Masern sind zurück in Europa – schwere Komplikationen möglich
In Europa werden wieder deutlich mehr Masernfälle gezählt. Das Virus ist gefährlich und kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Doch man kann sich schützen. Wie sieht es im Raum Heilbronn und Hohenlohe aus?
„Die Masern sind zurück, und das ist ein Weckruf“, sagt Hans Kluge, der Regionaldirektor der Weltgesundheitsorganisation für Europa. Laut einer Analyse von WHO und Unicef sind 2024 insgesamt 127.350 Masernfälle in Europa gemeldet worden. Da seien doppelt so viele wie im Jahr zuvor und die höchste Anzahl seit 1997, heißt es. In Baden-Württemberg ist die Situation eine andere.
Gefährliche Infektionskrankheit: Was sind Masern?
Masern sind eine hoch ansteckende Virusinfektion, die über Tröpfchen übertragen wird.Zu Beginn einer Maserninfektion treten häufig unspezifische Symptome wie Fieber, Husten, Schnupfen, Entzündung der Augenbindehaut und weißliche Flecken an der Mundschleimhaut auf. Wenige Tage später tritt der typische Hautausschlag (bräunlich-rosafarbene Flecken) erst im Gesicht und hinter den Ohren auf und breitet sich dann auf den gesamten Körper aus. Er bleibt in der Regel vier bis sieben Tage.
Wie gefährlich können Masern werden?
Häufig kommt es auch zu einer Mittelohrentzündung, Durchfall oder einer Lungenentzündung. „Eine besonders schwere Komplikation der Masern ist die Gehirnentzündung. Sie tritt bei etwa einem von 1.000 Masernfällen rund vier bis sieben Tage nach Beginn des Hautausschlags auf“, heißt es auf den Internetseiten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Tödlich verlaufe diese Komplikation bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen. 20 bis 30 Prozent tragen demnach schwere Folgeschäden wie geistige Behinderungen oder Lähmungen davon.
In sehr seltenen Fällen kann Jahre nach einer Infektion eine subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) auftreten. Das ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns und Nervensystems, die immer tödlich verläuft. Besonders hoch ist das Risiko für Kinder, die in den ersten fünf Lebensjahren an Masern erkranken.
Masern sind zurück in Europa: Wie hoch sind die Zahlen in der Region?
In der Region und im gesamten Südwesten sind die Zahlen niedrig. Eine Pressesprecherin der Stadt Heilbronn, hat keine aktuellen Zahlen, erklärt aber, dass es Stand Herbst 2024 keine gemeldeten Fälle für 2024 gab, 2023 einen. Im Landkreis Heilbronn wurden für dieses Jahr bislang keine Fälle gemeldet, 2024 sei ein Fall registriert, so eine Sprecherin des Landratsamts. Das dürfte auch an der guten Prävention liegen: Unter den 2023 untersuchten Einschulungskindern habe die Impfquote bei 97 Prozent gelegen.
In Hohenlohe sind derzeit ebenfalls keine Fälle gemeldet, sagt ein Sprecher des Landratsamts Hohenlohekreis. Auch in den vergangenen Jahren und vor der Pandemie seien über mehrere Jahre keine Masernerkrankung registriert worden. Auch hier ist die Impfquote hoch: 2022 seien bei den Einschuluntersuchungen 97,5 Prozent der Kinder geimpft gewesen.
In Baden-Württemberg sind laut einer Mitteilung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration, in diesem Jahr bislang acht Infektionsfälle gemeldet worden. 2023 haben die Zahlen mit 72 Masernfällen auf dem Niveau von vor der Corona-Pandemie gelegen. Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) lobt die hohe Impfquote: „Wir haben die 95 Prozent-Zielmarke, die großflächige Ausbrüche verhindert und zur Elimination von Masern notwendig ist, endlich erreicht.“ Jetzt gelte es dranzubleiben und verbleibende Impflücken zu schließen.
Warum sind die Masern-Zahlen in Europa gestiegen?
In einem Beitrag des Bayrischen Rundfunks erklärte Leif Erik Sander, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, dass der Anstieg mehrere Gründe habe. Möglicherweise sei die Immunität in der Bevölkerung zurückgegangen - wegen der Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie. Auch die Impfbereitschaft scheine gesunken zu sein. Außerdem können Masern eingeschleppt werden, durch Menschen, in deren Herkunftsländern die Impfquote niedriger ist als in Deutschland.
Wie kann man sich vor Masern schützen?
Seit dem 1. März 2020 müssen alle nach 1970 Geborenen, die in einer Gemeinschaftseinrichtung betreut werden, einen Impfschutz nachweisen. Das betrifft beispielsweise Kindergärten und Schulen, aber auch Gesundheitseinrichtungen. Nach einem Maserninfekt ist man ein Leben lang vor Masern geschützt. Erkranken kann aber jede Person, die noch keine Masern hatte oder nicht vollständig dagegen geimpft ist.
Seit 1974 gilt eine allgemeinen Masern-Impfempfehlung der Ständige Impfkommission (Stiko). Sie empfiehlt die erste Masernimpfung im Alter von elf Monaten. Die zweite Impfung sollte im Alter von ca. 15 Monaten erfolgen, wobei ein Mindestabstand von vier Wochen zwischen den beiden Impfungen einzuhalten ist. Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind, wird als Standardimpfung eine einmalige Impfung empfohlen, wenn sie nicht oder nur einmal in der Kindheit gegen Masern geimpft wurden. Das gilt auch bei einem unklaren Impfstatus.
Masern sind zurück in Europa: Warum ist die Impfung auch für die Gesellschaft wichtig?
„Bei Kindern unter fünf Jahren und Erwachsenen über 20 Jahren treten im Vergleich zu den anderen Altersgruppen häufiger schwerwiegende Komplikationen auf“, heißt es beim Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. Junge Säuglinge und weitere Personengruppen, die (noch) nicht geimpft werden dürfen, seien besonders darauf angewiesen, dass ihr Umfeld geimpft ist und in der Bevölkerung ein Gemeinschaftsschutz besteht, damit sie selbst nicht erkranken.
2024 waren 72 Prozent aller in Baden-Württemberg gemeldeten Personen mit Masern unter 14 Jahre alt, heißt es in der Mitteilung des Gesundheitsministeriums. Davon seien 98 Prozent nicht gegen Masern geimpft gewesen. „Eine Impfung ist der beste Schutz gegen Masern. Wer geimpft ist, schützt sich und andere“, betont Gesundheitsminister Manne Lucha.

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