Nicht nur die Noten entscheiden: So kommt man an ein Stipendium
Viele denken, ein Stipendium sei nur etwas für Hochbegabte und Überflieger. Elias Faqirzada, selbst mehrfacher Stipendiat, weiß: Oft sind ganz andere Dinge ausschlaggebend.

Ein Stipendium zu bekommen, scheint für viele junge Menschen unerreichbar. „Auch ich dachte lange, man braucht dafür zwingend überdurchschnittlich gute Noten“, sagt Elias Faqirzada, Gründer der Plattform Stipendiumscoach.de und selbst mehrfacher Stipendiat. Der klassische Mythos: „Ohne Einser-Schnitt wird das nichts.“
Als ehemaliger Stipendiat kann Faqirzada heute sagen: „Ein Stipendium zu bekommen, ist leichter, als man denkt – wenn man weiß, wo man suchen muss und wie die Auswahlprozesse funktionieren.“ Viele würden sich gar nicht erst bewerben, weil sie falsche Vorstellungen bezüglich der Voraussetzungen hätten. „Dabei hätten sie durchaus realistische Chancen.“
Welche Stipendien gibt es und wer kann sich bewerben?
Wer sich für ein Stipendium bewerben möchte, hat die Qual der Wahl: Neben den 13 sogenannten Begabtenförderwerken gibt es in Deutschland zahlreiche weitere Institutionen, die Stipendien ausschreiben. Insgesamt sind es mehr als 2.000 – darunter staatliche Programme, Stiftungen, Unternehmen und Hochschulen. Was viele nicht wissen: Stipendien richten sich nicht nur an Studierende, sondern auch an Schüler und Auszubildende.
„Es lohnt sich vor allem, sich um kleinere Stipendienprogramme zu bewerben“, sagt Faqirzada. „Diese haben oft weniger Bewerber.“ Wer sich bereits in der Oberstufe über die Voraussetzungen der Programme informiere, habe genug Zeit, sein Profil zu schärfen.
Gezielt bewerben: Welches Stipendium passt zum eigenen Profil?
Einige Stipendien richten sich an bestimmte Fachsemester. Die meisten Stipendiaten sind zwischen 19 und 25 Jahre alt, je nach Stipendium kann man sich aber auch noch bis zum 30. Lebensjahr bewerben. Wichtig: Unbedingt auf Bewerbungsfristen achten. Diese können von wenigen Monaten bis zu einem Jahr im Voraus reichen.
Der Fehler, den einige Bewerber laut Faqirzada machen: Sie bewerben sich wahllos für möglichst viele Stipendien. „Entscheidend ist aber: Welches Programm passt zu meinem Studienfach meiner Situation oder meinem Profil?“ Sich gezielt auf fünf passende Programme zu bewerben, sei wirkungsvoller als 20 Bewerbungen auf gut Glück zu erstellen.
Neben dem klassischen Studium-Stipendium gibt es unter anderem:
- Auslandsstipendien (z.B. für Studienaufenthalte, internationale Praktika)
- Praktikumsstipendien (z.B. für Pflicht- oder freiwillige Praktika im In- und Ausland)
- Promotionsstipendien (für den wissenschaftlichen Nachwuchs)
- Stipendien für besondere Lebensumstände (z.B. Studierende mit Kind, mit Behinderung oder mit Migrationsbiografie)
- Leistungsstipendien
Übrigens: Auch die Stadt Heilbronn bietet verschiedene Stipendien für Schüler und Studenten an. Weitere Infos unter www.heilbronn.de/bildung/staedtische-stipendien.
Gesellschaftliches und soziales Engagement zählt
Gute Noten sind von Vorteil, aber kein alleiniges Auswahlkriterium. „Wer einen Einser-Schnitt hat und nichts weiter vorweisen kann, hat nicht zwangsläufig bessere Chancen als jemand mit einem Zweier-Schnitt, der sich gesellschaftlich engagiert.“ Engagement beginne bereits im Kleinen – „zum Beispiel im Verein oder in der Nachbarschaft. Ich bin mir sicher, die meisten Leute engagieren sich ehrenamtlich oder sozial, ohne, dass es ihnen überhaupt bewusst ist.“
Auch eine freiwillige, unentgeltliche Aushilfe in den Sommerferien zum Beispiel kann als soziales Engagement zählen. „Noten sind ein Teil der Bewerbung, jedoch gilt es vor allem, dem Stipendiengeber klarzumachen: Ich passe zu euch.“ Idealerweise decke sich das eigene Wertebild mit dem Leitbild des Stipendiengebers.
Besondere Fähigkeiten und Skills ausschlaggebend bei der Bewerbung
Auch besondere Fähigkeiten und Skills sind von Vorteil bei der Bewerbung: Wer beispielsweise besondere IT-Kenntnisse hat, punktet bei Studienprogrammen, die junge Menschen im MINT-Bereich fördern. „Ausschlaggebend bei meinen eigenen Bewerbungen damals war, dass ich als Schüler schon eigene Websites betreut habe und mich im Bereich Suchmaschinenoptimierung auskannte“, sagt der Stipendiums-Coach.

Die Förderbeträge variieren je nach Programm. Bei den 13 Begabtenförderwerken erhalten Geförderte in der Regel monatlich rund 300 Euro – unabhängig vom Einkommen der Eltern. Wer zusätzlich BAföG bekommt, kann insgesamt auf über 1.000 Euro monatlich kommen. Anders als beim BAföG muss das Geld nicht zurückgezahlt werden.
Förderung fürs Stipendium: nicht nur finanziell, sondern auch ideell geprägt
In der Regel sind die Förderungen nicht rein finanzieller Natur, sondern vor allem ideell geprägt. „Die Stipendiaten nehmen an Seminaren, Workshops und Netzwerkveranstaltungen Teil.“ Bereits in jungen Jahren haben die Geförderten die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, die sie sowohl privat als auch in Bezug auf ihr zukünftiges Business-Netzwerk bereichern können. „Bei der Deutschlandstiftung Integration bekam man zum Beispiel einen Mentor zur Seite gestellt, der einen im Laufe des Studiums begleitete.“
Von Absagen sollte man sich laut Faqirzada nicht abschrecken lassen: „Für meine ersten zwei, drei Bewerbungen auf Stipendien habe ich Absagen erhalten – danach habe ich mich besser informiert, auf was es ankommt.“ Und siehe da: Faqirzada hat als Student gleich drei Stipendien erhalten. Das Stipendium der Friedrich-Naumann-Stiftung begleitete ihn während des gesamten Studiums. Das Fulbright-Stipendium ermöglichte ihm einen vierwöchigen Auslandsaufenthalt, während die Deutschlandstiftung Integration ihn rund eineinhalb bis zwei Jahre ideell förderte. „Während der gesamten Zeit habe ich eine Fördersumme von circa 50.000 Euro bekommen.“
Vernetzung über das Stipendium hinaus: regelmäßige Veranstaltungen für Alumni
Auch heute finden noch regelmäßig Veranstaltungen für Alumni statt, die Faqirzada besucht. Neben ehemaligen Mit-Stipendiaten trifft man dort mitunter auf wichtige Persönlichkeiten. „Wir hatten beispielsweise eine Veranstaltung, bei der Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Königin von Jordanien anwesend waren“, berichtet Faqirzada.
„Heute kann ich sagen: Mein Leben wäre ganz anders verlaufen, wenn ich nicht Stipendiat gewesen wäre. Meinen Werdegang hat es definitiv bereichert.“ Mit vielen Menschen, die er über seine Stipendien kennengelernt habe, habe er heute noch engen Kontakt. Wenn man weiß, welche Möglichkeiten und Türen sich einem öffnen, will man es auf jeden Fall nicht missen.“

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