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Zweite Chance für Cap-Markt

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Gemmingen - Eigentlich sollte der Cap-Markt der Aufbaugilde in Gemmingen kommende Woche für immer seine Pforten schließen. Fünf Jahre ging es auf und ab, doch den Betreibern zufolge spielte das Geschäft nicht einmal die Kosten wieder herein.

Von Stefanie Pfäffle
Anne Spampanato (links) fände es schade, nicht mehr bei Sabine Baschbach und ihren Kollegen im Gemminger Cap-Markt einkaufen zu können.Foto: Stefanie Pfäffle
Anne Spampanato (links) fände es schade, nicht mehr bei Sabine Baschbach und ihren Kollegen im Gemminger Cap-Markt einkaufen zu können.Foto: Stefanie Pfäffle

Gemmingen - Eigentlich sollte der Cap-Markt der Aufbaugilde in Gemmingen kommende Woche für immer seine Pforten schließen. Fünf Jahre ging es auf und ab, doch den Betreibern zufolge spielte das Geschäft nicht einmal die Kosten wieder herein. Bürgermeister Timo Wolf hat sich nun dafür stark gemacht, dass die Gemminger bis zum Jahresende selbst mit ihren Einkäufen entscheiden können, ob es das Geschäft weiter geben wird. "Der Cap-Markt hat eine wichtige Funktion bei uns im Ort", begründet der Rathauschef seinen Einsatz.

Vier im Kreis

Der Gemminger Cap-Markt war vor fünf Jahren der erste, der von der Aufbaugilde im Landkreis Heilbronn eröffnet worden war. Mittlerweile gibt es auch Ableger in Neckarsulm, Neckarwestheim und Abstatt. Hier wurden Arbeits- und Ausbildungsplätze für Behinderte und Benachteiligte geschaffen. "Allein deswegen ist es uns natürlich wichtig, den Standort zu erhalten", betont Reiner Knödler, Geschäftsführer der Heilbronner Aufbaugilde. Doch allein die nötigen Umsätze fehlen bisher. 20 Prozent Steigerung wären notwendig. Das heißt also: Jeder fünfte Kunde müsste noch jemanden mitbringen.

Doch warum setzt sich der Bürgermeister überhaupt für den Erhalt des Vollsortimenters ein? "Grundsätzlich sind wir vor Ort gut ausgestattet mit Netto, mehreren Bäckern und Metzger", erklärt Wolf. Doch der Cap-Markt liege eben sehr zentral, und vor allem die ältere Bevölkerung sei dankbar, zu Fuß auf kurzen Wegen einkaufen gehen zu können. Das Problem: Viele tun es trotzdem nicht, lassen sich ihre Lebensmittel von den Kindern mitbringen. "Die Bürger wissen den Cap-Markt und seine Angebote wie etwa die kostenlose Lieferung der Einkäufe ab einem Betrag von 20 Euro zu schätzen, kaufen aber trotzdem nicht unbedingt dort ein."

Jetzt sollten sie die Chance nutzen und ihr Kaufverhalten ändern. "Das ist eine einmalige Chance, wenn sich der Cap-Markt dort nicht halten kann, dann wird es auch kein anderer Lebensmittelanbieter können", meint Wolf. Reiner Knödler macht sich keine Illusionen, dass plötzlich ganz Gemmingen den Markt stürmt. "Aber es ist einfach notwendig, dass ein Teil der überörtlichen Einkäufe bei uns getätigt wird." Deswegen betont er, dass der Cap-Markt kein Tafelladen für Bedürftige ist: Das sei ein weit verbreiteter Irrtum. Es sei ein ganz normaler Vollsortimenter, vergleichbar mit einem Edeka Aktiv-Markt, mit Metzgerei und Backwarenladen.

Werbeaktion

 "Außerdem können wir preislich im Durchschnitt durchaus mithalten, wie eine Studie der Hochschule belegt", so Knödler weiter. Um sich erneut zu präsentieren, werden sich die acht Mitarbeiter und die Azubis am verkaufsoffenen Kerwesonntag am 24. Oktober mit Öffnung und Oktoberfest beteiligen. "Wir wollen uns aktiv darum bemühen, dass diese zweite Chance Erfolg hat."

Behinderte arbeiten mit

In Cap-Märkten arbeiten behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen. Dabei kommt es auch zu echten Erfolgsgeschichten wie die von Marktleiter Jochen Schöll. Der Bad Wimpfener kämpfte vor Jahren beim Arbeitsamt um ein Praktikum im Gemminger Cap-Markt und ist inzwischen zum Marktleiter aufgestiegen. „Das hätte ich niemals erwartet, dass so etwas passiert“, gibt er zu. In einem anderen Markt wäre das seiner Ansicht nach niemals möglich gewesen, selbst als normaler Mitarbeiter wäre es schwer, wie er aus Erfahrung weiß. spf

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