Stimme+
Gesundheit
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Diabetes ist nicht immer Schicksal

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Bewegungsarmut und Überernährung können beim Entstehen von Diabetes eine große Rolle spielen. Wenn Patienten ihren Lebensstil ändern, können sie schon viel erreichen.

Von Angela Stoll
 Foto: fascinadora

"Was geht mich das an? So alt bin ich noch nicht!" So reagieren viele Menschen mittleren Alters auf das Thema Diabetes. Doch sie irren sich gewaltig. Denn Typ-2-Diabetes ist keine Alterskrankheit mehr, sondern trifft auch jüngere Leute, mitunter sogar Kinder.

"Die Zahl der Patienten hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen, außerdem ist das Durchschnittsalter gesunken", sagt Dr. Nicole Weh, Oberärztin am Schwarzwald-Baar Klinikum in Villingen-Schwenningen. "Schuld ist unsere Lebensweise." Bewegungsarmut und Überernährung sind entscheidende Faktoren beim Entstehen der Krankheit. In Deutschland leiden schätzungsweise sieben Millionen Menschen an der "Zuckerkrankheit", die meisten davon an Diabetes mellitus Typ 2.

Warum das Krankheitsrisiko oft unterschätzt wird

Dass Patienten ihr Krankheitsrisiko oft unterschätzen, kann fatale Folgen haben. Da Typ-2-Diabetes anfangs so gut wie keine Beschwerden macht, bleibt er manchmal lang unentdeckt. Typische Zeichen wie Müdigkeit, Durst, Harndrang und trockene Haut entwickeln sich erst mit der Zeit. "Wenn man Symptome bemerkt, hat man schon Diabetes, und zwar zum Teil schon lang", betont Weh.

"Immer wieder haben wir Patienten, bei denen Diabetes im Spätstadium festgestellt wird, ohne dass sie selbst etwas gemerkt hätten." Manchmal wird die Krankheit erst im Zusammenhang mit Komplikationen, etwa einem Herzinfarkt, entdeckt.

Besonders gefährlich sind Folgekrankheiten

Solche Folgekrankheiten sind es auch, die Diabetes so gefährlich machen. So kann er Veränderungen der Blutgefäße und Nervenschäden nach sich ziehen und zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Nierenschäden, Sehstörungen oder zum "diabetischen Fuß" führen, bei dem Wunden schlecht heilen und Infektionen drohen. Sogar das Risiko für Demenz und Depressionen ist deutlich erhöht.

Besonders groß ist die Gefahr für derlei Folgen bei Menschen, deren Diabetes lange nicht entdeckt wurde, deren Blutzuckerwerte schlecht eingestellt sind und die weitere Risikofaktoren (etwa Bluthochdruck und gestörte Blutfettwerte) haben. Für sie sind regelmäßige Kontrollen beim Arzt besonders wichtig.

Verharmlosungen sind gängige Irrtümer über Diabetes

Vor diesem Hintergrund stört sich Nicole Weh daran, wenn sie von Patienten Sätze hört wie: "Das bisschen Zucker macht doch nichts!" Solche Verharmlosungen gehören zu den gängigen Irrtümern über Diabetes. Daher fordert die Ärztin: "Man müsste mehr Aufklärungsarbeit leisten." Um dem Diabetes früh auf die Spur zu kommen, ist es sinnvoll, gelegentlich die Blutzuckerwerte kontrollieren zu lassen.

So wird beim Gesundheits-Check-up, auf den gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch haben, unter anderem auch der Nüchternblutzucker gemessen. Erhöhte Werte können ein Hinweis auf Diabetes oder eine Vorstufe davon sein. "Besonders aufpassen sollten übergewichtige Menschen und solche, deren Eltern Diabetes haben", sagt Diabetologin Weh. Denn auch die genetische Veranlagung spielt beim Typ-2-Diabetes eine große Rolle.

Den Lebensstil ändern

Die gute Nachricht: In jedem Stadium können Patienten durch eine Lebensstiländerung viel erreichen. Besonders groß sind die Erfolge in der Frühphase. Durch Bewegung, bewusste Ernährung und Gewichtsreduktion können Patienten mit Prädiabetes ihre Blutzuckerwerte verbessern.

Allerdings hat sich gezeigt, dass nicht alle Menschen gleich gut auf solche Maßnahmen ansprechen - warum das so ist, versuchen Wissenschaftler derzeit herauszufinden. "In der Zukunft wird es verstärkt darum gehen, individualisierte Empfehlungen zu geben", sagt Weh. Ansonsten gibt es heute eine größere Palette an Medikamenten, die helfen, den Blutzuckerspiegel optimal einzustellen.


Wichtige Anlaufstellen in Heilbronn

Der "Wegweiser Diabetes mellitus", herausgegeben von der Kommunalen Gesundheitskonferenz Heilbronn, beinhaltet eine Übersicht von Diabetologen, diabetologischen Schwerpunktpraxen und Kliniken sowie von Podologen und anderen wichtigen Anlaufstellen und Informationsquellen in Heilbronn. Erhältlich ist der "Wegweiser Diabetes" beim Städtischen Gesundheitsamt Heilbronn, Bahnhofstraße 2, in 74072 Heilbronn,

E-Mail: gesundheitsamt@heilbronn.de, sowie bei der Diabetiker-Vereinigung Stadt- und Landkreis Heilbronn e.V., Elisabeth Staas, Schoettlestraße 20, 74074 Heilbronn, E-Mail: info@diabetiker-hn.de. Der Selbsthilfe-Verein lädt regelmäßig zu kostenlosen Fachvorträgen sowie zu geselligen Veranstaltungen ein. Darüber hinaus gibt es verschiedene Sportgruppen. Mehr Informationen: www.diabetiker-hn.de.

>>Weitere Selbsthilfegruppen in der Region finden Sie hier

 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben