ARD setzt «Immer wieder sonntags» mit Stefan Mross ab
Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen sparen. Den Rotstift setzt die ARD bei einer beliebten Volksmusik-Sendung an. Jahrzehnte geprägt hat sie Stefan Mross. Dabei verlief nicht alles skandalfrei.

Die ARD setzt die Schlagersendung «Immer wieder sonntags» ab. In diesem Jahr werden die letzten 13 Live-Ausgaben des Formats mit dem Traunsteiner Moderator Stefan Mross (50) produziert, wie der SWR in Baden-Baden auf Anfrage bestätigte. Die Sendung läuft seit rund 30 Jahren im Ersten und gehört zu den beliebtesten Volksmusik-Shows in Deutschland. Regelmäßig schaut ein Millionenpublikum zu.
Der Sender begründete das Aus mit Sparmaßnahmen. Das Geld solle einerseits eingespart und andererseits in die Entwicklung neuer digitaler Unterhaltungsformate investiert werden. Zudem wollen sich ARD und SWR auf ein jüngeres und neueres Publikum fokussieren.
Letzt Live-Show terminiert
Die Live-Ausgaben in diesem Jahr sind als rund zweistündige Sendungen geplant – die erste am 31. Mai, die letzte am 6. September. Es wird dem Vernehmen nach kein Nachfolgeformat geben.
SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler bezeichnete die Entscheidung in einer Mitteilung als «schmerzhaft». Sie sei sorgfältig abgewogen worden und sei dem Sender «angesichts des großen Erfolgs» nicht leicht gefallen. «Die wirtschaftliche Situation des SWR lässt uns aber keine andere Wahl.»
Die Sendung wurde viele Jahre lang in einer Freiluft-Arena im Europa-Park produziert. Die Geschäftsführung des Parks zeigte sich geknickt über die Entscheidung: «Wir bedauern sehr, dass eine so traditionsreiche und beim Publikum außerordentlich beliebte Sendung ab 2027 nicht mehr weitergeführt werden soll», sagte Inhaber Roland Mack. Die Sendung habe über viele Jahre hinweg eine treue Fangemeinde aufgebaut.
ZDF-«Fernsehgarten» Konkurrenz
Seit 2005 moderiert der Oberbayer Mross die Sendung. Im vergangenen Jahr schauten die zwölf Live-Ausgaben im Ersten im Schnitt 1,26 Millionen Menschen, die Sendung erreichte einen durchschnittlichen Marktanteil von rund 17 Prozent.
Das ZDF sendet mit dem «Fernsehgarten» an Sonntagen zur warmen Jahreszeit ein ähnliches Format - ebenfalls live, unter freiem Himmel und mit Schlagermusik. Seit 40 Jahren gibt es die Sendung, in diesem Jahr sind 20 Ausgaben geplant. Die Show mit Moderatorin Andrea Kiewel (60) sahen im vergangenen Jahr nach ZDF-Angaben durchschnittlich 1,686 Millionen Menschen, bei einem Marktanteil von im Schnitt rund 18 Prozent.
Zwischen Mross und SWR knirschte es immer wieder
Die Zusammenarbeit mit der ARD verlief in den vergangenen Jahren nicht immer reibungslos. Nach einer Schlägerei in einem Hotel und bundesweiten Schlagzeilen zu dem Vorfall prüfte der SWR im Frühjahr 2023, ob Mross nicht ersetzt werden sollte. Das Amtsgericht Leipzig hatte im November 2022 einen Strafbefehl gegen ihn erlassen. Schlussendlich durfte Mross weiter moderieren.
Schlagzeilen gab es auch nach einer Sendung im Jahr 2022, als Mross während der Sendung ein Mädchen interviewte und sie fragte «Was ist das Besondere, auf einem (M)Ross zu reiten?» Gegenüber RTL erklärte der SWR damals, man habe mit Mross über die Szene gesprochen. «Er hat den betreffenden Wortwitz spontan gemacht - und ohne jede Absicht, damit seinen jungen Gast oder das Publikum zu verletzen. Dass der Witz zu Irritationen geführt hat, tut dem Moderator unserer beliebten Unterhaltungssendung sehr leid.» Der SWR beließ damals die Sendung in der Mediathek.
Schwächeanfall wegen Currywurst
Der Schlagerstar sorgte rund um die Sendung aber auch für emotionale Schlagzeilen, die viele Fans bewegten. So sprang im vergangenen Jahr beispielsweise seine erste Ehefrau, Stefanie Hertel (46), für ihn ein, nachdem seine Mutter gestorben war. In der darauffolgenden Ausgabe „Immer wieder sonntags“ sang Mross im Gedenken an sie gerührt einen Song.
Der 50-Jährige führte als Gastgeber in all den Jahren nicht nur durch die Sendung, sondern sang häufig selbst oder schlüpfte in komische Rollen wie die des französischen Spitzenkochs "Maître Stephane" oder des italienischen Magiers "Stefano Mrossini" – ganz zur Freude des Publikums.
Jahrelang wurde in der Show auch gekocht – bis zu einem Vorfall 2014. Mross probierte eine sehr scharfe Currywurst-Soße und erlitt einen Schwächeanfall. Rettungskräfte brachten ihn in eine Klinik. Der Wurst-Test gehörte zur Sendungsrubrik «Herausforderung für Stefan». Eine Sprecherin des SWR versprach nach dem Vorfall, dem Moderator keine Aufgaben mehr stellen zu wollen, die mit der Verkostung von Speisen und Getränken zu tun haben. Die Zuschauer schätzten an Mross, dass er sich immer neuen Aufgaben stelle, sagte die Sprecherin damals.
Stimme.de