Der Escape-Room für die Spieleschachtel
Die Reihe „Exit“ des Kosmos-Verlags wird zehn Jahre alt. Dem Spieleerfinder-Paar Inka und Markus Brand gehen die Ideen noch lange nicht aus. Im Gespräch erzählen sie, wie es zu dem Spiel kam.

Es war die Weihnachtsfeier der Spieleredaktion beim Kosmos-Verlag, die den Anstoß gab. Denn das Team beging sie damals, im Dezember 2014, in einem der ersten Escape Rooms in Stuttgart. Während einer Pause kamen die Mitarbeiter auf die Idee, das Konzept des gemeinschaftlichen Rätsellösens in eine Spieleschachtel zu packen.
Und so flatterte die Anfrage aus Stuttgart Markus Brand auf den Tisch. Zusammen mit seiner Frau Inka hatte der Inhaber einer Versicherungsagentur als Spieleautor schon einige Erfolge gefeiert. Und nur wenige Wochen zuvor war die Familie aus Gummersbach selbst in einem Escape Room in Köln gewesen. „Das hat uns total fasziniert“, erzählt Inka Brand. Also machten sich die beiden an die Arbeit.
Ausgezeichnet als „Kennerspiel des Jahres“
Es dauerte allerdings bis 2016, bis die ersten drei Spiele fertig waren. „Auf der Spielemesse in Essen kamen damals drei Verlage gleichzeitig mit solchen Konzepten heraus“, erinnert sich Markus Brand. „Exit“ setzte sich offensichtlich durch: 2017 gab es die Auszeichnung „Kennerspiel des Jahres“ für die ersten drei Spiele der Serie, mit dem Boom der Escape Rooms stiegen die Verkaufszahlen – und als in der Corona-Pandemie vieles nur noch zu Hause stattfinden konnte und die Brettspielbranche nie gekannte Umsatzhöhen erklomm, sorgte das auch bei „Exit“ für einen weiteren Auftrieb.
Dabei sollen in allen Rätseln, ob in der Spieleschachtel, als Adventskalender, Puzzle oder in Büchern, Wiederholungen ausgeschlossen sein, haben die Brands festgelegt. Wie sie das bis heute geschafft haben? „Das fragen wir uns auch manchmal“, gesteht Inka Brand. Dabei haben sie inzwischen ein Rezept gefunden: „Wir haben immer unser Ideenbuch dabei“, erzählt sie. „Sobald wir etwas sehen, was eines Tages passen könnte, notieren wir es uns.“ Selbst hier, auf der Nürnberger Spielwarenmesse, seien sie gleich morgens auf eine neue Anregung gestoßen. Welche, wird natürlich nicht verraten.
So viele Exemplare wurden von den „Exit“-Spielen verkauft
39 kleine Schachteln sind seit 2016 bei Kosmos erschienen, verkauft wurden sie in 35 Ländern und in 24 Sprachen. Etwa 30 Millionen Exemplare wurden abgesetzt, hinzu kommen die ganzen Nebenprodukte. Die Brands können inzwischen von ihrer Leidenschaft Brettspiele leben. Markus Brand kümmert sich nur noch an einem Tag in der Woche um seine Versicherungsagentur. Parallel läuft die Arbeit an den nächsten Exit-Games weiter. „Wenn wir das aktuelle abgeschlossen haben, werden wir exakt 1000 Rätsel geschaffen haben“, verrät er.
Und die anderen Gesellschaftsspiele? Immerhin wurden Inka und Markus Brand schon mehrfach auch für andere Kreationen ausgezeichnet, mit dem Deutschen Spielepreis ebenso wie mit dem Kennerspiel des Jahres. Zuletzt erschien aber 2024 etwas abseits der „Exit“-Reihe. „Wir kommen kaum noch dazu“, gesteht Markus Brand. Sechs bis acht Exit-Produkte entwerfen sie pro Jahr. „Wir wollen nicht einrosten, aber für solch große Sachen fehlt uns die Zeit.“
Wenn Spielleidenschaft in der Familie bleibt
Doch Unterstützung naht. Schließlich haben Sohn Lukas und Tochter Emely die Spielleidenschaft der Eltern von klein auf miterlebt – und 2011 als Geschwister selbst den Deutschen Spielepreis mit ihrer eigenen Entwicklung „Mogel Motte“ gewonnen. Während Lukas inzwischen eine Videoproduktionsfirma betreibt, studiert Emely Game Design, erzählen ihre Eltern. „Sie bringt noch einmal ganz neue Herangehensweisen mit“, sagt ihr Vater. „Und sie wird bestimmt eines Tages in der Branche landen.“
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