Dacia Jogger: Mehr Auto fürs Geld geht kaum
Der nagelneue Jogger ist ein geräumiger Kombi im Offroad-Look.

Ein 4,55 Meter langer Neuwagen in der höchsten Ausstattungslinie für rund 18.000 Euro - damit ist der Dacia Jogger momentan konkurrenzlos. Selbst preiswert positionierte Mitbewerber, beispielsweise der Fiat Tipo Kombi, sind bereits in der Basis deutlich teurer (ab 21.490 Euro). Und der rumänische Billigheimer hat außer dem günstigen Preis und drei Jahren Garantie noch mehr zu bieten, wie die Autostimme bei ersten kurzen Testrunden erfahren konnte.
Viel Platz für relativ kleines Geld - ein Argument, mit dem der Jogger punkten kann. In Standardkonfiguration stehen fünf Sitzplätze und ein großes Gepäckabteil mit mehr als 1800 Litern Volumen zur Verfügung. Die Ladekante ist niedrig, die Heckklappe dank weit außen angebrachter vertikaler Leuchten relativ breit. Zwei Meter maximale Ladelänge stehen bereit, der vordere Beifahrersitz lässt sich jedoch leider nicht umklappen (was zu noch mehr Ladelänge geführt hätte).
Knick in der Seitenlinie
Gegen 800 Euro Aufpreis wird der Jogger zum Siebensitzer. Die beiden Sitze in Reihe drei sind relativ leicht (rund zehn Kilogramm) und lassen sich ohne Werkzeug ausbauen. Das sorgt für Flexibilität. Um den hinten sitzenden Passagieren mehr Kopffreiheit zu verschaffen, haben die Dacia-Ingenieure dem Dach an der B-Säule eine kleine Stufe (40 Millimeter) verpasst. Sieht gewöhnungsbedürftig aus, ist aber funktional. Ansonsten macht der Kombi optisch auf Offroader - mit Dachreling, Kunststoffbeplankung, angedeutetem Unterfahrschutz und 20 Zentimeter Bodenfreiheit. Ein Allradantrieb wird aber nicht angeboten, auch spezielle Fahrprogramme für Ausritte ins Gelände sind nicht an Bord.
Die von uns gefahrene Topversion Extreme+ bietet eine Ausstattung, die viele Nutzer zufriedenstellen dürfte, da sie alles Wesentliche beinhaltet. Das Multifunktionslenkrad zum Beispiel ist mit Leder bezogen und lässt sich in Höhe und Weite einstellen, so dass auch große Menschen nicht zu weit weg vom Volant sitzen. Die ordentlich ausgeformten, sehr ansehnlichen Stoffsitze mit roten Ziernähten sind zweistufig beheizbar, und der acht Zoll große Touchscreen-Bildschirm ist weit oben angebracht, liegt somit gut im Sichtfeld des Fahrers. Im Media Nav genannten System ist eine Navigationsfunktion integriert, auch sechs Lautsprecher sowie zwei USB-A-Ports gehören zum serienmäßigen Package. Und Smartphones können via Apple Car Play und Android Auto eingebunden werden - eine induktive Ladeschale gibt es hingegen nicht.
Zwischen den analogen Rundinstrumenten ist ein kleines, monochromes Display angebracht, in dem man sich zum Beispiel die Geschwindigkeit digital anzeigen lassen kann. Gut! Für Komfort beim Einsteigen sorgt der schlüssellose Zugang samt Keycard im Scheckkartenformat, für einen kühlen Kopf unterwegs die automatische Klimaanlage, deren Drehregler aber recht tief angebracht sind.
Vollhybrid kommt 2023
Einen Vollhybriden mit Automatikgetriebe will Dacia 2023 auf den Markt bringen, bis dahin müssen Kunden mit einem klassischen Turbobenziner Vorlieb nehmen. Der 110 PS starke Dreizylinder klingt rau und ein bisschen nach Rasenmäher, geht aber spritzig zu Werke und hat mit dem relativ leichten Jogger (1251 Kilo) wenig Mühe. Dank der sauber geführten Sechsgang-Handschaltung macht auch das Wechseln der Gänge keine Probleme, aufgrund des erst bei 2900 Umdrehungen anliegenden Maximaldrehmoments von 200 Newtonmetern muss der Schalthebel öfter mal bemüht werden (Normverbrauch: 5,6 Liter, CO2-Emission: 127 Gramm pro Kilometer).
Alternativ steht beim Jogger ein bivalenter Antrieb parat - und der ist sogar noch mal 500 Euro günstiger (bei Extreme+ ab 17.490 Euro)! So kann der mit zwei Tanks ausgestattete ECO-G-Jogger wahlweise mit Benzin oder Autogas (LPG) betrieben werden, was in Kombination zu Reichweiten von rund 1000 Kilometern führt. Die Fahrleistungen sind zwar einen Tick schlechter als beim reinen Benziner (50 Kilo Mehrgewicht, neun PS und 30 Nm weniger), dafür ist der CO2-Ausstoß etwas geringer und Autogas obendrein deutlich günstiger als Super, was sich trotz des höheren Verbrauchs letztlich rechnet (7,6 Liter, 118 g/km). Nicht umsonst sind rund 35 Prozent der in Europa verkauften Dacias Modelle mit LPG-Antrieb, so der Hersteller.
Wenige Assistenten
Bleibt die Frage, wo der Haken ist beim Dacia Jogger. Eigentlich gibt es keinen, denn dass großflächig harte Kunststoffe zum Einsatz kommen, sollte bei diesem Preisniveau nicht verwundern. Auch satt klingende Türschließgeräusche oder eine elektrische Heckklappe sollte man nicht erwarten. Geschenkt.
Nachlegen könnte Dacia noch bei den Assistenten - zwar verfügt der Jogger über Einparkhilfe, Notbremsassistent und Totwinkelwarner, auf ein mindestens ebenso nützliches Feature wie einen Querverkehrswarner muss man aber verzichten. Den gibt es auch nicht gegen Aufpreis.
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