Sparer benachteiligt?
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Finanzwende wirft Sparkassen zweifelhafte Geschäftspraktiken vor – Verband kontert

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Die Bürgerbewegung Finanzwende wirft Sparkassen zweifelhafte Geschäftspraktiken vor. Es geht um unfaire Klauseln und verlustreiche Anlageprodukte für Sparer. Der Verband hält dagegen.


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Sparkassen genießen in Deutschland einen besonders guten Ruf – sie gelten in vielen Regionen als stark verwurzelt, nahbar und gesellschaftlich engagiert. Nun wirft eine Recherche der „Bürgerbewegung Finanzwende“, durchgeführt vom Verhaltensökonom Professor Hartmut Walz, Fragen auf. Es geht etwa um verlustreiche Anlageprodukte und ungültige Zinsklauseln mit teuren Folgen für Sparer. Der Deutsche Sparkassen und Giroverband (DSGV) nimmt gegenüber der Stimme Stellung und spricht von einer einseitigen und verzerrten Darstellung.

Finanzwende-Recherche über Sparkassen: Verhalten „verbraucherunfreundlich“

Für die „Bürgerbewegung Finanzwende“ recherchierte Walz einige Beispiele, die Zweifel am verbraucherfreundlichen Image der Sparkassen erwecken und laut ihm zu Lasten von Sparern gehen würden. Millionen von Sparkassen-Prämiensparverträgen würden etwa „unzulässige Klauseln“ enthalten, sodass Kunden teils Tausende von Euro an Zinsen entgehen würden. 

Die Ansprüche der Sparer seien oft ignoriert oder nur unzureichend entschädigt worden. Und das trotz klarer Gerichtsurteile, wie es weiter heißt. Hierzu schreibt Walz: „Das Verhalten der Sparkassen (…) ist gegenüber den Kunden unfair und massiv verbraucherunfreundlich.“

Sparkassenkunden sollen außerdem durch den Verkauf teurer und intransparenter Anlagezertifikate insgesamt etwa 600 Millionen Euro verloren haben. Ebenso sollen Immobilienfonds, die mit Risiken behaftet sind, als sichere Kapitalanlage verkauft worden sein, damit in der Nullzinsphase überschüssige Einlagen vermieden werden konnten. Zudem sollen die Sparkassen die Zinsspanne nach der Zinswende etwa „erheblich stärker als bei anderen Banken“ ausgedehnt und somit Rekordwerte bei den Zinsüberschüssen erzielt haben. 

Das Fazit von Walz’ Recherche? Die Geschäfts- und Produktpolitik vieler Sparkassen sei „in Teilen kundenunfreundlich“ und orientiere sich „weniger am Gemeinwohl, einer hinreichend sicheren und ertragbringenden Geldanlage“ für Kleinanleger als vielmehr am Gewinn der Bank.

Sparkassen-Verband weist Vorwürfe scharf zurück: „Einseitiges und verzerrtes Bild“

Wie reagiert der DSGV auf die Kritik? Pressesprecher Thomas Rienecker wird gegenüber der Stimme deutlich. „Die Veröffentlichung von Finanzwende zeichnet ein einseitiges und verzerrtes Bild der Sparkassen“, teilt er mit. Die dort erhobenen Vorwürfe seien weder neu noch belegt. „Sie blenden zentrale Fakten über das Geschäftsmodell und den öffentlichen Auftrag der Sparkassen aus.“

Rienecker teilt mit, dass Sparkassen nicht im Interesse von Aktionären, sondern im Interesse der Menschen und Unternehmen in ihren Regionen handeln würden. „Der Vorwurf, Gewinnstreben stehe über dem Kundeninteresse, entbehrt jeder Grundlage.“ Die Konditionen seien fair und marktgerecht, „sowohl im Einlagen- als auch im Kreditgeschäft“. 

Laut Rienecker sei wirtschaftlicher Erfolg kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung für Sparkassen, um ihren Auftrag erfüllen zu können. „Nur wer solide wirtschaftet, kann dauerhaft Kredite vergeben, Investitionen in der Region finanzieren und Kundinnen und Kunden auch in schwierigen Zeiten verlässlich begleiten.“

Laut Rienecker greife auch die Kritik an der Produktpolitik zu kurz. „Sparkassen verzichten auf spekulative oder intransparente Produkte wie Turbo-, Faktor- oder Knock-out-Zertifikate“, stellt er klar. Sie würden auf „Beratung mit Augenmaß und klare Information“ setzen. „Die Finanzaufsicht BaFin hat den Zertifikatemarkt zuletzt umfassend geprüft und konnte dabei keine systematischen Mängel oder Fehlverhalten bei Sparkassen feststellen.“

Studie kritisiert Sparkassen scharf – was hinter der Bürgerbewegung Finanzwende steckt

Die „Bürgerbewegung Finanzwende“ erregte bereits im vergangenen Jahr mit einer Studie zur „Lobbymacht der Sparkassen“ Aufsehen. Darin zeigte die Bürgerbewegung auf, dass der Deutsche Sparkassen und Giroverband pro Jahr mindestens 3,35 Millionen Euro für die Einflussnahme auf Bundestag und Bundesregierung ausgebe. Den Vorwurf hatte der DSGV zurückgewiesen und klargestellt, dass hinsichtlich Lobbytätigkeiten transparent gearbeitet und Meldepflichten erfüllt werden.

Bei der Bürgerbewegung handelt es sich um einen Verein, der 2018 vom ehemaligen Grünen-Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick mitgegründet worden ist. Schick ist Vorstand und Sprecher des Vereins. Die frühere Cum-Ex-Staatsanwältin Anne Brorhilker sitzt ebenfalls im Vorstand. Der Verein versteht sich als überparteilich und will laut eigenen Angaben ein Gegengewicht zur Finanzlobby schaffen.

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