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 „Veggie-Burger“ bleibt in der EU erlaubt – welche Begriffe künftig verboten sind

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Das EU-Parlament sorgte mit der Forderung nach einem Verbot von Bezeichnungen wie Veggieburger im vergangenen Jahr für Aufregung. Am Donnerstag einigte man sich nun auf einen Kompromiss.

von Katrin Pribyl

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Europas Saga um den Veggieburger ist beendet. Selbst wenn es sich um eine pflanzliche Alternative handelt und nicht um ein Tierprodukt, darf die Bezeichnung weiter auf dem Etikett der Produkte stehen. Dasselbe gilt für Begriffe wie Tofu-Wurst oder Soja-Schnitzel.

Am Donnerstag einigten sich Vertreter des EU-Parlaments, der Kommission und des Rats der 27 Mitgliedstaaten auf einen Kompromiss, nachdem im Dezember die Verhandlungen noch ohne Ergebnis abgebrochen wurden.

„Wenn auf einem Produkt vegetarisch oder vegan steht, dann weiß jeder halbwegs intelligente Mensch, dass es sich nicht um Fleischprodukte handelt“, lobte der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese das Ergebnis. Die Menschen sollten „selbst entscheiden, was sie essen und was sie nicht essen“.

Hersteller von Veggie-Produkten müssen sich teils neue Namen überlegen

Auch wenn im Kreis etlicher Parlamentarier Erleichterung herrschte, dass das Reizthema endlich vom Tisch war. Es bleibt nicht alles beim Alten. Vielmehr werden einige Änderungen dazu führen, dass sich Anhänger vegetarischer Kost umstellen und Unternehmen für einen Teil ihrer pflanzlichen Waren neue Namen ausdenken müssen.

Künftig sind konkrete Bezeichnungen von Tieren oder Tierteilen wie Schwein („Pork“), T-Bone, Rinderhüfte, Hühnchen („Chicken“), Leberpastete oder Speck („Bacon“) für vegetarische Produkte verboten. Auch Erbsen-Steaks dürfen künftig nicht mehr so heißen.

Allgemeinere, also weiter gefasste Begriffe wie Burger, Schnitzel oder Wurst dürfen derweil weiterhin verwendet werden, auch wenn kein Fleisch im Produkt steckt. Bahnt sich damit ein Chaos an? Wie nämlich wird die Kompromisslösung ausgelegt? Sind Bezeichnungen wie Kartoffelchips à la „Smokey Bacon“ noch gestattet?

Hinter den Kulissen hieß es, die Diskussion über Einzelfälle gehe weiter. Ausnahmen könnten zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt werden.  

Veggie-Diskussion trifft Nerv – „wichtigere Probleme, als sich über Kohlrabi-Schnitzel zu streiten“

Im Kern der Debatte stand die Frage, ob Konsumenten durch Lebensmittel getäuscht werden, die als Fleisch getarnt sind, aber kein Fleisch enthalten. So jedenfalls sahen es Teile der christdemokratischen Europäischen Volkspartei, vorneweg Celine Imart, jene französische EU-Abgeordnete der Republikaner, die den Vorstoß eingebracht hatte und bis zuletzt als Landwirtin und selbsterklärte Anwältin der Rinderbauern argumentierte, Produkte „aus Pflanzen, aus Laboren, aus Tofu oder Insektenmehl“ als Fleisch zu bezeichnen, sei für die Verbraucher „irreführend“. Sie wolle „die Dinge beim Namen nennen“.

Doch lediglich die Vertreter der beiden Rechtsaußen-Fraktionen, die sogenannten Patrioten für Europa und die ESN-Fraktion, der die AfD angehört, wollten Imarts Vorstoß in Gänze unterstützen. Dagegen sprachen sich die meisten Vertreter der anderen Fraktionen des EU-Parlaments und der Großteil der Mitgliedstaaten für einen im Juli von der EU-Kommission vorgelegten Kompromiss aus.

Selbst etliche Kollegen aus Imarts eigenem konservativen Lager, darunter CDU- und CSU-Europaabgeordnete, reagierten zuletzt genervt auf die Debatte. Man hätte in der EU aktuell „wichtigere Probleme, als sich über Kohlrabi-Schnitzel zu streiten“, hieß es.

Große Diskussion um Veggie-Produkte Ende 2025 entfacht 

Deutschland votierte gegen das Bezeichnungsverbot – nach einem anfänglichen Schlingerkurs wohlgemerkt. So meinte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) noch im Herbst: „Eine Wurst ist eine Wurst.“ Diese sei nicht vegan. Und auch Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) hatte den Vorstoß zunächst nicht gänzlich abgelehnt.

Die Kehrtwende in Berlin kam zwar mit Verweis auf „unglaublich hohe Kosten für die Wirtschaft“ sowie bürokratische Hürden. Der Aufschrei in der Bevölkerung dürfte beim Meinungsumschwung aber geholfen haben. 

Die Debatte, ob es die EU auch in Zukunft erlaubt, vegane Frikadellen auf den Grill zu werfen, hatte bei vielen Bürgern Spott und Ärger ausgelöst. War das wirklich die Priorität der Gemeinschaft? Hinzu kam die Kritik aus der Lebensmittelbranche, die mittlerweile für ein breites Sortiment aus Imitaten im Kühlregal von Supermärkten sorgt.

Wirtschaftlicher Faktor spielte Rolle: Neue Verpackungen würden Unternehmen Millionen kosten

Pflanzliche Produkte wie Seitan-Mortadella liegen im Trend. Fans der Fleischalternativen verweisen gerne auf ihre Gesundheit oder die Treibhausgasemissionen aus Viehzuchtbetrieben. So ist in Deutschland die Produktion von vegetarischen oder veganen Fleischersatzprodukten in den vergangenen Jahren weiter gewachsen, im Vergleich zu 2019 hat sie sich in den folgenden fünf Jahren gar mehr als verdoppelt. 2024 betrug der Wert der Waren mehr als 647 Millionen Euro.

Mehrere Firmen – darunter die Discounter Aldi Süd und Lidl, die Burgerkette Burger King sowie Hersteller wie Beyond Meat – hatten sich deshalb schon vor Monaten in einem gemeinsamen Brief gegen die Idee des Veggieburger-Banns ausgesprochen. Unter anderem Rügenwalder Mühle hatte darüber hinaus vor den Folgen einer Änderung gewarnt.

Die kurzfristigen Umstellungskosten schätzte das Unternehmen laut einer Sprecherin auf einen „einstelligen mittleren Millionenbetrag“. Betroffen wären rund 60 Produkte, deren Namen und Verpackungen neu gestaltet werden müssten. 

Die Veggieburger-Geschichte war Teil eines größeren Pakets, mit dem die EU Agrarvorschriften vereinfachen sowie Maßnahmen zur Stärkung der Landwirte in der Lebensmittelversorgungskette ergreifen will. 

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