Diese Modelle sind 2026 erstmals reif fürs H-Kennzeichen
Elektronik und Abgasnormen halten 1996 flächendeckend Einzug, aber auch Roadster mit Stahldach debütieren. Die ersten Autos des Jahrgangs werden nun 30 Jahre alt und können ein H-Kennzeichen erhalten.

Was für ein Autojahr: Elektronik, Airbags und Abgasnormen halten bei Autos flächendeckend Einzug. Modelle wie VW Passat, Audi A3, Mercedes SLK und Porsche Boxster setzten neue Maßstäbe in Technik und Design. 1996 markierte einen Wendepunkt.
«Es ist das Jahr, in dem das analoge Autofahren seinen Höhepunkt erreichte – bevor die Digitalisierung überhandnimmt», sagt Frank Wilke als Geschäftsführer vom Marktbeobachter Classic Analytics. 1996 sei auch das Jahr des Revivals der Roadster wie Mercedes-Benz SLK und Porsche Boxster gewesen. Wichtig für die deutsche Autoindustrie, aber auch für Autofans.
Die ersten Fahrzeuge dieser Zeit können nun ein historisches Kennzeichen erhalten und gelten damit als Oldtimer. Das sind Fahrzeuge, die ab dem Tag der ersten Zulassung mindestens 30 Jahre alt und im Originalzustand sind, oder aber mit Originalteilen restauriert wurden. Begehrt seien unabhängig von Marke und Modell starke Motoren und eine hohe Ausstattungsvariante, dazu ein möglichst originaler Zustand und eine einwandfreie Wartungshistorie.
«Autos der 1990er-Jahre wie der 1996er-Jahrgang haben einen Schritt Richtung Alltagstauglichkeit gemacht, darunter auch ein paar Charaktertypen», sagt Malte Tom Büttner, Chefredakteur von «Auto Bild Klassik».
Audi S8
Mit dem S8 präsentierte Audi 1996 eine starke Allrad-Sportlimousine der Oberklasse. Unter der Haube der Oberklasse arbeitet ein 4,2-Liter-V8-Motor mit 250 kW/340 PS, die Kraft wird über den Quattro-Allradantrieb übertragen. Zur Wahl steht ein manuelles Sechsgang-Getriebe oder eine Fünfgang-Automatik.
«Für den Audi S8 gibt es längst Fans. Aber es wird um das Modell keinen Hype geben, weil viele Fans Angst vor den Folgekosten haben. Defekte Steuergeräte lassen sich kaum reparieren und der Power-Audi besitzt mehrere davon», sagt Frank Wilke.
«Schon aufgrund seiner Leistung wird der S8 ein Klassiker. Gepflegte und ordentliche Autos sind allerdings selten, die Ersatzteilversorgung ist schwierig», sagt Malte Tom Büttner. Erhaltungszustand 2, nach Classic Analytics: 16.100 Euro (Zustand 3: 8.000 Euro).
Audi A3
Als der Audi A3 (8L) 1996 auf den Markt kam, staunten Experten: ein Kompaktwagen auf Basis des VW Golf IV, der deutlich sportlicher und hochwertiger ausgestattet war. Die Otto-Vierzylinder reichen von 74 kW/101 PS bis 154 kW/204 PS, die Diesel von 66 kW/90 PS bis 96 kW/130 PS. «Der A3 als Volumenmodell ist eher in der Tuning-Szene beliebt, und da auch eher mit den starken Motoren und der höchsten Ausstattungsvariante», sagt Frank Wilke.
Malte Tom Büttner findet: «Der A3 ist ein sehr solides und gutes Auto und momentan als Klassiker völlig unterbewertet.» Erhaltungszustand 2, nach Classic Analytics: 5.300 Euro (Zustand 3: 2.600 Euro).
Citroën Berlingo
Der Berlingo ist vielseitig und robust. Fast ohne Konkurrenz wurde der Hochdachkombi ein Auto für Familien und Handwerker. Die Ottomotoren reichen von 40 kW/54 PS bis 80 kW/109 PS, die Diesel von 43 kW/58 PS bis 66 kW/90 PS. «Der Berlingo ist kein klassisches Sammlerauto, aber kurios und einzigartig, sodass es immer Liebhaber geben wird», sagt Frank Wilke.
Malte Tom Büttner schätzt ein: «Mit dem Berlingo ist Citroën der Schritt vom Kastenwagen zum salonfähigen Familienauto gelungen, mit einem genialen Raumkonzept und an Praktikabilität kaum zu überbieten.» Gute Fahrzeuge zu finden, werde allerdings schwer, die meisten wurden verheizt. Erhaltungszustand 2, nach Classic Analytics: 3.500 Euro (Zustand 3: 1.800 Euro).
Porsche Boxster
Ein gutes Gefühl für den Markt besaß Porsche, als man 1996 den ersten Boxster verkaufte. In Tradition des 550 Spyders bot der Boxster als Zweisitzer-Roadster eine Alternative zum teureren 911. Sein Sechszylinder-Boxermotor leistete anfangs 150 kW/204 PS, später bis zu 195 kW/266 PS.
«Der Boxster zählt schon zum beliebten Klassiker mit Wertsteigerungspotential, das schneller als beim 911er wächst», sagt Frank Wilke. Malte Tom Büttner: «Die Preise des Boxsters steigen schon seit ein paar Jahren. Daran lässt sich erkennen, dass der günstige Porsche mit Mittelmotorkonzept beliebt ist.» Erhaltungszustand 2, nach Classic Analytics: 16.600 Euro (Zustand 3: 10.600 Euro).
Ferrari 550 Maranello
Als kommenden Klassiker mit hohem Wertsteigerungspotenzial sehen die Experten den Ferrari 550. Der Supersportwagen setzt auf einen starken 5,5-Liter-V12 mit 327 kW/485 PS. Lange Motorhaube, starker V12 und Hinterradantrieb - Frank Wilke sieht im Ferrari 550 «als Renaissance des legendären Daytona» einen kommenden Klassiker. Die Modelle mit Schaltgetriebe sind deutlich interessanter als die mit F1-Schaltung.
«Jeder Ferrari hat Potenzial zum begehrten Klassiker, das wird beim 550 Maranello nicht anders sein. Allerdings liegen die Preise in einer anderen Liga», sagt Malte Tom Büttner. Erhaltungszustand 2, nach Classic Analytics: 170.000 Euro (Zustand 3: 130.000 Euro).
Ford Ka
Einen Kleinwagen unterhalb des Fiesta verkaufte Ford ab 1996 mit dem Ka. Der nur 3,6 Meter kurze, zweitürige Kleinstwagen fiel vor allem durch sein neues Design auf. Als Antrieb dienen Vierzylinder-Benziner zwischen 36 kW/79 PS und 70 kW/95 PS. «Mit dem Ka hat sich Ford was getraut. Das Modell zählt zwar nicht unbedingt zu den heißbegehrten Sammlerautos, aber durch seine unkonventionelle Form sicher zu den Liebhaberautos», sagt Frank Wilke.
«Gut erhaltene Ka sind auf dem Gebrauchtwagenmarkt rar gesät, was schade ist. Denn der ewig belächelte Ka besitzt ein eigenständiges Design», sagt Malte Tom Büttner. Und: Er sei abgesehen vom miserablen Rostschutz an sich ein gutes Auto. Erhaltungszustand 2, nach Classic Analytics: 2.300 Euro (Zustand 3: 1.200 Euro).
Jaguar XK8/XKR
Als besonders elegantes, britisches Coupé und Cabrio und würdiger Nachfolger des E-Types und XJS verkaufte Jaguar ab 1996 den XK8. Unter der langen Haube steckt ein 4,0-Liter-V8 mit 209 kW/284 PS, der die Hinterräder antreibt.
Beim XKR - ab 1998 und somit erst frühestens in zwei Jahren mit H-Kennzeichen fahrbar - hebt ein Kompressor die Leistung auf 267 kW/363 PS an. Statt auf das damals populäre, kantige und muskulöse Design setzte Jaguar auf weiche Rundungen und stimmige Proportionen.
«Dieses sehr britische Coupé ist heute schon in Fankreisen sehr beliebt und hat Potenzial zu einem großen Klassiker. Das Coupé mit Saugmotor eignet sich ideal zur gepflegten Fortbewegung nach britischer Art und Weise», sagt Frank Wilke. «Langsam werden XK8 und XKR von Liebhabern gesucht, auch wenn die Technik nicht ganz problemlos ist.
Das Coupé bietet viel Charakter, die Kompressorvariante ist kompliziert und teuer», sagt Malte Tom Büttner. Erhaltungszustand 2, nach Classic Analytics: 22.000 Euro (Zustand 3: 13.200 Euro).
Mercedes SLK
Mercedes traute sich mit dem ersten SLK etwas damals Neues zu bauen: einen leichten Roadster mit klappbarem Stahldach fürs ganze Jahr. Sein Name steht für «Sportlich», «Leicht», «Kurz» - und genau das verkörpert er: ein Roadster, der Eleganz und Dynamik vereint.
Anfangs gab es die Vierzylinder im SLK 200 mit 100 kW/136 PS, im SLK 200 K mit 141 kW/192 PS und im SLK 230 mit 142 kW/193 PS. «Für Fans von offenen, sportlichen Autos bietet der SLK eine gute Ersatzteilversorgung, anständige Qualität und ein sportliches Fahrverhalten. Ein Auto mit Wertsteigerungspotenzial», sagt Frank Wilke. Als gute Kombination sieht er den 230K mit manuellem Getriebe und einer bunten Farbe.
«Mit dem SLK hat Mercedes vieles richtig gemacht, das honorieren immer mehr Oldtimerfans. Die Kombination aus Alltagstauglichkeit, agilem Fahrverhalten und Mercedes-Souveränität überzeugt», sagt Malte Tom Büttner. Probleme bereiten Dachmechanik und rostendes Blech. Erhaltungszustand 2, nach Classic Analytics: 7.900 Euro (Zustand 3: 4.300 Euro).
Skoda Octavia
Groß, günstig, zuverlässig und praktisch - das ist der erste Skoda Octavia. Basierend auf dem VW Golf mit fast so viel Platz wie im Passat wurde der erste Octavia ein Verkaufsschlager. Die Motoren reichen bei den Benzinern von 44 kW/60 PS bis zu 132 kW/180 PS und bei den beliebten Dieseln von 55 kW/75 PS bis 96 kW/130 PS. «Der Octavia ist qualitativ ein gutes Auto, aber keines für das sich eine große Masse Oldtimerfans begeistern wird, selbst in der sportlichen RS-Version nicht», sagt Frank Wilke.
«Der Octavia ist ein solides Auto, aber auch langweilig. Die Ausnahme macht nur das 1999er-Sondermodell Laurin & Klement mit 1.8 T», so Büttner. Erhaltungszustand 2, nach Classic Analytics: 2.900 Euro (Zustand 3: 1.400 Euro).
VW Passat B5 (Typ 3B)
Der VW Passat B3 – kantig, charakterstark, kompromisslos: ein Symbol der 90er, ein Maßstab für VW als Zuverlässigkeit selbstverständlich war. Wer ihn fährt, spürt: Hier zählt Substanz, nicht Show. Eine der letzten klassischen Limousinen (der Kombi Variant kam erst 1997), bevor Mini-Vans und SUV den Markt der Mittelklasse eroberten.
VW bot für den Passat ein breites Motorenangebot an: Ottomotoren zwischen 74 kW/100 PS und 142 kW/193 PS und Diesel zwischen 66 kW/90 PS und 110 kW/150 PS. «Auch wenn der Passat ein Massenauto ist, kommt er in der Tuningszene gut an. Eine gute Wahl für ein wertstabiles Modell sind Limousinen mit Vollausstattung, V6 oder starken Vierzylinder», sagt Frank Wilke.
«Zwar wird ein Massenmodell wie der Passat auch nach Jahren nicht richtig spannend. Aber der B5 fährt gut, bietet viel Platz und dazu eine ordentliche Qualität», sagt Malte Tom Büttner. Erhaltungszustand 2, nach Classic Analytics: 3.300 Euro (Zustand 3: 1.100 Euro).










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