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Totenblume als Heilpflanze des Jahres

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Ob Grabschmuck, Färbekraut oder Wetterprophet: Ringelblume ist viel geschätzt

Von Siegfried Joneleit

Kraichgau - Die Ringelblume (Calendula officinalis L.) aus der großen Familie der Korbblütler stammt aus dem Mittelmeerraum und dem Orient. Doch hat sie sich, seit sie vorzeiten über die Alpen einwanderte, dem kälteren nördlichen Klima angepasst. Nicht zuletzt ist sie deswegen eine so beliebte Gartenblume geworden, weil ihre orangefarbenen und gelben Blüten ausdauernd von Mai bis manchmal in den November hinein blühen. Und wegen ihrer langen Blütezeit wurde sie gern auf Gräber gepflanzt. Totenblume nannten sie unsere Altvorderen darum. Der NHV Theophrastus – ein Verein, dessen Hauptanliegen die Förderung traditioneller Naturheilkunde ist – hat sie kürzlich zur Heilpflanze des Jahres gekürt.

Schönheit und Nutzen Die gelehrte Kloster- und Kräuterfrau Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) beschreibt in ihren Traktaten zur Natur- und Heilkunde die Ringelblume als eine Pflanze, die Schönheit und Nutzen auf vollkommene Weise vereinige. Ringula nannte sie die heilige Nonne. Und die Badener machten daraus das liebliche Ringele. Der Altmeister der Botanik, Hieronymus Bock (1498 bis 1554) erklärt 1539 im „Kreütterbuch“ den bildkräftigen Namen damit, dass er auf die ringelig gekrümmten Samen zurückzuführen sei.

Den Farbstoff der Strahlenblüten nutzten unsere Vorfahren zum Gelbfärben der Butter und mancherorts auch der Laugenbrezeln. Dieser Einsatz in der Backstube trug der Ringelblume im Bauland und in Schwaben die Namen Beckeblume und Beckeringele ein. Becke steht hierbei für Bäck oder Bäcker. Üblicherweise nahm man freilich Safran oder Arnikablüten zum Gelbfärben. Gewitzte Händler streckten diese teueren Gewürze bisweilen mit den billigeren getrockneten Strahlenblüten der Ringelblume. Mancherorts glaubte man, dass sich an der Ringelblume sogar das Wetter vorhersehen lasse.

Hausmittel Die Ringelblume war mehr als Grabschmuck, Färbekraut und Wetterprophet. Schon im zwölften Jahrhundert schätzte sie die heilige Hildegard von Bingen als wertvolle Heilpflanze. Sie fehlte in keinem Bauerngarten und lieferte durch die Jahrhunderte wirksame naturmedizinische Hausmittel. Bei äußeren Verletzungen hatte die Bäuerin schnell einen Tiegel Ringelblumensalbe zur Hand. Diese wirkte schmerzstillend, desinfizierend sowie entzündungshemmend und förderte die Heilung selbst großflächiger Wunden. Wo so viel Heilkraft war, stellte sich der Aberglauben ein: Frauen, die nicht schwanger wurden, sollten einen Sud aus Ringelblumen, Echter Hauswurz und Schlangenbalgpulver trinken.

Den Farbstoff nutzten Vorfahren zum Gelbfärben der Butter.Foto: dpa
Den Farbstoff nutzten Vorfahren zum Gelbfärben der Butter.Foto: dpa  Foto: Z1000 NHV Theophrastus (dpa)
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