Verbraucherschützer warnen vor Ticket-Börsen

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Eine Eintrittskarte für das Konzert von Ed Sheeran, zwei Tickets für das Bundesliga-Spiel Bayern München gegen den VfB Stuttgart – das sind gerade zu Weihnachten beliebte Geschenke. Doch mit manchen Portalen machen Käufer schlechte Erfahrungen.

Von Heike Kinkopf

Fans greifen tief in die Tasche, um an begehrte Karten für Konzerte, Fußballspiele oder Festivals zu gelangen. Im Internet werden sie fündig. Dort tummeln sich fragwürdige Kartenanbieter.

Mit einem von ihnen macht Rainer Köller aus Hardthausen schlechte Erfahrungen.

Der 58-Jährige kauft im Internet Tickets für die Show der Ehrlich-Brothers im Februar in Ludwigsburg. Für eine Karte zahlt er 106 Euro. Was Köller in Rage bringt: Als die Eintrittskarte bei ihm zu Hause ankommt, stellt er fest: Er hat gut und gern 20 Euro mehr bezahlt, als das Ticket eigentlich kostet.

Auf manchen Portalen bieten Wiederverkäufer Tickets an

Was dem Mann aus Hardthausen nicht klar war: Das Portal mit Sitz in den Niederlanden ist ähnlich wie das Portal Viagogo in Genf ein Händlerportal. Die Karten, die dort für Veranstaltungen angeboten werden, sind teurer als bei den ausgewiesenen Vorverkaufsstellen. Denn die Anbieter treten als Wiederverkäufer auf und geben Tickets zu höheren Preisen weiter. "Das ist auch zulässig", sagt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Aber: Die Geschäftspraktiken von Anbietern wie Ticketbande oder Viagogo seien Kunden nicht klar. "Die Zahl der Beschwerden bei der Verbraucherzentrale ist dieses Jahr stark gestiegen."

"Die Betreiber machen nicht deutlich darauf aufmerksam, dass sie keine offiziellen Vorverkaufsstellen, sondern nur Handelsplätze sind", teilt Gollner mit. Dort bieten private Verkäufer ihre Karten meist über dem Originalpreis an, die Plattformbetreiber wollen ebenfalls mitverdienen und berechnen − meist überteuerte − Entgelte etwa für die Lieferung der Karten oder die Nutzung ihres Dienstes.

Karten kommen erst am Veranstaltungstag an

Dazu kommt Gollner zufolge, dass die Portale die Karten häufig erst am Veranstaltungstag zustellten. Die Kunden bangen und hoffen, dass sie die Tickets überhaupt erhalten und dass sie es noch rechtzeitig zum gewünschten Veranstaltungsort schaffen. Oft nehmen sie dafür weite Anfahrtswege in Kauf.

Die Verbraucherschützer in Bayern reagieren ebenfalls auf fragwürdige Ticketbörsen im Netz. Sie mahnen das Portal Viagogo bereits im Februar ab. Das Verfahren ist beim Landgericht München anhängig, teilt Tatjana Halm von der bayerischen Verbraucherzentrale auf Stimme-Anfrage mit. Es sei den Kunden während des gesamten Kaufvorgangs nicht bewusst, dass Viagogo nicht der Verkäufer des Tickets sei.

Käufer trägt das Risiko

Das Risiko, dass eine Bestellung nicht geliefert wird oder der Preis höher als beim Kauf direkt beim Veranstalter ist, trage allein der Käufer. Außerdem verstoße das Unternehmen gegen den Grundsatz der Preisklarheit, weil es nur unzureichend darauf aufmerksam mache, dass zu dem Kartenpreis Buchungs- und Abwicklungskosten hinzukommen. Die beiden Ticketbörsen reagieren nicht auf Anfragen der Heilbronner Stimme.

In Internetforen machen zahlreiche verärgerte Ticketbande-Kunden ihrem Ärger über die Anbieter Luft. "Ganz übler Service, eigentlich gar keiner. E-Mails werden nicht beantwortet, die Bitte um rechtzeitige Zusendung der Tickets ignoriert", heißt es darin. Ein anderer Nutzer findet es befremdlich, dass er erst im Nachhinein feststellt, dass er die Karten gar nicht bei einer Konzertagentur geordert hatte. "Also bieten sie Karten an, ohne ein Kontingent zu haben?", fragt er misstrauisch.

Doch das haben sie oftmals auch. Darauf macht der Verbraucherschutz Baden-Württemberg aufmerksam. Allerdings beriefen sich die Anbieter bei Schwierigkeiten auf ihre Vermittlerrolle.

Als betrügerisch empfindet Köller die Vorgehensweise der Ticketbörse. Er möchte sein Geld zurück. Vom Internet-Kauf zurücktreten kann er nicht. Der Gesetzgeber hat Veranstaltungen vom Widerrufsrecht ausgenommen.

Hier gibt es mehr Sicherheit

Wer eine Eintrittskarte für Konzerte oder sonstige Veranstaltungen im Internet kaufen möchte, sollte am besten die offizielle Website des Veranstalters aufrufen, rät Verbraucherschützer Christian Gollner. Dort finden sich üblicherweise direkte Hinweise auf den Ticketkauf oder es sind die vom Veranstalter empfohlenen Agenturen hinterlegt. Eine weitere Möglichkeit: Örtliche Tourismusbüros bieten Karten für ausgewählte Veranstaltungen an.

 

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