Herzschwäche erkennen und behandeln
Der Heilbronner Kardiologe Marcus Hennersdorf beschreibt die wichtigsten Symptome, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bei Herzinsuffizienz.

Ohne diesen Motor läuft nichts: Rund 70-mal in der Minute schlägt das menschliche Herz, etwa fünf Liter Blut werden dabei in Ruhephasen in den Körper gepumpt. Sauerstoff, aber auch Nährstoffe, die die Körperzellen für ihre Arbeit benötigen, werden damit effizient bis in die entlegensten Winkel transportiert. Und es ist noch Luft nach oben: Steigt der Bedarf zum Beispiel bei körperlicher Anstrengung, können bis zu 20 Liter Blut pro Minute in den Körper gepumpt werden - vorausgesetzt, das Herz ist gesund. Herzschwäche oder Herzinsuffizienz gilt als Volkskrankheit, jeder 20. Erwachsene in Deutschland leidet daran, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter deutlich an, Herzschwäche zählt hierzulande zu den häufigsten Todesursachen.
Die Sauerstoffversorgung des Organismus schwächelt
Der Begriff beschreibt "das Unvermögen des Herzens, genug Blut zu pumpen, um den Organismus ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen", erklärt Professor Marcus Hennersdorf, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I im Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn. Ursachen gibt es viele: Ein Herzinfarkt, Herzmuskelerkrankungen etwa durch Virus-Infektionen, Herzklappenfehler und Herzrhythmusstörungen können die Pumpkraft des Herzens reduzieren.
Ergänzend zu dieser sogenannten systolischen gibt es die diastolische Herzschwäche. Dabei ist die Dehnbarkeit des Herzmuskels verringert. "Das Herz pumpt also kräftig, kann aber bei fehlender Elastizität schlechter Blut ansaugen", sagt der Kardiologe. Meistens ist dies eine Folge anderer Erkrankungen, die das Herz mit betreffen, etwa Diabetes mellitus oder Bluthochdruck. Weitere Risikofaktoren sind ein erhöhtes Cholesterin, "weil es zu einem Infarkt beitragen kann", aber auch mangelnde körperliche Aktivität, Adipositas und falsche Ernährung.
"Beide Formen der Herzschwäche führen häufig zu Krankenhausaufnahmen und beeinträchtigen damit die Lebensqualität, aber auch die Prognose", so Hennersdorf. "Bei jeder dieser Erkrankungen kommt es zu einem verminderten Blutfluss in den Gefäßen, somit kommt zu wenig Sauerstoff in der Muskulatur und den Organen an, was dann zu verminderter Leistungsfähigkeit führt."
Im Schockzustand fallen Organe aus
Im schlimmsten Fall könne ein schwerer Schockzustand eintreten, weitere Organe wie Niere oder Lunge können ausfallen. In einem solchen Notfall ist eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich. Die Patienten werden dann vorübergehend an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die den Kreislauf aufrecht erhält. So wird die Durchblutung der anderen Organe und vor allem des Gehirns gesichert.
Herzschwäche entsteht oft schleichend. "Wichtigstes Anzeichen ist die Kurzatmigkeit bei Belastung. Diese tritt am Anfang erst bei stärkerer Belastung auf, je nach Ausprägung der Herzschwäche jedoch immer früher, im schlimmsten Fall schon in Ruhe", sagt Hennersdorf. "Dann kommt es auch zu Wassereinlagerungen in den Knöcheln und Beinen, manchmal den Händen und Augenlidern und der Lunge. Dazu können auch Brustschmerzen auftreten sowie Schwindel, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen sowie bei schweren Herzrhythmusstörungen auch eine Ohnmacht."
Verschiedene Untersuchungen sind erforderlich
Stellen sich Patienten mit entsprechenden Symptomen bei ihrem Arzt vor, wird die Diagnose neben der Befragung und der körperlichen Untersuchung auch durch bestimmte Laboruntersuchungen gesichert. Von besonderem Wert ist dabei das sogenannte NT-pro-BNP. Dieses Hormon wird bei Herzschwäche vermehrt im Herzen gebildet. Ein EKG und, "als Schlüsselmethode", eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie) geben weitere Hinweise. "Dabei kann man die Ausprägung der Herzschwäche erkennen, aber auch Hinweise auf abgelaufene Herzinfarkte und Herzklappenfehler", erklärt Hennersdorf. Auch Wassereinlagerungen in der Lunge werden sichtbar. "Sehr wichtig ist dann in speziellen Fällen die MRT-Untersuchung, um Herzmuskelerkrankungen erfassen zu können."
Mit dem Herzkatheder blickt der Arzt direkt in den Körper
Den inneren Zustand des Herzens und der zugehörigen Gefäße kann der Arzt mittels eines Herzkatheters direkt in Augenschein nehmen. "Das ist wichtig, da eine koronare Herzkrankheit, also die Verengungen der Herzkranzarterien, häufig ist und infolge von Durchblutungsstörungen zu Infarkten und Herzschwäche führen kann." Dafür stehen verschiedene Techniken zur Verfügung.
Behandelt wird natürlich eine ursächliche Grunderkrankung wie etwa Diabetes. Darüber hinaus gibt es spezielle Medikamente, die den drohenden Umbau von Herzmuskel in Bindegewebe und den Puls bremsen, andere entlasten das Herz, indem sie den Blutdruck senken oder zur Entwässerung beitragen. Patienten sollten auch den eigenen Lebensstil kritisch betrachten. Körperliches Training etwa könne erheblich zu einer Verbesserung der Herzschwäche beitragen, betont der Kardiologe.
Defi und Schrittmacher als Therapieoptionen
Oberstes Ziel ist es, den plötzlichen Herztod zu verhindern. Ist die Pumpkraft des Herzens stark reduziert und führen auch alle anderen Maßnahmen nicht zu einer deutlichen Besserung, wird in einer Operation ein Defibrillator eingesetzt, der einerseits den plötzlichen Herztod verhindert, aber andererseits bei bestimmten Patienten durch besondere Schrittmachertechniken auch die Pumpleistung des Herzens bessern kann, sagt Hennersdorf: "Nur bei anders nicht zu behandelnder anhaltend sehr schwerer Herzschwäche kommt eine Implantation eines Herzunterstützungssystems oder sogar eine Herztransplantation in Betracht."
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