Stadt sagt ihr eigenes Neujahrsfeuerwerk ab
Eppingen - In Eppingens Innenstadt muss an Silvester die Lunte kaltbleiben. Böller und Raketen sind im historischen Stadtkern tabu, seit ein Bundesgesetz Feuerwerk in der Nähe von Fachwerkhäusern verbietet.

Eppingen - In Eppingens Innenstadt muss an Silvester die Lunte kaltbleiben. Böller und Raketen sind im historischen Stadtkern tabu, seit ein Bundesgesetz Feuerwerk in der Nähe von Fachwerkhäusern verbietet. Die Stadt hat reagiert und ihr eigenes, für den Neujahrstag vorgesehenes Feuerwerk abgesagt. Die Reaktionen auf den Böller-Bann sind unterschiedlich. Knackpunkt dürfte die schwierige Kontrolle sein.
Angst vor Brand
"Ich finde es gut, dass in der Altstadt nicht mehr geschossen werden darf", war die spontane Reaktion von Barbara Meixner nach der Lektüre der gestrigen Ausgabe der Kraichgau Stimme. Kurz bevor die Uhr zum neuen Jahr schlägt, gehe sie immer heim, aus Angst, ihr Haus könne in Brand gesteckt werden. Einmal sei ein Böller in einem Rollladen stecken geblieben und habe ein Loch hinein gebrannt. Auf dem Flachdach hinterm Haus sammele sie regelmäßig zehn bis 15 Raketen zusammen. Wegen der Enge der Altstadt sei "das schon gefährlich", sagt sie. Und freut sich deshalb über das Verbot, das der Bundesgesetzgeber für die "unmittelbare Nähe von Reet- und Fachwerkhäusern" verfügt hat.
Schutz oder Schikane?
"Ganz klar ein Schutz", betont Heidi Jungbauer. Für die Eppingerin "ist es höchste Zeit, dass man da etwas macht". Auch für Passanten sei es in der Stadt in der Neujahrsnacht gefährlich. Bedroht hat sich Andreas Springer an Silvester bislang nicht gefühlt. Er ist Wirt der Alten Ratsschänke, die in einem Fachwerkhaus untergebracht ist. "Geknallt wird weniger in der Altstadt, sondern am Marktplatz." Auch dort untersagt das Gesetz in diesem Jahr das Raketenspektakel. Das Feuerwerk, das die Stadt traditionell nach der Ansprache des Oberbürgermeisters am 1. Januar zündet, fällt aus. Unter den Stadträten überwiegt die Skepsis. "Es wird schwer, das auf dem Marktplatz zu verbieten", meint Margarete Lang von der CDU: "Generell ist das aber in Ordnung, wenn das gefährlich ist."
Knackpunkt Kontrolle
Was nützt ein Gesetz, das kaum kontrollierbar sei, fragt Hartmut Kächele. Brandgefahr berge jede enge Bebauung. Als Hinweis auf die potenzielle Gefahr durch Böller sei die Vorschrift aber in Ordnung, so Kächele. Zwiegespalten ist Peter Wieser. Das Feuerwerk am Markt habe Tradition, so der Grünen-Stadtrat: "Aber es ist doch Wahnsinn, wie viel Geld die Leute für Knaller ausgeben." Erleichtert ist Friedhelm Ebert, Freie-Wähler-Stadtrat und Ortsvorsteher in Kleingartach. Im Stadtteil gibt es einige Fachwerkhäuser. "Da war mir schon jahrelang nicht wohl an Silvester", sieht Ebert den Brandschutz verbessert.
Stimme.de
Kommentare
am 02.12.2009 22:37 Uhr
glaube kaum das in kleingartach nachts um 0 uhr das ordnungsamt, oder wer auch immer kontrolliert. von daher ist auch kein brandschutz verbessert. diejenigen die solche vorschriften erlassen, sollten sich lieber mal gedanken über die kontrollierbarkeit einer solchen machen. diese vorschrift kann nie und nimmer kontrolliert werden. das die stadt mit gutem beispiel voraus geht ist das mindeste. ich denk es werden sich trotzdem nicht viele dran halten. muß es denn für alles erst ne vorschrift geben, damit die leute merken das etwas gefährlich ist? leider scheint es so zu sein.