Linkshänder und ihre Probleme

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Die alltäglichen Tücken fangen schon beim Schreiben mit dem Füller an, wenn die Tinte verwischt. Zum Internationalen Linkshändertag haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zur Linkshändigkeit zusammengestellt.

Von Bianca Zäuner

Was haben Leonardo da Vinci, Jack the Ripper, Ludwig van Beethoven und Barack Obama gemeinsam? Sie alle sind Linkshänder. Dieses Schicksal teilen sie mit mindestens acht Millionen Deutschen. Anlässlich des heutigen Internationalen Linkshändertags haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zur Linkshändigkeit zusammengestellt.

Mit welchen Problemen haben Linkshänder zu kämpfen?

 Foto: Patrick Lux

Schon in der Grundschule erkennt man Linkshänder meistens an einer mit Tinte oder Bleistift verschmierten Hand. Durch ihre Schreibposition wischen sie über das soeben Geschriebene. Verwenden sie einen normalen Block, bohren sich zudem die Metallspiralen am Rand unangenehm in den Arm.

Auch vermeintlich normale Produkte wie Dosenöffner, Sparschäler oder Suppenkellen sind für Rechtshänder gemacht und verlangen dem Linkshänder oft Akrobatikkünste ab, um sie adäquat verwenden zu können. Auch in der Fahrschule gibt es oft Eingewöhnungsschwierigkeiten: Sowohl Gangschaltung als auch Handbremse müssen mit der rechten Hand betätigt werden.

Gibt es spezielle Produkte für Linkshänder?

Viele Gebrauchsgegenstände, die speziell für Linkshänder gemacht sind, sollen ihnen das Leben erleichtern.
Viele Gebrauchsgegenstände, die speziell für Linkshänder gemacht sind, sollen ihnen das Leben erleichtern.  Foto: Patrick Lux

Ja, in Hülle und Fülle. Zahlreiche Online-Shops haben sich auf den Vertrieb von Linkshänder-Produkten spezialisiert. Und davon gibt es einige: Linkshänder-Scheren sind den meisten ein Begriff, diese gibt es in jedem Schreibwarengeschäft. Das Gleiche gilt für spezielle Blöcke und Schreibhefte.

In den Online-Shops findet sich aber noch viel mehr: spezielles Besteck, Korkenzieher, Gartengeräte, Brotschneidemaschinen, Uhren − die Liste ließe sich noch ewig fortführen. Zudem werden Produkte angeboten, beispielsweise ein Sparschäler, die sowohl von Rechts- als auch von Linkshändern benutzt werden können, sie eignen sich also für den "gemischthändigen Haushalt", heißt es in der Artikelbeschreibung.

Wie viele Linkshänder gibt es?

Forscher vom Max-Planck-Institut beziffern den Anteil der Linkshänder in Deutschland auf etwa zehn Prozent. 70 Prozent der Deutschen sind Rechtshänder, die Übrigen 20 Prozent entfallen auf umerzogene Linkshänder und Menschen, die mit beiden Händen in etwa gleich geschickt sind. Unter Männern gibt es mehr Linkshänder als unter Frauen.

Wie entsteht Linkshändigkeit?

Das ist von der Forschung noch nicht abschließend geklärt. Es gibt zahlreiche Theorien. Was man relativ sicher weiß: Welche Hand bevorzugt verwendet wird, entscheidet sich schon im Mutterleib. Sichtbar wird das oft schon im Kleinkindalter. Als mögliche Ursache für Linkshändigkeit sehen einige Forscher einen erhöhten Testosteronspiegel während der embryonalen Entwicklung. Andere vermuten Vererbung, also ein "Linkshänder-Gen". Forscher der Ruhr-Universität Bochum machen eine Asymmetrie im Rückenmark für die Linkshändigkeit verantwortlich.

Was hat es mit Umerziehen von Linkshändern auf sich?

Unsere Gesellschaft ist auf Rechtshänder ausgelegt. Linkshänder machen nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus.
Unsere Gesellschaft ist auf Rechtshänder ausgelegt. Linkshänder machen nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus.  Foto: Patrick Lux

In Deutschland war es bis in die 1970er-Jahre gängige Praxis, Kinder spätestens im Grundschulalter dazu zu zwingen, ausschließlich die rechte Hand als Schreibhand zu verwenden. Teilweise geschah diese Umschulung mit brutalen Methoden: Schläge auf die Hand, Eingipsen des linken Arms oder Festbinden am Körper. Weitaus häufiger wurden sanftere Methoden angewendet. Besonders häufig eingesetzt wurde ein spezieller Löffel, der so konzipiert ist, dass er nur mit der rechten Hand zum Mund geführt werden kann.

Kann eine solche Umerziehung negative Folgen haben?

Ja. "Durch eine Umschulung der Händigkeit kommt es zu Über- und Unterbelastungen im Gehirn", heißt es auf der Homepage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Mögliche Folgeerscheinungen sind mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisstörungen und Legasthenie. Aber nicht nur der Körper, auch die Psyche kann einen Schaden davontragen. Bei einer Umerziehung wird der Linkshänder nicht zum Rechtshänder, ergab eine Studie der Neurologen Stefan Klöppel und Hartwig Siebner. Planung und Kontrolle der Bewegungen übernimmt auch bei seit Jahrzehnten umgeschulten Linkshändern noch immer die ursprünglich dominante Hirnhälfte.

 
 
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