Vom Dachboden in die Museumsvitrine
Die Heimatfreunde bauen die Ausstellung zur Ortsgeschichte um und aus

Der große Erfolg ihrer Ausstellung über die Geschichte der Vertreibung hat die Natur- und Heimatfreunde beflügelt: Mit großem Arbeitseinsatz verpassen sie derzeit der Ausstellung zur Ortsgeschichte im Bürgerhaus ein neues Gesicht, restaurieren zusätzliche Ausstellungsstücke aus dem Fundus und gestalten die Räume nach Themenschwerpunkten.
Mit verträumtem Blick steht Emil Lüdecke inmitten von alten Gerätschaften, Werkzeugen und Erinnerungsstücken auf dem Bürgerhaus-Dachboden. „Wissen Sie, was das ist?“, fragt er und wiegt ein unscheinbares Holzgestell in der Hand. „Darauf hat man früher bei den Ortsfesten die Sitzbretter gelegt“, erklärt der Vorsitzende der Heimatfreunde und schmunzelt, „und wenn es mal Streit gab, sind sie mit den Holzständern aufeinander los gegangen.“ Solche Gegenstände, mit denen sich Anekdoten und Erinnerungen verbinden, hat Lüdecke über Jahrzehnte zusammengetragen. Steinhauer-Werkzeuge, alte Getreidesäcke, Schilder, landwirtschaftliche Utensilien. „Das muss man dokumentieren“, findet auch Johann Holzmann. „Sonst geht das Wissen irgendwann verloren.“
Er gehört wie Helmut und Friedlinde Merz zur kleinen Gruppe der fünf, sechs Vereinsmitglieder, die gerade jede freie Minute im Bürgerhaus verbringen. Die Idee, das kleine Heimatmuseum umzugestalten, kam den Sulzfeldern nach dem großen Erfolg ihrer Ausstellung „60 Jahre Integration und Vertreibung“, die vergangenes Jahr mehr als 2200 Besucher angelockt hatte. Viele wollten mehr über die Geschichte der Weinbaugemeinde erfahren. „Da haben wir uns überlegt, dass wir weitere Stücke aus dem Speicher in die Ausstellung integrieren wollen“, so Lüdecke.
Akribisch restaurieren die Heimatfreunde die Exponate. Ein Herd aus den 50er-Jahren hat schon den Weg vom Dachboden in die Museumsräume gefunden, Holzmann und Merz verpassen derzeit einer historischen Werkbank neuen Schliff.
Die Räume werden nach thematischen Schwerpunkten geordnet. In der Heimatstube der Alt- und Neubürger finden Trachten, Karten und Erinnerungsstücke aus der Vertreibungsausstellung eine dauerhafte Heimat. Ein Zimmer ist der Partnergemeinde Avize, dem Steinhauerhandwerk und dem Weinbau gewidmet. Die Eisenbahngeschichte bekommt einen eigenen Platz. Die Sulzfelder Schule, alte Berufe und alte Werkzeuge sind ein weiterer Schwerpunkt. Weil die Bücherei vom Bürgerhaus in die Kronenstraße umzieht, gewinnt das Museum weitere Ausstellungsfläche in einem bislang vom Kulturkreis genutzten Raum hinzu.
Bis zur Eröffnung wird es wohl noch dauern - „wahrscheinlich bis nächstes Jahr“, erwartet Holzmann. Die Heimatfreunde suchen sogar noch weitere Exponate. Wer Trachten, Literatur und andere Gegenstände aus den Vertreibungsgebieten oder auch Schaufensterpuppen für die Ausstellung erübrigen kann, meldet sich unter 07269 / 589.
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