Wanderung durch das Dunkel der Nacht
Katholiken gestalten die Liturgische Nacht erstmals anders − Junge Menschen pilgern nach Adelshofen

Gemeinsam haben sie den Gottesdienst an Gründonnerstag in der katholischen Stadtkirche "Unsere liebe Frau" in Eppingen besucht. Anschließend ging eine Gruppe von jungen Leuten hinüber ins Josefshaus, wo mit einem Gedächtnismahl an die Geschehnisse vor rund 2000 Jahren erinnert wurde.
Schneidersitz Die jungen Gemeindemitglieder und Ministranten saßen im Schneidersitz auf dem Boden, aßen Obst und Gemüse, tranken Traubensaft, blickten auf die hell brennende Osterkerze in der Raummitte und sangen mit Diakon Peter-Michael Jahn Lieder wie "Durch das Dunkel hindurch". Dazu passend machte sich die kleine Gruppe katholischer Gläubiger anschließend auf zu einer Wanderung.
Vor dem Josefshaus wurden der Gang zum Ölberg aus dem Matthäusevangelium vorgelesen und das Lied "Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht" gesungen − ein Lied, das die jungen Katholiken den ganzen Abend über begleiten sollte. "Brechen wir auf", sagte Diakon Jahn dann schlicht. Und durch die dämmrigen Straßen Eppingens wanderte die Gruppe hinaus ins zunehmende Dunkel. Nach den Regenfällen am Mittag wartete ein sternklarer Himmel auf die Pilgerschar. Zum ersten Mal in der Geschichte der liturgischen Nächte gab es diese Wanderung. Die Idee war irgendwann im vergangenen Jahr während einer Teamsitzung aufgekommen.
Wort Nun hatten sich die Planer um Diakon Jahn und die beiden Ministranten Simon Ebert und Fabian Knies eine ausgesucht schöne Strecke über ruhige Feldwege nach Adelshofen ausgesucht. Nachdem die letzten Häuser und Straßenlaternen passiert waren, machte die Gruppe Halt an einer ersten Station. Dort wurde von den biblischen Ereignissen im Garten Gethsemane berichtet und ein Text von Jörg Zink gelesen. Das Lied von Gottes Wort wurde gesungen. Weiter liefen die Pilger, das letzte Abendglühen vor, das nächtliche Eppingen hinter sich.
Der Gedanke, der hinter der Nachtwanderung stecke, sei einfach, sich an den verschiedenen Stationen mit Verurteilung und Tod Jesu auseinanderzusetzen, erklärt Ministrant Fabian Knies. Das Erlebnis dabei sei einfach intensiver und eine Alternative zum ruhigen Gebet daheim. Auch Diakon Peter-Michael Jahn meinte, die liturgischen Nächte und insbesondere die Wanderung durch die Nacht mit ihren Stationen biete "ganz andere Zugangswege" zum Ostergeschehen. Der Gläubige könne so eine "sehr persönliche Beziehung" zu den biblischen Evangelientexten aufbauen.
Als die Gruppe gegen 22 Uhr in Adelshofen eintraf war das letzte Licht am Himmel verloschen. Dafür zogen die Planer nun Fackeln hervor und erleuchteten den Platz vor der dortigen Kirche, wo ein Labyrinth der nächtlichen Pilger harrte.
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