Zurück im Regelbetrieb: Die Filmfestspiele in Berlin sind gestartet
Die 73. Berlinale beginnt ohne Corona-Auflagen mit dem Film "She came to me" und einer Ladung Hollywood-Prominenz. Wer in den kommenden Tagen in Berlin erwartet wird und wer die Jury bildet.

Das Festivalgefühl ist zurück. Nachdem aufgrund der Corona-Pandemie die Berlinale 2021 ausschließlich online stattfand und 2022 nur mit zahlreichen Einschränkungen wie täglichen Tests, ist bei einem der wichtigsten Filmfestivals der Welt wieder so etwas wie Regelbetrieb eingekehrt.
Bei der 73. Auflage heißt es: Keine Maskenpflicht, statt Abstand wieder Annäherung in vollen Kinosälen und Pressekonferenzen. Auch die geduldigen Fans sind zurück, die schon früh morgens den Seiteneingang des Grand-Hyatt-Hotels bevölkern, um ein Autogramm von oder ein Selfie mit Prominenten zu bekommen.
Und Hollywoodstars sind dann gleich am ersten Tag zu Gast: Kristen Stewart ("Twilight", "Spencer"), in diesem Jahr Präsidentin der internationalen Jury, sowie Anne Hathaway ("Der Teufel trägt Prada", "Rachels Hochzeit"), Marisa Tomei ("Mein Vetter Winnie", "The Wrestler") und Peter Dinklage ("Game of Thrones", "Cyrano"), die zur Premiere des Eröffnungsfilms "She came to me" gekommen sind.
Konfrontativ und politisch
"Die Berliner Filmfestspiele sind aus ihrer Geschichte gesehen konfrontativ und politisch, das meine ich positiv!", sagte Kristen Stewart bei der Eröffnungs-Pressekonferenz. Und tatsächlich macht die Berlinale ihrem Ruf, das politischste aller Filmfestivals zu sein, in diesem Jahr alle Ehre - vor allem vor dem Hintergrund zahlreicher, weltweiter Krisenherde. Ein Jahr nach Beginn des Krieges in Europa thematisieren viele Leinwandwerke den Angriff Putins auf die Ukraine.
Zur feierlichen Eröffnung der Filmfestspiele gestern Abend im Berlinale Palast war dann auch der ukrainische Präsident Wolodymr Selenskyj live per Video zugeschaltet. US-Schauspielerin Anne Hathaway bekundete im Zuge dessen ihre Bewunderung für den 45-Jährigen. "Ich möchte dem Filmfestival meine Dankbarkeit dafür ausdrücken, dass es einen Helden unserer Zeit miteinbezieht."

19 Filme sind im Wettbewerb, darunter fünf deutsche
284 Filme aus 69 Ländern werden bei der Berlinale an zehn Festivaltagen gezeigt. 19 gehen im Wettbewerb ins Rennen um den Goldenen Bären, darunter sind - bemerkenswert - auch fünf deutsche Produktionen: "Bis ans Ende der Nacht" von Christoph Hochhäusler, "Ingeborg Bachmann - Reise in die Wüste" von Margarethe von Trotta, "Music" von Angela Schanelec, "Roter Himmel" von Christian Petzold und "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Emily Atef.
Der Wettbewerb, er ist in diesem Jahr ein Loblied auf den Independant-Film. Glanz, Glamour und die ganz großen Stars findet man eher in anderen Sektionen: Im Laufe des Festivals werden unter anderem John Malkovich, Boris Becker, Cate Blanchett und Steven Spielberg in Berlin erwartet.
Liebesirrungen zur Eröffnung
Kurzweilig ist der Eröffnungsfilm "She came to me" von US-Regisseurin Rebecca Miller. Der Streifen, der außer Konkurrenz läuft, dreht sich um den Opern-Komponisten Steven Lauddem (Peter Dinklage), der an einer Schreibblockade leidet und im Zugzwang ist, eine Partitur zu komponieren.
Wenig helfen kann ihm dabei seine Ex-Therapeutin und jetzige Ehefrau Patricia (Anne Hathaway). Die kämpft mit einem chronischen Putzzwang und einem unerfüllten religiösen Verlangen. Eine Muse findet Steven stattdessen in der liebenswerten aber umständlichen Katrina (Marisa Tomei), deren Auftreten für Liebes-Irrungen und Liebes-Wirrungen sorgt.
Schauspieler Peter Dinklage bei der Pressekonferenz
Das Angebot für die Rolle sei zur richtigen Zeit in seinem Leben gekommen, das Drehbuch habe ihn inspiriert, sagte Schauspieler Dinklage auf der anschließenden Pressekonferenz. Sein Leben stehe seiner Ansicht nach an einem Scheideweg. "Jetzt bin ich 53, und ich frage mich, ob ich noch 30 Jahre weiter als Schauspieler arbeiten möchte."
Im Stile einer Screwball-Komödie ist "She came to me" kein Highlight, aber ein amüsanter Auftakt in eine Berlinale zurück im Regelbetrieb.
Die Jury
Wer bekommt den Goldenen und die Silbernen Bären bei der Berlinale 2023? Das entscheidet sich am Abend des 25. Februar bei der Preisverleihung. Die Jury, die in diesem Jahr darüber entscheidet, besteht aus US-Schauspielerin Kristen Stewart, der iranischen Schauspielerin und Musikerin Golshifteh Farahani, der deutschen Regisseurin Valeska Grisebach, dem rumänischen Drehbuchautor und Regisseur Radu Jude, der US-amerikanischen Casting-Direktorin Francine Maisler, der spanischen Regisseurin Carla Simón und aus Regisseur Johnnie To aus Hongkong.

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