Professor Markus W. Büchler gilt als einer der weltweit führenden Spezialisten für Bauchspeicheldrüsenkrebs. Seit 2023 leitet er das Botton-Champalimaud-Pankreaskrebszentrum in Lissabon. Würth spendete 2023 rund 50 Millionen an das Zentrum, um die Forschung gegen Bauspeicheldrüsenkrebs zu unterstützen. Vor seiner Zeit in Lissabon war Markus W. Büchler rund 20 Jahre lang Ärztlicher Direktor an der Chirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg.
Heilungschance bei Bauchspeicheldrüsenkrebs: Experte spricht bei Würth
Bauchspeicheldrüsenkrebs kam lange einem Todesurteil gleich. Die Prognosen sind weiterhin eher schlecht, doch es gibt Hoffnung, wie der weltweit renommierte Chirurg Markus W. Büchler in einem Vortrag bei Würth erklärt.
Eine Krebsdiagnose ist immer ein Schock. Für die Betroffenen selbst, aber auch für Freunde und Familie. Dabei lassen sich heute einige Krebsarten relativ gut behandeln, die Überlebenschance ist gut. Nicht so beim Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Das ist der schlimmste von allen. Die absolute Katastrophe“, stimmt Markus Büchler sein Publikum am Mittwochabend auf seinen Vortrag bei Würth in Künzelsau ein.
In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 20.000 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs, die Prognose ist vergleichsweise schlecht. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei elf Prozent, die Zehn-Jahres-Überlebensrate nur bei neun Prozent. Und trotzdem, oder gerade deswegen, verspricht Markus Büchler „Licht am Ende des Tunnels“.
Bauchspeicheldrüsenkrebs: Schwer zu operieren und häufig tödlich
Die Bauchspeicheldrüse liegt im mittleren Bereich der Bauchhöhle, zwischen Milz und Leber in einer c-förmigen Schleife des Zwölffingerdarms. Vorne liegt das Bauchfell, hinten die hintere Bauchwand, große Gefäße wie die Hauptschlagader laufen nah vorbei. Ist die Bauchspeicheldrüse gesund, ist sie für Büchler „eines der schönsten Organe im menschlichen Körper“. Der 69-Jährige gilt als enorm erfahren, tausende Male hat der Chirurg Tumore an der Bauchspeicheldrüse operiert. Auch Patienten, die als „inoperabel“ galten, weshalb Betroffene aus der ganzen Welt ihn aufsuchen. „Es ist erst einmal nichts verloren“, sagt er.
Um dem Publikum zu verdeutlichen, wie Bauchspeicheldrüsenkrebs überhaupt aussieht, zeigt der Experte CT-Bilder, auf denen große Tumore als dunkle Flecken zu erkennen sind. Aber auch mit Fotoaufnahmen von herausgenommenen Tumoren oder gerade laufenden Operationen spart der Arzt nicht - nichts für schwache Nerven. Die Tücke dieses Krebses liegt auch darin begründet, wo das Organ liegt: Tumore wachsen schnell aus der Bauchspeicheldrüse heraus, legen sich unter Umständen um Milz, Gefäße oder bilden Metastasen in der Leber.

Neue Wege in der Operation: 40 Prozent überleben Bauchspeicheldrüsenkrebs
Die Heilung dieser Krebsart liegt laut Büchler klar in der Chirurgie. Die medikamentöse Therapie habe hier nicht zum Ziel geführt, „deshalb sterben auch so viele“. Doch man hoffe, dass es in fünf Jahren Medikamente geben wird, die den Krebs zumindest eindämmen können. Bei der Operation müssten die Ärzte genau wissen, was sie tun. Häufig fehle Chirurgen die Erfahrung, so sauber und umfassend zu operieren, dass nichts vom Tumor übrig bleibt, so Büchler.
Mit zwei großen Herausforderungen sei man während der OP konfrontiert, mit Blutungen oder Gefäßverschlüssen - beides muss verhindert werden. Doch dass sich in den letzten Jahren bereits viel getan hat und es Grund zur Hoffnung gibt, macht der Experte an verschiedenen Entwicklungen deutlich. Damit die Operation von Bauchspeicheldrüsenkrebs erfolgreicher wird und die Überlebensraten steigen, hat Markus W. Büchler die sogenannte „Triangle-Operation“ entwickelt.
Dieses festgelegte Triangle, also Dreieck, bezeichnet eine Fläche an und um die Bauchspeicheldrüse, die nach der OP unbedingt frei von Tumorzellen sein muss. Dass diese Art der Operation einen Unterschied macht, zeigen bereits Studien: Die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei den Patienten, die mit der Triangle-OP operiert wurden, liegt signifikant höher: bei rund 40 Prozent.
Mainzer Unternehmen Biontech: Forschung an Impfung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs
Auch der Einsatz von KI und Robotik hilft den Ärzten mittlerweile enorm. Mithilfe von KI, die auf tausende Patientendaten zurückgreifen kann, kann genaustens ermittelt werden, wie man am besten operieren sollte, es kann berechnet werden, wie großflächig man Tumore oder Teile von Organen entfernen kann, ohne dass der Patient stirbt. Und noch einen großen Hoffnungsschimmer gibt es: Das Mainzer Unternehmen Biontech, den meisten durch die mRNA-Coronaimpfstoffe bekannt, forscht intensiv an einer Impfung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Wir warten eigentlich monatlich darauf“, sagt Markus W. Büchler.

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