Wal im Livestream: „Timmy“ liegt vor Insel Poel –Rettungsteam arbeitet weiter

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Nachdem „Timmy“ vor der Insel Poel am Montag ein paar Kilometer geschwommen ist, liegt er wieder in einer Bucht. Ein Livestream zeigt den Wal in der Ostsee. 

Die Hoffnung war am frühen Montagmorgen groß: Der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal – „Timmy“ oder auch „Hope“ genannt – hatte es geschafft, sich freizuschwimmen. Zumindest frei von der Sandbank. Aus der Bucht hinaus in die tiefere Ostsee hat es der Wal hingegen nicht geschafft. Stattdessen liegt der Buckelwal erneut vor Poel. Ob er nicht weg kann oder nicht will, ist unklar – die Expertenmeinungen gehen auseinander. Im Livestream kann der Buckelwal beobachtet werden, er liegt ruhig.  

Livestream zeigt Wal in der Ostsee: Rettungsteam kümmert sich um „Timmy“ 

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Viel zu sehen ist am Dienstagmorgen zunächst nicht. Keine Boote, nur der Wal, wie er mit seinem Rücken aus dem Wasser ragt. Das tonnenschwere Tier liegt weiterhin am Ausgang der Kirchsee genannten Bucht in der Nähe des Fahrwassers. Timmy atmet, auch seine Flipper genannten Brustflossen bewegt der Wal. Diese tauchen immer wieder aus dem heute deutlich niedrigeren Wasser auf. 

Gegen 10 Uhr kommt Bewegung rein: Im Zuge der privaten Hilfsaktion soll dem Wal auch Nahrung angeboten werden. Dabei handle es sich um Hering und Shrimps, sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD) nach einer Lagebesprechung im Hafen von Kirchdorf. Die Arbeiten der privaten Initiative würden fortgesetzt. Auf Live-Bildern war bereits Aktion am Wal zu sehen.

Wie sehr das Schicksal von „Timmy“ bewegt, ist in den vielen Kommentaren unter dem Livestream deutlich zu sehen. Rund 27.000 Zuschauer verzeichnet der Livestream gegen acht Uhr. Die große Frage: Wie geht es jetzt weiter? Wird ein neuer Rettungsversuch gestartet? 

Boote sollen Weg nach Wismar versperren, falls „Timmy“ schwimmt

In der Nacht näherte sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) gemeinsam mit Experten der Landesfischereiaufsicht dem Tier bis auf etwa 500 Meter. „Der Wal liegt ruhig“, sagte der Minister gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) danach.

Die Helfer hoffen, dass das tonnenschwere Tier nach einer nächtlichen Erholungspause erneut losschwimmt und den Weg aus der Kirchsee, einer flachen Bucht der Insel Poel nördlich von Wismar, findet. 

Sollte es mit dem erneuten Losschwimmen klappen, muss der Buckelwal nach dem Verlassen der Bucht in die richtige Richtung schwimmen – nach Nordwesten, zum offenen Meer hin. Mehrere Boote sollen ihm deshalb den Weg nach Osten, in Richtung Wismar, versperren. Dort war der Wal schon Anfang März im Hafenbecken gesehen worden.

Der Buckelwal liegt vor der Insel Poel am Dienstagmorgen an der gleichen Stelle wie am Vorabend.
Der Buckelwal liegt vor der Insel Poel am Dienstagmorgen an der gleichen Stelle wie am Vorabend.  Foto: Jens Büttner

Gibt es eine neue Rettungsaktion? Walforscher gegen weitere Versuche

Doch was, wenn das Tier sich nicht aus eigener Kraft befreit? Der Berliner Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter spricht sich gegen weitere Rettungsversuche aus. „Wir müssen jetzt endgültig einsehen, dass es für uns nicht möglich ist, diesen Wal aktiv zu retten“, sagte er. „Wir sollten ihm im Moment nur den größten Gefallen tun, indem wir ihn sein lassen.“

Die ruhende Position im flachen Wasser nimmt der Wal der Überzeugung des Experten nach immer wieder freiwillig ein, „weil er sich das Leben erleichtern will“. „Er liegt im Wasser, das trägt ihn, das heißt, er erdrückt sich nicht mit seinem eigenen Gewicht. Er muss nicht dafür sorgen, dass er an die Oberfläche kommt. Er braucht sich nicht zu bewegen, wenn er Schmerzen hat. Und er kann atmen, die ganze Zeit.“

Bedingungen werden wieder schlechter: Wasserstände sinken 

Doch die Zeit drängt: Der Wasserstand sollte in der Nacht und am Dienstag sinken. Dem Meeresbiologen Boris Culik zufolge kann das für den rund zwölf Tonnen schweren Wal schlimme Folgen haben: „Wenn er jetzt gemütlich mit dem Bauch auf einer Sandbank liegt und oben guckt das Blasloch raus, alles gut. Aber wenn dann 50 Zentimeter weniger Wasser da sind, dann entwickelt er ein unheimliches Gewicht, das dann auf seinen inneren Organen lastet. Er hat ein ganz schwaches Skelett im Vergleich zu uns."

Es werde höchste Zeit, ihn von der Stelle weg zu bugsieren. Wale atmen über ein oder zwei Blaslöcher auf dem Kopf, die als modifizierte Nasenlöcher dienen, da sie Säugetiere mit Lungen sind. Sie atmen nicht durch das Maul, sondern stoßen beim Auftauchen Luft unter hohem Druck aus.

Angesichts der fallenden Wasserstände in der Kirchsee-Bucht solle auch größeres Saug- und Spülgerät eingesetzt werden. Dabei gehe es darum, den Wal zu entlasten. 

„Wir sind alle am Ende" – mehrere Teammitglieder verlassen Wal-Rettungsinitiative

Mehrere Teammitglieder haben die private Initiative zur Rettung des Wals vor Poel verlassen oder fallen vorerst aus. Christiane Freifrau von Gregory, die als Pressesprecherin des Teams aufgetreten ist, tritt zurück. Sie mache den Weg frei, da eine konstruktive und professionelle Zusammenarbeit unter den derzeitigen Rahmenbedingungen „für uns" nicht mehr möglich sei. „Unser Ziel war es stets, die professionelle und ruhige Umsetzung des Konzepts, das Mensch und Tier schützt. Die aktuellen Entwicklungen und die Dynamiken vor Ort entsprechen jedoch nicht mehr den Grundwerten und Standards, für die ich persönlich und wir als Team stehen", heißt es in einer schriftlichen Mitteilung von Gregorys. 

Weiter teilt sie mit: „Um die Integrität unserer bisherigen Arbeit zu wahren und die weitere Rettung des Tieres nicht durch interne Differenzen zu belasten, ist ein klarer Schnitt zum jetzigen Zeitpunkt unumgänglich." Der Rückzug der Sprecherin ist nicht der einzige, den die private Initiative verkraften muss. So ist deren leitende Tierärztin, Janine Bahr-van Gemmert, gestern mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht worden, wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sagte.

Auch eine weitere Tierärztin fällt demnach aus. „Ich habe natürlich auch mit großer Sorge zur Kenntnis genommen, dass die aus Hawaii eingeflogene Tierärztin abgereist ist", sagte Backhaus am Morgen. „Das nehme ich zur Kenntnis."  Zuvor hatten Medien berichtet, dass Jenna Wallace wegen Differenzen im Team abgereist sei. 

Mediamarkt-Mitgründer und Mitfinanzierer der Aktion Walter Gunz sprach von einer enormen Belastung für das ganze Team. Er selbst habe seit acht Tagen nur drei bis vier Stunden pro Nacht geschlafen und sei auch angeschlagen. „Wir sind alle am Ende." Aufgeben wolle die Initiative aber nicht. Es gehe auf jeden Fall weiter. (lis/dpa)

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