Zur Haartransplantation in die Türkei: Diese Erfahrungen haben Heilbronner gemacht
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Geheimratsecken loswerden? Eine Haartransplatation im Ausland, zum Beispiel in der Türkei, kann helfen. Doch nicht jeder Patient ist am Ende zufrieden.
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Haarausfall, Geheimratsecken und dünner werdendes Haar plagen viele Männer schon in ihren frühen Zwanzigern. Eine Haartransplantation kann da Abhilfe schaffen. Seit einigen Jahren gibt es den Trend, solche medizinischen Eingriffe aus optischen Gründen im Ausland vornehmen zu lassen.
Für eine Haartransplantation reisen viele Betroffene in die Türkei. Zwei Männer aus der Region Heilbronn haben dort solche Operationen durchführen lassen. Sie sprechen anonym mit unserer Redaktion über ihre Erfahrungen – und die sind durchaus gemischt.
Reise für Haartransplantation: So läuft die Behandlung in der Türkei ab
„Ich hatte schon mit Anfang 20 leichten Haarausfall, daher habe ich mich einfach mal im Internet schlau gemacht“, sagt ein heute 31-jähriger Mann. Durch die Empfehlung von Bekannten wurde er auf eine Haartransplantationsklinik in der Türkei aufmerksam. „Mir wurde gesagt, dass es dort qualitativ besser und vor allem kostengünstiger gemacht wird“, erzählt er.
Zumindest in puncto Kosten behält er Recht. In Deutschland kostet eine Haartransplantation laut Recherche auf einschlägigen Internetseiten bis zu 8000 Euro, in der Türkei demnach bis zu 3000 Euro. Der Preis wird meist pro eingesetzter Haarwurzel (Graft) berechnet.
„Mir wurde innerhalb kürzester Zeit ein Termin angeboten und ich musste mich nur noch um den Flug kümmern“, sagt der Medizintourist. Der Aufenthalt in einem Hotel war bei dem Arrangement dabei. An die neun Stunden dauerte die Operation, erzählt er.
„Ich bekam ein Mittel und war die ganze Zeit im Dämmerschlaf. Schmerzen hatte ich keine.“ Zwei Teams arbeiteten an seinem Kopf. Die Haare wurden vom Hinterkopf entnommen und an den haararmen Stellen eingesetzt. Dafür gibt es laut Beschreibung auf Anbieterseiten zwei häufig verwendete Methoden: Follicular Unit Transplantation (FUT) und Follicular Unit Extraction (FUE).
Haartransplantation in der Türkei: Diese Methoden gibt es
Bei der FUT-Methode wird ein Hautstreifen mit Haarfollikeln vom Hinterkopf entnommen. Diese Entnahmestelle wird anschließend vernäht, was zu einer schmalen Narbe führt. Der Hautstreifen wird dann unter einem Mikroskop in einzelne Haarfollikel-Einheiten (Grafts) aufgeteilt. Im Empfängerbereich der Kopfhaut werden kleine Einschnitte gemacht, in die die Grafts eingesetzt werden.
Die Türkei ist das Ziel vieler Medizintouristen. Vor allem Haartransplantationen für Männer sind dort deutlich billiger als in Deutschland.
Foto: Fotos: dpa, Montage: HSt
Bei der FUE-Methode werden die Haarfollikel einzeln mit einem speziellen Mikroinstrument aus dem Hinterkopf entnommen. Diese Methode hinterlässt keine lineare Narbe, sondern nur kleine Punktnarben, die kaum sichtbar sein sollen. Die entnommenen Follikel werden in kleine Einschnitte im Empfängerbereich der Kopfhaut eingesetzt. Die Wahl der Methode hängt von Faktoren wie Haarbeschaffenheit und dem Grad des Haarausfalls ab, der viele Gründe haben kann.
Negative Erfahrungen mit Haartransplantation: So erging es Heilbronnern in der Türkei
Die Narben und die sich bildende Kruste musste der Patient aus der Region nach der OP mit einer speziellen Lotion behandeln. „Von einem Erklärvideo bis hin zu einer verfügbaren Hotline war alles gegeben. Ein super Service“, sagt er im Nachhinein. Dennoch ist er nicht ganz zufrieden. Nach einem halben Jahr wuchsen die Haare zwar, doch dann verloren sie wieder an Dichte. „Es gibt einen gewissen Prozentsatz an Leuten, bei denen es nicht funktioniert“, meint er. „Das liegt wahrscheinlich auch an meiner sehr trockenen Kopfhaut.“
Nach Rücksprache mit der Klinik wurde ihm angeboten, erneut in die Türkei zu reisen – diesmal für den halben Preis. Er überlegt noch und möchte abwarten, wie das Ergebnis bei anderen ihm bekannten Patienten ausfällt. Dennoch würde der 31-Jährige jedem zu dem Schritt raten, der Sorgen um sein Haar hat. „Gleich machen und nicht lange überlegen“, meint er. Je länger man warte, „desto geringer sind die Erfolgschancen“.
Medizinreisen für Haartransplantation: Warnung von deutschen Ärzten
Deutsche Ärzte und das Europäische Verbraucherzentrum warnen jedoch vor solchen Medizinreisen. Sprachbarrieren, unseriöse Anbieter und möglicherweise unzureichende Standards sollten unbedingt berücksichtigt werden, heißt es von dieser Seite. Auch Nachsorgeuntersuchungen oder Korrekturen nach einer Haartransplantation in der Türkei gestalteten sich demnach oft schwierig. Eine solche Reise sollte daher sorgfältig abgewogen werden, ist der Rat.
Das betont auch Helge Jens, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Aachen sowie Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC). Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtet er von einer zunehmenden Zahl an Patienten, die „im Ausland behandelt worden sind und dann mit Komplikationen deutsche Praxen aufsuchen“.
Der Chirurg sagt: „Wir können Eingriffe natürlich wiederholen und versuchen, das Ergebnis zu korrigieren. Das ist aber schwierig.“ Jens empfiehlt daher, für Beratung und Operation lieber eine ortsnahe Klinik aufzusuchen. Bei Beratungen und Diagnosen per Videoanruf oder mit Fotos im Vorfeld seien die Fehlerquellen größer. Für eine optimale Beratung sei ein persönliches Gespräch erforderlich, sagt er.
Haartransplantation in der Türkei: Ärzte machen Eingriffe häufig
Den Eindruck, türkische Kliniken hätten oft mehr Expertise als deutsche in Sachen Haartransplantation, hält Helge Jens für richtig. „Ich bin der Meinung, Ärzte machen das gut, was sie besonders häufig machen.“ Deshalb könne er die Entscheidung für eine Medizinreise in die Türkei durchaus nachvollziehen. Trotzdem gebe es in Deutschland genauso gute und erfahrene Ärzte, die jedoch nicht diese „Eingriffe in Masse und Frequenz durchführen“, so Jens.
Haartransplantation: Wie findet man einen qualifizierten Anbieter?
Damit Patienten nicht bei dubiosen Ärzten oder Kliniken landen, hat die DGÄPC eine Checkliste für Operationen im Ausland entworfen. Diese ist auf den Internetseiten der Gesellschaft abrufbar.
„Patienten sollten ihre Hausaufgaben machen und sich gut informieren“, rät DGÄP-Präsident Helge Jens. Vor allem die Punkte Beratungsgespräch, Qualität und rechtliche Grundlagen sollten vorab geklärt sein. Auch beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland im Internet gibt es viele Service-Informationen rund um das Thema.
Ein 25-jähriger Patient aus der Nähe von Heilbronn würde seine damalige Entscheidung für eine Haartransplantation in der Türkei nicht wieder treffen, sagt er unserer Redaktion im Rückblick. „Ich fühle mich ehrlich gesagt schon etwas verarscht.“
Bereits zweimal ist er laut seinen Schilderungen für eine Haartransplantation in die Türkei gereist – beide Male ohne Erfolg. „Die Haare sind nach einigen Monaten wieder ausgefallen“, berichtet er. Eine zweite günstigere Operation angesichts des ausbleibenden Erfolgs sei ihm zunächst verwehrt worden. Um den Preis für den ersten Eingriff habe er davor mit der Klinik „wie auf dem Basar“ verhandelt.
Frustration nach Haartransplantation: Darum sind manche Patienten unzufrieden
Da die FUT- oder FUE-Methode bei ihm nicht funktioniert hat, zieht er nun die PRP-Methode in Betracht. Die PRP-Methode (Platelet-Rich Plasma) nutzt körpereigenes Blutplasma, um das Haarwachstum zu fördern. Das Plasma wird in die Kopfhaut injiziert und soll den Heilungsprozess beschleunigen sowie das Ergebnis der Transplantation verbessern, heißt es dazu auf Internet-Seiten von Anbietern. Diese Methode sei kostspieliger aber erfolgreicher, meint auch der junge Mann. „Das machen auch die Promis, bei denen funktioniert es ja vollends.“
Von einer Reise in die Türkei rät er aus heutiger Sicht ab. Der Versuch, rechtliche Schritte einzuleiten, habe nichts gebracht. Sein Geld wird er nicht wiedersehen.
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