Staunen über Männer in tollkühnen Kisten
Showtag beim Flugsportring Kraichgau in Sinsheim

Von Marc Schmerbeck
Die Zuschauer legen die Köpfe in den Nacken. Ihre Blicke richten sich in den blauen Himmel. Dort drehen Walter und Toni Eichhorn ihre Runden. Vater und Sohn fliegen mit zwei North American T6. Sie drehen Rollen, Loopings und zeigen waghalsige Manöver.
Fasziniert werden die Flieger von „Ahh“ und „Ohh“ begleitet. Später zeigen Fallschirmspringer und Segelflieger ihre Kunst. Zum fünften Mal veranstaltet der Flugsportring vergangenes Wochenende den Tag in dieser Art im Wiesental. Bereits das 20. Mal ist es, wenn man die früheren Veranstaltungen während des Fohlenmarktes mitzählt.
Pilot Juri Eichwald kümmert sich mit seiner Antonov um die Zuschauer. Bei ihm kann ein 15-minütiger Rundflug gebucht werden. Bis 1996 flog er in Nordrussland. „Da gab es kaum Infrastruktur. Meine Antonov war praktisch ein Bus. Ich habe zum Teil Omas zum Kaffeetrinken zu einer Freundin geflogen. Zehn Minuten in den nächsten Ort haben zwei Rubel gekostet.“ Mittlerweile gebe es diese Dienste kaum noch. Sie sind zu teuer geworden.
Jetzt fliegt Eichwald hauptberuflich für Hapag-Loyd Manager in kleinen Privatjets durch die Gegend. „Nach seinem Amtsende hatte ich auch zweimal Gerhard Schröder an Bord“, erzählt er. Zum Spaß fliegt er für die Airline Classic Wings die Antonov auf Flugshows. Mit 1000 PS ist sie der größte Doppeldecker, der jemals gebaut wurde.
„Außer Kunstflug kann man mit der Maschine alles machen“, sagt Eichwald. „Fracht transportieren oder Menschen, aber es gibt auch Flugzeuge, die Fallschirme nach oben bringen, oder so genannte Smoke Jumpers zu Waldbränden.“
Die Hauptattraktion sind die Kunstflieger. Einer davon ist Thomas Neudel, der auch das Programm organisiert hat. Sie drehen Rollen, fliegen Loopings oder zeigen Kunststücke. Bei den Flugzeugen dominieren die russischen YAKs. „Sie sind robust, sehr zuverlässig und relativ preiswert“, erklärt Neudel. Eine Flugstunde damit kostet allerdings trotzdem rund 400 bis 600 Euro, wenn man genau rechnet. Rund 70 bis 90 Liter Superbenzin in der Stunde verbraucht eine Maschine beim Kunstflug. „Die Geschwindigkeit kann dabei bis zu 420 Kilometer pro Stunde betragen“, sagt Neudel. „Die 17 Piloten, die am Programm teilnehmen, sind alles Freunde und Bekannte, die nicht so genau rechnen, sonst könnten wir den Tag nicht finanzieren.“
Für den Verein Flugsportring Kraichgau in Sinsheim ist der Tag einfach gute Werbung. „Wir wollen uns der Öffentlichkeit präsentieren“, sagt Michael Grubbe, Pressesprecher des Vereins. „Wir wollen zeigen, was alles möglich ist. Außerdem soll etwas Geld in die Kasse kommen.“ Zudem sei die Veranstaltung eine willkommene Abwechslung, denn sonst ist der Platz im Wiesental nur für den Segelflugbetrieb zugelassen.
Mit 14 Jahren kann man in Sinsheim mit dem Segelfliegen beginnen. Nach rund 40 bis 60 Starts in einem Doppeldecker mit dem Fluglehrer kann der Neuling meist alleine fliegen. Unter Beobachtung natürlich. Doch bis die Tricks der Kunstflieger beherrscht werden, ist es ein weiter Weg.
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