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Badewelt Sinsheim setzt auf 50 Grad warmes Wasser aus 1000 Metern Tiefe

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Die Badewelt Sinsheim plant eine Geothermieanlage, um künftig Wärme aus großer Tiefe zu nutzen. Nach erfolglosen Testbohrungen setzt der Betreiber nun auf seismische Untersuchungen.


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Tiefengeothermie in der „Thermen & Badewelt Sinsheim“: Künftig soll die weit über die Region hinaus beliebte Einrichtung mit Wärme aus 1000 Metern Tiefe versorgt werden, heißt es vom Betreiber Thermengruppe Josef Wund.

„Mit der geplanten Geothermieanlage können wir die Grundlage für eine verlässliche, regionale und langfristig planbare Wärmeversorgung schaffen“, so Heiko Wollmann, Chief Technology Officer der Thermengruppe.

Testbohrungen für herkömmliche Erdwärme waren nicht erfolgversprechend

Bereits vor mehr als zwei Jahren wurden in der Nähe der Therme Testbohrungen durchgeführt, damals bis zu einer Tiefe von 46 Metern. Ziel war zu prüfen, ob Erdwärme für eine umfassende und nachhaltige Wärmeversorgung der Thermen und Badewelt Sinsheim geeignet sei. Mit negativem Ergebnis. 

Druckwellen-Messungen sollen Erkenntnisse ohne Bohrungen bringen

Weil die Potenziale dort nicht ausgereicht hätten, habe sich „der Fokus nun auf die Erkundung tieferliegender geothermischer Ressourcen“ gerichtet. Derzeit befinde man sich noch im frühen Stadium einer Planungsphase. „Ein zentraler nächster Schritt ist die Durchführung seismischer Untersuchungen“, teilt das Unternehmen mit. Diese sollen Erkenntnisse über die geologischen Strukturen im Untergrund liefern. Das sei allerdings erst möglich, wenn das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg die Erlaubnis erteile.

Langfristig sollen die Thermen der Sinsheimer Badewelt mittels Wärme aus Tiefengeothermie versorgt werden.
Langfristig sollen die Thermen der Sinsheimer Badewelt mittels Wärme aus Tiefengeothermie versorgt werden.  Foto: privat

„Die Erkenntnisse einer Seismik bilden die wesentliche Grundlage für die Bewertung des Potenzials sowie für alle weiteren Planungs- und Umsetzungsschritte“, erklärt das Unternehmen. Mittels Druckwellen soll der Untergrund untersucht werden, ohne Bohrungen durchführen zu müssen.

Wasserversorgung der Stadt Sinsheim könnte wie beim Modellprojekt im bayrischen Erding profitieren

Die gewonnen Erkenntnisse könnten auch für die Stadt Sinsheim Vorteile haben: Informationen über Grundwasserschichten ließen sich bei der Planung der städtischen Wasser- und Wärmeversorgung nutzbar machen, hofft das Unternehmen auf Synergieeffekte. Ein Modellprojekt solcher Tiefengeothermie ist die Therme im bayrischen Erding, die ebenfalls von der Thermengruppe Josef Wund betrieben wird. Seit ihrer Öffnung 1999 speist sich die 185.000 Quadratmeter große Therme eigenen Angaben zufolge aus dem Thermalheilwasser der fluorid- und schwefelhaltigen Ardeo-Quelle.

1983 fand die US-amerikanische Firma Texaco im Jahr 1983 bei einer 2359 Meter tiefen Erdölbohrung 65 Grad Celsius warmes Thermalwasser. Weil das Erdölunternehmen dafür keine Verwendung gehabt habe, wie es vom Landkreis Erding heißt, entschlossen sich Stadt und Landkreis 1989 zum Start für das „Geowärmeprojekt Erding“.  Ab 1992 begann der Aufbau eines Fernwärmenetzes, 2008 folgte die Inbetriebnahme eines zweiten Heizkraftwerks. Stand 2023 stellt die Geothermieanlage etwa 20 Prozent des Erdinger Wärmebedarfs zur Verfügung, was zu Einsparungen von umgerechnet 7.000.000 Litern Heizöl führen soll. Der Zweckverband Geothermie versorge mittels der Quelle somit auch Stadtteile, Neubaugebiete, Schulen, das Gewerbegebiet sowie das Krankenhaus Erding mit Wärme.

Bürgerinformationsveranstaltungen sollen folgen

Ziel sei auch in Sinsheim die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und steigenden Energiekosten mittels regionaler Erdwärme. Das an die Oberfläche gepumpte Wasser soll dabei eine Temperatur von etwa 50 Grad haben und für die Versorgung des Badebetriebs genutzt werden. „Gleichzeitig leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Energie- und Wärmewende sowie zur Reduzierung von Emissionen“, so Wollmann. Das Unternehmen plant ab Mai eine Projektwebsite, über die sich Bürger informieren könnten, außerdem eine öffentliche Informationsveranstaltung.

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