Sprüche
Wer in besonderen Situationen des Alltags ein passendes Sprichwort bereit hat, ist auf
Wer in besonderen Situationen des Alltags ein passendes Sprichwort bereit hat, ist auf der sicheren Seite. Sprichwörter sind nämlich voll geballter Lebenserfahrung und unanfechtbarer Kompetenz, sagt der Volksmund. Und auf den Menschen, der sie gebraucht, könne man sich verlassen: „Aller Anfang ist schwer.“ – „Was du auch tust, tu es mit Bedacht und bedenke das Ende!“ – „Ein guter Schluss ziert alles.“ Niemand kann ernsthaft Einwendungen gegen die Gelassenheit und Lebensweisheit solch uralter Ratgeber vorbringen.
Manchmal aber gesellen sich zu diesen weise formulierten Texten andere prägnante Sprüche. Auch ihre Sprache ist volkstümlich und klug ihr Inhalt. Und dennoch sind sie nicht aufgenommen in den Kanon der Sprichwörter: „Unter jedem Dach ein Ach.“ – „Durst ist schlimmer als Heimweh.“ – „Lieber fingerlang gehandelt als armslang gearbeitet.“ – „Wie kommt es, dass am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig bleibt?“– „Die beste Krankheit taugt nichts.“ – „Die Wahrheit kann manchmal eine Keule sein, mit der man andere erschlägt.“ – „Wer mit der Hoffnung reist, hat die Armut als Kutscher.“
So hat man die Wahl zwischen Sprichwörtern und Sprüchen, denen bisher die Erhebung in den Adelsstand sprichwörtlicher Weisheiten versagt blieb. Und Zeit genug, über den Unterschied zwischen den beiden Kategorien nachzudenken. Wenn man denn Wert drauf legt. Oder genügt die Weisheit, die sie bieten?
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