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Tourismus in Österreich
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Für viele Araber sind Zell am See und Kaprun wie das Paradies

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Das Pinzgau ist bei Arabern zu einem beliebten Urlaubsziel geworden. Unter den Einheimischen regt sich Unmut. Der Tourismusverband relativiert.

Für viele Araber gleicht die Landschaft dem im Koran beschriebenen Paradies.
Für viele Araber gleicht die Landschaft dem im Koran beschriebenen Paradies.  Foto: Kümmerle, Jürgen

Immer, wenn eine kleine Welle auf das Ufer trifft, schlagen die viersitzigen Elektro-Boote auf dem Zellersee sanft gegen den Steg. Auf dem grün-blau-schimmernden Wasser spiegeln sich die Berge des Pinzgaus. Ein sanfter Wind bläst den Menschen an der Promenade ins Gesicht. Die Luft hat sich auf 25 Grad aufgeheizt. Urlauber genießen den Spätsommertag in Zell am See.

Temperaturen sind eine Wohltat

Darunter auch eine Familie aus Kuwait. Die Frauen fassen sich an die Knopfleiste ihres eleganten Sommermantels. Sie tragen einen Hidschab, das traditionelle Kopftuch muslimischer Frauen. „Die Temperaturen hier sind eine Wohltat. In Kuwait hat es 45 Grad“, sagt eine von ihnen. Sie seien tags zuvor in München gelandet und dann nach Zell am See gefahren. Am nächsten Tag fahren sie nach Salzburg.

Das Pinzgau boomt bei den Gästen aus den Golfstaaten. Die Familie aus Kuwait zählt zu 315 000 Urlaubern, die 2024 aus arabischen Ländern gekommen sind, heißt es in Medienberichten. Seit Anfang der 1990er-Jahre reisen die Gäste aus Ländern wie Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder aus dem Oman an. Viele Frauen tragen Nikab, sind also voll verschleiert. Die Menschen kommen, weil Zell am See und Kaprun dem Paradies, wie im Koran beschrieben, sehr nahekommen sollen – blaues Wasser satte, grüne Wiesen, schneebedeckte Bergspitzen. Dass es viele Araberinnen und Araber nach Zell am See und Kaprun zieht, bestätigt auch die Familie aus Kuwait. „Die Natur, die kühlen Temperaturen – es ist wie im Paradies“, sagt die Frau. 

Einzelhandel und Gastronomie auf arabische Gäste eingestellt

Der Tourismus schlägt daraus längst Kapital. Hotels, Chalets, Restaurants und der Einzelhandel haben sich auf die arabischen Gäste eingestellt. Speisekarten sind in arabischer Sprache übersetzt. Es gibt arabische Supermärkte. Auf dem Kitzsteinhorn, dem Gletscher in Kaprun, können die Besucher Winterbekleidung ausleihen. 490 Euro gibt ein Gast aus diesen Ländern pro Tag aus. Ein deutscher Tourist lässt Medienberichten zufolge lediglich 160 Euro pro Tag im Pinzgau liegen. 

Der Einzelhandel in Zell am See hat sich auf arabische Gäste eingestellt.
Der Einzelhandel in Zell am See hat sich auf arabische Gäste eingestellt.  Foto: Kümmerle, Jürgen

Die Bürgermeister aus Kaprun und aus Zell am See wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Ihr Büro verweist auf die Tourismusgemeinschaft Zell am See-Kaprun. Eine Sprecherin dort erklärt, dass Gäste aus dem arabischen Raum im Sommer eine sehr große Gästegruppe seien. Man freue sich über einen interkulturellen Austausch, von dem Gäste und Urlauber gleichermaßen profitierten. Wie viele Gäste es seien, wollte der Verband nicht sagen. Auch nicht, wie hoch der prozentuale Anteil der Besucher aus dem arabischen Raum ist. Medien berichten von mehr als 30 Prozent.

Einheimische üben Kritik

Vielen Einheimischen ist er mittlerweile zu hoch. „Das funktioniert nicht mehr. Es ist nicht mehr in der Balance“, sagt die Verkäuferin in einem Kleidergeschäft. Der Einzelhandel leide darunter. Geschäfte müssen Hotel-Neubauten weichen. In Gesprächen mit Freunden sei das immer wieder Thema. „Viele resignieren aber auch. Ändern können sie eh nichts“, sagt die Kollegin. Viele trauten sich auch nicht, das Thema offen anzusprechen. „Man wird gleich als Rechts bezeichnet.“

Ein 66 Jahre alter Mann, der in Zell am See geboren ist, erklärt, dass zu Beginn der 1990er-Jahre die Zahl der arabischen Gäste merklich zugenommen habe. Die Region habe sich zuvor auf einer Tourismus-Messe in Dubai präsentiert. Danach sei das Interesse groß gewesen. „Ja, was will man machen“, sagt er. „Sie bringen ja auch Geld.“

Viele Fragen bleiben offen

Viele Fragen lässt der Tourismusverband Zell am See-Kaprun unbeantwortet. Doch es scheint, als sei die Kritik der Einheimischen angekommen. Man konzentriere Werbemaßnahmen auf Märkte auf dem europäischen Festland mit Auto- oder Zuganreise, heißt es aus dem Tourismusverband. 

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