockaden von Autobahnen und Flughäfen sowie Manipulationen an Öl-Pipelines rigoros ab, wie zahlreiche Umfragen zeigen. Und die Grenze zwischen unbequemem, aber legitimem zivilen Ungehorsam und Straftaten sind mitunter fließend.

Es spricht also wenig dafür, dass die Aktivisten Rückenwind aus der Bevölkerung bekommen. Daher sollten sie die Form ihres Protests überdenken. Fridays for Future haben 2018 eindrucksvoll vorgemacht, wie man das Thema Klimaschutz in die öffentliche und politische Debatte bringt. Wohl kaum jemand würde behaupten, die Bewegung habe nichts bewirkt. Natürlich drängt die Zeit bei diesem Thema, natürlich muss die Politik ihre Klimaschutzbemühungen erheblich verstärken. Mit einer Radikalisierung der Protestbewegung wird man dieses wichtige Ziel jedoch nicht erreichen, sondern eher diskreditieren.

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