Herpes-Bläschen können immer wieder kommen

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Was der Sommer damit zu tun hat und was Betroffene gegen die lästigen Lippenbläschen tun können.

Der Kollege hat's, die Freundin, der Nachbar: In diesem Sommer blüht der Herpes auf den Lippen. Gefühlt hat in den vergangenen Wochen jeder Zweite mindestens eines dieser Bläschen im Gesicht gehabt. "Tatsächlich haben wir in der Praxis momentan häufiger Lippenherpes", bestätigt der Heilbronner Hausarzt Dr. Tobias Armbruster.

Herpes-Viren warten auf Reaktivierung

Angesteckt hat man sich unter Umständen schon Jahrzehnte zuvor. Als Erstinfektion mit dem Virus Herpes simplex gilt die sogenannte Stomatis aphtosa, die häufig im Kleinkind- und Kindergartenalter auftritt. Dabei bilden sich entzündliche Aphten und Geschwüre im Mundraum. "Einmal infiziert, bleiben die Viren dann in den Nervenknoten, den sogenannten Ganglien, und warten dort gegebenenfalls ein Leben lang auf Reaktivierung", erklärt Armbruster.

Übertragung erfolgt durch Schmierinfektion

Herpes simplex kann man kaum entgehen. Laut WHO sind zwei Drittel der Weltbevölkerung damit infiziert, in Deutschland sind es nach Schätzungen des Berufsverbands Deutscher Internisten 80 Prozent der Menschen. Die Übertragung erfolgt in der Regel durch Schmierinfektion: Die Viren treten aus geplatzten Herpesbläschen aus und verbreiten sich um den entzündeten Bereich herum. Wer mit diesem Sekret oder infiziertem Speichel in Kontakt kommt, kriegt zugleich eine Portion Herpesviren ab - etwa beim Küssen oder durch Niesen.

Eltern sollten ihre Kinder mit Mundaphten durch Stomatis aphtosa nicht in den Kindergarten schicken und auf regelmäßiges Händewaschen achten. Bildet sich bei Erwachsenen ein Bläschen, so sollte die Partnerin oder der Partner in der akuten Phase aufs Küssen verzichten und die gemeinsame Nutzung etwa von Gläsern, Besteck, Handtüchern oder Zahnbürsten vermeiden.

"Besondere Vorsicht gilt vor allem im Kontakt zu Neugeborenen", warnt Tobias Armbruster. Höhere Risiken bestehen auch für Personen mit einem schwachen Immunsystem - etwa infolge einer Kortison- oder Chemotherapie, bei HIV und anderen Vorerkrankungen. Wer einen akuten Herpes labialis hat, sollte bei solchen Begegnungen zur Sicherheit einen Mundschutz tragen.

Sehr selten sind Komplikationen möglich

Dabei ist Lippenherpes in den allermeisten Fällen lediglich lästig und unangenehm, mitunter auch schmerzhaft. Sehr selten kann es aber zu Augenentzündungen oder gar einer Hirnentzündung kommen. "Darauf achten wir in der hausärztlichen Betreuung", sagt Armbruster. Auch bakterielle Superinfektionen etwa durch Aufkratzen sind möglich.

"Andere Herpes-Typen sind deutlich gefährlicher", erklärt der Hausarzt. Die Viren-Familie zählt aktuell mehr als 200 bekannte Mitglieder, davon sind neun für den Menschen spezifisch, informiert das Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung. Bekanntester Vertreter der Humanen Herpesviren (HHV) ist der Herpes simplex Virus (HSV) Typ 1, der in der Regel verantwortlich für einen Lippenherpes ist. Genitalherpes ist dagegen häufig auf eine Infektion mit HSV Typ 2 zurückzuführen.

Windpocken und Gürtelrose werden durch den Varizella-Zoster-Virus hervorgerufen - der einzige in der Herpes-Familie, gegen den es einen Impfschutz gibt. Eine Erkrankung kann mit schmerzhaftem Ausschlag im Gesicht einhergehen und beispielsweise auch auf Augen und Ohren übergreifen. Auch verschiedene Krebserkrankungen werden mit HHV-Infektionen in Verbindung gebracht. Vom Epstein-Barr-Virus weiß man, das es nicht nur für das Pfeiffer"sche Drüsenfieber verantwortlich ist, sondern auch das Risiko für Multiple Sklerose und Lymphome - im Volksmund Lymphdrüsenkrebs genannt - erhöht.

UV-Strahlung begünstigt das Wiederaufblühen des Herpes-Bläschens

Haben sich die Herpesviren einmal im Körper eingenistet, wird man sie nicht mehr los. Verschiedene Faktoren begünstigen ihre Reaktivierung und damit einen neuen Krankheitsschub: Stress, hormonelle Veränderungen, andere Infekte und UV-Strahlung zählen dazu. "Das könnte auch der Grund für das aktuell gehäufte Auftreten von Lippenherpes sein", vermutet Armbruster. Denn intensive Sonnenstrahlung oder sogar Sonnenbrand drosseln das Immunsystem - und schon bildet sich wieder ein Bläschen. Fachleute sprechen dann von einem Rezidiv.

"Wenn es an der Lippe zu jucken beginnt, dann kann innerhalb von 24 Stunden eine Anti-Virus-Salbe mit dem Wirkstoff Aciclovir helfen", rät der Arzt. "Rechtzeitig behandelt, verringern sich die Dauer und die Ausprägung der Infektion." Nur sehr selten könne es nötig werden, den Wirkstoff hochdosiert in Form von Tabletten oder per Infusion zu verabreichen.

Schnell zu reagieren, ist wichtig: "Mehr als 24 Stunden nach Beginn der Symptome bringt die Salbe meist nichts mehr." Dann könnten Salben mit Zink oder Dexpanthenol gegen das Jucken helfen und so verhindern, dass die wunden Stellen zusätzlich aufgekratzt und dann unter Umständen mit Bakterien infiziert werden. Falls nötig, können Medikamente mit dem Wirkstoff Ibuprofen gegen Schmerzen eingesetzt werden.

"Nichts Heißes und nichts Scharfes essen", rät Armbruster den Erkrankten. "Andere Empfehlungen, wie etwa Honig oder Zahnpasta auf die betroffenen Stellen zu geben, halte ich für fragwürdig und/oder schlecht umsetzbar."

Für die Zukunft hoffen Mediziner auf eine Impfung auch gegen Herpes simplex, sagt Tobias Armbruster: "Betroffene wären sicher froh, wenn sie dadurch die immer wiederkehrenden Entzündungen hätten verhindern können."

 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben