Zu Gast in der Zwitscherstube

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„Menschen, Paare, schräge Vögel“: Heiterer Abend mit Hanna Leybrand

Mit einem Abend voller „Menschen, Paare, schräger Vögel“ hat Hanna Leybrand im Bad Rappenauer Wasserschloss ihr Publikum begeistert.
          Foto: Karoline Beck
Mit einem Abend voller „Menschen, Paare, schräger Vögel“ hat Hanna Leybrand im Bad Rappenauer Wasserschloss ihr Publikum begeistert. Foto: Karoline Beck

bad Rappenau Einfach köstlich war der musikalische Leseabend mit Hanna Leybrand im Wasserschloss, der im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Kunstausstellung des Malers Gereon Schatten stattfand.

Der Abend nach dem Motto „Menschen, Paare, schräge Vögel“ lies schon ein wenig erahnen, worum es ging. Heitere Kurzweil versprach er, die das Publikum bekam und in vollen Zügen genoss. Beim letzten Stück durfte es sogar Tränen lachen und dankte dafür mit viel Applaus.

Die Heidelberger Schriftstellerin las aus zwei ihrer zahlreichen Werke -aus dem im vergangenen Jahr erschienen Buch „Der Chaosforscher“ und dem jüngst auf der Buchmesse vorgestellten Buch „Der Schwarzwaldschamane“. Dabei ließ sie sich trefflich von dem Bad Rappenauer Gitarristen Dieter Kowalski mit lateinamerikanischen Klängen begleiten. Mit seinem einfühlsamen Spiel gelang es ihm, eine akustische Kulisse für die fassettenreichen Kurzgeschichten zu schaffen.

Und bei denen ging es um ganz normale Menschen - allerdings mit anderen Augen betrachtet. Weil sie von der Autorin minutiös beobachtet und aufs Genaueste beschrieben sind, erlebten die Zuhörer die heiteren und romantischen Geschichten wie in einem Schauspiel mit. Gespannt lauschten sie ihren Geschichten: etwa über die mit einer Leiche, die sich als doch nicht so tot präsentierte. Amüsant sind ihre Beschreibungen in der „Zwitscherstube“, in der sie dem Volk ganz genau auf den Mund schaut und amüsant verpackt wiedergibt.

In einer anderen Geschichte beschreibt Hanna Leybrand die romantischen Fantasien einer Lehrerin während der Abituraufsicht, die statt zu lesen - wie sie es sich vorgenommen hatte - lieber einen hübschen Schüler betrachtet und sich dabei viele verwegene Dinge vorstellt.

Locker plaudert die Autorin in ihren Geschichten drauf los und lüftet dabei so manches Geheimnis. Berichte über die Vorzüge der Hildegard-Medizin einschließlich den Erfahrungen mit der Edelsteinkunde und dem haarsträubenden Aufenthalt in einer Naturheilklinik zum Zwecke eines Aderlasses. Witzig erzählte die gebürtige Passauerin im Wasserschloss in ihrem Dialekt vom Weißwurstfrühstück in einem Münchner Wirtshaus mit dem hannoveranischen Ehemann, der von bayerischer Lebensart absolut nichts versteht.

Die ganze Lesung hindurch stand die Künstlerin ohne Pult -- an dem man sich wenigstens gelegentlich hätte festhalten könnten - vor dem Publikum. „Ach wissen Sie, dass kommt bei mir vom Singen“, erzählte sie. Da stehe man auch nur so da.

Opernsängerin und Schauspielerin ist sie auch noch und hat zudem Philosophie, Romanistik und Latein studiert. Zurzeit hat sie sich mehr aufs Schreiben verlegt. „Ich bin eine Caféhaus-Schreiberin“, gestand sie. Dort hält sie sich gern auf, beobachtet die Menschen und bringt so manches Gesehene und Gehörte in ihre Kurzgeschichten ein. Lebenssituationen aus einer für den Leser bisher nicht bedachten Sicht, beschreibt sie. Aber nie langweilige, sondern auf höchst unterhaltsame satirische Weise.

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