Volksbank Kraichgau hält an Adelshofener Filialschließung fest
Nachdem Bürger des Eppinger Ortsteils Adelshofen hundert Unterschriften gegen die angekündigte Schließung ihrer Volksbank-Filiale gesammelt hatten, beriet der Vorstand den Schritt erneut - mir abschlägigem Ergebnis.

Die Volksbank Kraichgau hält an ihrem Vorhaben fest, die Filiale Adelshofen zum Monatsende zu schließen. Das bekräftigt der stellvertretende Vorstandssprecher Thomas Geier auf Anfrage. Der Vorstand habe am Mittwoch nochmals über die Schließung der Filiale in dem Eppinger Stadtteil gesprochen.
Protestaktion am Dienstagabend
Dienstagabend hatte es eine Protestaktion Adelshofener Bürger vor der Filiale gegeben. Genau 100 Unterschriften gegen den Schritt des Kreditinstituts konnte der Initiator der Protestaktion Hans-Gerd Hockenberger dabei in Empfang nehmen. Der Adelshofener zeigt sich nach der abermaligen Absage des Volksbank-Managements enttäuscht. Der 65-Jährige, der sich als ehrenamtlicher Rentenberater im VDK für die Belange Älterer engagiert, bedauert, dass die Bank seiner Ansicht nach nicht ausreichend auf die Bürger im Ort eingehe: "Das ist kein partnerschaftliches Verhalten und keine Beziehung auf Augenhöhe."
Viele Ältere seien Anteilseigner der Bank und daher mit der genossenschaftlich organisierten Institution im Ort fest verwurzelt. Hockenberger erinnert an die soziale Verantwortung der Sozialreformer Friedrich Wilhelm Heinrich Raiffeisen (1818 bis 1888) und Hermann Schulze-Delitzsch (1808 bis 1883): Beide gelten als Vorreiter der Volks- und Raiffeisenbanken.
Das Kreditinstitut erklärt die bevorstehende Schließung der Filiale mit dem Rückgang der Laufkundschaft. Nur noch 60 Haushalte würden das Angebot vor Ort regelmäßig nutzen. Pro Öffnungstag kämen im Durchschnitt nur noch acht bis zehn Personen in die Filiale.
Wie das Kreditinstitut die Schließung kompensieren will
Um die Schließung zu kompensieren, weitet die Volksbank ihr Serviceangebot aus. So können laut Vorstandsmitglied Geier künftig bestimmte Bankgeschäfte entweder gleich telefonisch erledigt oder terminlich vereinbart werden. Dies betrifft zum Beispiel Bargeld-Zustellungen binnen 48 Stunden, Überweisungen und Einzahlungen haushaltsüblicher Bargeldbeträge. "Die Großmutter kann beim Hausbesuch unseres Mitarbeiters wie gewohnt persönlich Bargeld auf das Sparbuch der Enkel einzahlen", nennt der stellvertretende Vorstandssprecher ein Beispiel. Eine Mitarbeiterin bleibe bis auf Weiteres als Ansprechpartnerin vor Ort. Mit ihr können Termine vereinbart werden, teilt Geier mit.
Von Verständnis bis Bedauern
Die Meinungen zur Zukunft der Volksbank-Filiale gehen in Adelshofen auseinander. Lisa Herrmann ist als Sparkassenkundin nicht betroffen. Ohnehin erledigt die 30-Jährige ihre Bankgeschäfte meistes online. "Wenn es sich für die Bank nicht mehr lohnt...", zeigt sie sogar Verständnis für die Filialschließung. Für die Leute im Ort tue es ihr dennoch leid.
Sonita Morinaj besucht ihre Filiale gelegentlich zum Geldabheben. "Ich halte dann immer ein wenig Small Talk mit den Bankangestellten", erzählt die 24-Jährige. "Jetzt werde ich wohl Online-Banking beantragen." Smajl Gavranaj ist seit 25 Jahren Volksbankkunde und lebt seit 15 Jahren in Adelshofen. Zur nächsten Filiale kommt der 50-Jährige recht problemlos mit dem Auto. "Aber was wird später im Alter werden?" Elsa Schäfer spaziert mit ihrem Rollator trotz des Regens die Dorfstraße entlang. Sie passiert die Volksbankfiliale, geht weiter zur Bäckerei Deusch. Dort wirft sie einen Brief in den Postkasten. Wenig später kehrt sie zur Bankfiliale zurück. "Ich war schon als Kind bei der Volksbank", erzählt die 86-Jährige, während sie sich unter das Dach der Haltestelle stellt. An ein anderes Kreditinstitut zu wechseln kam für sie nie in Frage. "Das Personal ist immer freundlich." Die Adelshofener Filiale besucht sie gerne, um Bankgeschäfte persönlich abzuwickeln. So zahle sie regelmäßig Beträge auf die Sparkonten ihrer Enkel ein. "Wenn es mit Rechnungen etwas zu klären gibt, mache ich das auch hier." Künftig werde sie wohl öfter mit dem Bus nach Eppingen fahren müssen, bedauert die Seniorin.
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