Professor Amelie de Gregorio ist Oberärztin in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am SLK-Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn. Ihr Schwerpunkte liegt unter anderem auf Onkologischer Systemtherapie. Außerdem ist sie Leiterin der Dysplasiesprechstunde, die sich mit Dysplasien, also Zellveränderungen, an Vagina und Vulva beschäftigt.
Vanessa Mai enthüllt Krebsvorstufe: SLK-Expertin erklärt HPV-Infektion
Bei Vanessa Mai ist eine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert worden. Häufig wird HPV nur damit in Verbindung gebracht. Warum das nicht richtig ist und wie wichtig Impfung und Vorsorge sind, erklärt eine SLK-Ärztin.
Die Schlagersängerin Vanessa Mai, die Ende Juli beim Festival Haigern Live in Talheim auftritt, hat in einem Video auf Instagram öffentlich gemacht, dass bei ihr eine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert wurde – ausgelöst durch humane Papillomviren (HPV). In dem Video klärt die 33-Jährige über die Viren und die HPV-Impfung auf, gemeinsam mit der Initiative „Entschieden. Gegen Krebs".
Die Impfung von Kindern und Jugendlichen gegen HPV schützt im Erwachsenenalter zuverlässig vor verschiedenen Krebserkrankungen der Geschlechtsorgane und im Kopf-Halsbereich. Darauf weist die Deutsche Krebshilfe hin. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu HPV:
Vanessa Mai macht Krebsvorstufe öffentlich: Was ist HPV?
HPV bezeichnet die Gruppe der „Humanen Papillomaviren“, die unter Umständen verschiedene Krebsarten auslösen können. Innerhalb dieser Gruppe gibt es sogenannte Hoch- und Niedrigrisikostämme. „Den HP-Viren ist man über den Gebärmutterhalskrebs auf die Schliche gekommen, weshalb HPV auch häufig nur in Verbindung mit Gebärmutterhalskrebs in den Köpfen der Menschen abgespeichert ist. Was falsch ist, denn HPV macht viel, viel mehr“, erklärt Amelie de Gregorio.
Welche Krankheiten können HPV ausgelöst werden?
HPV kann Feigwarzen im Genital- und Analbereich auslösen sowie verschiedene Krebserkrankungen: Dazu gehört besonders häufig Gebärmutterhalskrebs, aber auch Vaginal-, Anal-, und Peniskrebs bei Männern können durch Humane Papillomviren ausgelöst werden. Auch der Mund- und Rachenraum kann mit Mandel-, Kehlkopf sowie Zungenkrebs betroffen sein. „Im Laufe des Lebens stecken sich circa 90 Prozent der ungeimpften Personen einmal mit HPV an. Bei den meisten heilt die Infektion folgenlos aus“, erklärt Amelie de Gregorio.

„Und dann gibt es Patienten, bei denen die Infektion bleibt, das Virus verbleibt in den Zellen.“ Hier gibt es zwei Gruppen: Menschen, die ihr Leben lang HPV-positiv sind, ohne dass etwas passiert. Und diejenigen, bei denen das Virus über die Zeit Zellveränderungen auslösen kann. Zellveränderungen können sich zu Krebsvorstufen entwickeln, müssen es aber nicht. Gerade bei leichteren Zellveränderungen ist es immer möglich, dass sich diese auch wieder von alleine zurückbilden.
Zellveränderungen am Gebärmutterhals werden über den sogenannten PAP-Abstrich diagnostiziert, der Teil der gynäkologischen Vorsorge ist. Bei Frauen unter 35 Jahren wird jedes Jahr ein PAP-Abstrich empfohlen, bei Frauen über 35 Jahren alle drei Jahre in Kombination mit negativem HPV-Test. Hierbei wird mit einem Wattetupfer eine Zellprobe vom Gebärmutterhals entnommen und im Labor untersucht.
Wie wird HPV übertragen?
HPV ist eine sexuell übertragbare Krankheit. „Man weiß auch, dass Kondome hierfür kein sicherer Verhütungsschutz sind. Auch deshalb ist die Impfung so entscheidend“, so die Ärztin.
Für wen wird die HPV-Impfung empfohlen?
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die HPV-Impfung für Jungen und Mädchen ab dem neunten Lebensjahr. „Wird man in diesem Alter geimpft, benötigt man nur zwei Impfungen für den vollständigen Impfschutz. Später benötigt man drei Impfdosen“, erklärt Amelie de Gregorio. Das liegt daran, dass das Immunsystem bei Kindern sehr gut auf die Impfung reagiere, später sei die Reaktion niedriger, weshalb man drei Impfdosen benötigt. Laut Studien haben Frauen, die vor dem siebzehnten Lebensjahr vollständig gegen HPV geimpft wurden, ein 88 Prozent niedrigeres Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken als ungeimpfte Personen. Zwar ist es optimal, vor dem ersten Geschlechtsverkehr zu impfen, doch auch danach sei eine Impfung noch möglich und sinnvoll, sagt Amelie de Gregorio.
Ist die HPV-Impfung für Jungen genauso wichtig wie für Mädchen?
„Ja. Zum einen geht es darum, eine Herdenimmunität zu erzeugen“, so die Gynäkologin. Auch Jungen können HPV unbemerkt übertragen, was durch eine Impfung verhindert werden kann. „Zum anderen können auch Männer HPV-assoziierte Krebserkrankungen und Feigwarzen bekommen.“
Wie sicher ist die HPV-Impfung?
Das Robert-Koch-Institut stuft die HPV-Impfung als „sehr sichere Impfung“ ein. Für die Überwachung von Impfstoffen ist in Deutschland das Paul-Ehrlich-Institut zuständig. „Basierend auf diesen Daten wurden seit Empfehlung der Impfung 2007 keine schweren unerwünschten Wirkungen gemeldet, die ursächlich in Zusammenhang mit der HPV-Impfung standen“, schreibt das RKI. Möglich sind kurzfristige, lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie Schwellung, Rötung und Schmerzen.
Warum sind die Impfquoten bei HPV weiterhin so niedrig?
Aktuell sind in Deutschland 60,5 Prozent der 18-jährigen Mädchen und 26,4 Prozent der Jungen vollständig geimpft. In Baden-Württemberg liegt die Impfquote bei den Mädchen bei 49,8 Prozent, bei den Jungen bei 19,3 Prozent. „Wir sind weit von der Impfrate entfernt, die man für eine Herdenimmunität braucht“, kritisiert Amelie de Gregorio. Sie plädiert für eine systematischere Aufklärung bei Kinder- und Hausärzten, auch das Informationsangebot in Schulen müsse besser werden. „Diese virusübertragbaren Krebserkrankungen sind wirklich vermeidbar. Die HPV-Impfung ist die erste und einzige Impfung der Welt, die das Auftreten von Krebserkrankungen verhindert.“
Werden die Kosten für eine HPV-Impfung von der Krankenkasse übernommen?
Die Kosten für die HPV-Impfung werden von der gesetzlichen Krankenkasse bis zum 18. Lebensjahr übernommen. Wer sich danach noch impfen lassen will, muss eine Kostenübernahme individuell mit der eigenen Krankenkasse abklären.

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