Die Pizza stammt aus Neapel und geht auf Teigfladen zurück, die im 18. und 19. Jahrhundert von Arbeitern gegessen wurden. Klassische Zutaten sind Mehl, Wasser, Salz, Hefe sowie Tomaten, Mozzarella und Basilikum. Der Teig wird mit der Hand geformt, 24 bis 48 Stunden gehen gelassen und etwa 90 Sekunden bei hoher Temperatur im Holzofen gebacken. Charakteristisch sind der dünne Boden, der luftige Rand und der minimalistische Belag.
Neapolitanische Pizza auf drei Rädern: Benji Bauer startet in Bad Rappenau
Seit August hat Benji Bauer eine italienische Ape. In der backt der neapolitanische Pizzen – und kommt mit dem dreirädrigen Fahrzeug am Samstag zur Bad Rappenauer Eisbahn.
Mehl, Wasser, Salz und Hefe – mehr braucht es nicht für eine echte neapolitanische Pizza, die dann gerade mal 90 Sekunden im Ofen gebacken wird und für ihren besonders dünnen Boden bekannt ist. Das wissen nicht nur die Einwohner der süditalienischen Stadt in Kampanien zu schätzen, sondern auch viele Menschen außerhalb des Landes. So wie Benji Bauer aus dem Bad Rappenauer Ortsteil Bonfeld. Vor ein paar Jahren habe ihn die italienische Küche gepackt, erzählt der 38-Jährige. Pizza, Pasta: „Ich probiere gerne Dinge aus.“
Von Schwäbisch Gemünd nach Bad Rappenau: Ape war ein Zufallsfund bei Ebay
Zum vollständigen Glücke fehlte ihm allerdings noch eine Ape. Der Kleintransporter mit drei Rädern wurde vor fast 80 Jahren in der Toskana entwickelt und steht ähnlich wie Espresso oder eine Vespa für italienisches Lebensgefühl. Jetzt befindet sich ein Exemplar in Benji Bauers Besitz. Dafür ist er allerdings nicht extra über die Alpen gefahren, sondern nur bis Schwäbisch Gemünd. Dort stand das gute Stück, das er über Ebay entdeckt hatte. „Ein Zufallsfund“, erinnert sich der Bonfelder lachend. Denn seine Frau sei anfangs skeptisch gewesen. Innerhalb von 24 Stunden und einer kurzen Preisverhandlung war der Kauf abgeschlossen und die Ape wurde in den Kraichgau überführt.

Maximal 50 Stundenkilometer schnell ist das Fahrzeug. Allerdings nur dann, wenn es unbeladen gefahren wird. Wenn Benji Bauer am Samstag in die Bad Rappenauer Kernstadt kommt, um an der Eisbahn vor dem Rathaus Pizza zuzubereiten und zu verkaufen, wird er die Zutaten mit dem eigenen Auto anliefern. Für den 38-Jährigen ist der Tag die Probe aufs Exempel, denn eigentlich sei die Anschaffung nur für die private Nutzung gedacht gewesen. „Das wird dann schon anders, als für acht Leute Zuhause“, sagt er.
Am Samstag an der Bad Rappenauer Eisbahn, am Sonntag beim Nikolausmarkt in Ittlingen
Um optimal vorbereitet zu sein, hat er sich einen genauen Plan zur Herstellung des Pizzateigs gemacht. Der muss – abhängig vom Mehl – mindestens 24 Stunden gehen. Die Zeit, die dafür einkalkuliert werden muss, werde oft unterschätzt, sagt er. Damit am Samstag alles reibungslos klappt, hat er nicht nur Helfer mit dabei, sondern auch zwei Öfen. Nur einen Tag später geht es dann zum Nikolausmarkt in Ittlingen. Dort allerdings ohne Pizza, sondern mit Pasta.
Obwohl er seit 1. Dezember ein Kleingewerbe angemeldet hat, soll das Pizzabacken ein Hobby bleiben, sagt Benji Bauer. „Ich möchte ja auch noch Zeit mit meiner Familie verbringen.“ Buchen kann man ihn und seine Ape, die in den italienischen Nationalfarben beklebt ist, für kleine Feste wie Geburtstage oder im Anschluss an standesamtliche Trauungen trotzdem.
Kurs bei Francesco Ialazzo, dem Weltmeister im Pizzabacken
Woher die Leidenschaft fürs Kochen kommt, kann er sich selbst nicht richtig erklären. Eigentlich sei die schon immer dagewesen, obwohl in seinem näheren Umfeld bis auf seinen Onkel niemand eine besondere Beziehung dazu hatte. Bevor er die italienische Küche für sich entdeckte, habe er vor allem türkische Gerichte zubereitet. Eine Berufslaufbahn als Koch habe er sich ebenfalls vorstellen können: „Aber nicht die Arbeitszeiten“, erzählt Bauer.
Im kommenden Februar absolviert er beim aktuellen Weltmeister im Pizzabacken Francesco Ialazzo einen Kurs. Und hofft, einiges zu lernen. „Ich bin ja trotzdem noch Anfänger“, begründet er die Entscheidung. Auch wenn seine Freunde das anders sehen würden. „Sie sagen, es schmeckt gut, was willst du denn noch besser machen?“ Aber man könne immer noch etwas lernen.
Auch wenn er seine eigenen Gerichte – egal ob italienisch oder türkisch – gerne selbst isst, kommt doch nichts an die schwäbische Küche ran: „Am liebsten habe ich Linsen mit Spätzle.“
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