Sensen schleifen? Da schütteln Experten den Kopf
Der Sulzfelder Obst- und Gartenbauverein hat am Wochenende interessierte Besucher seines Sommerfests Sensen dengeln lassen
Klang, klang, klang. Seit fünf Minuten sitzt der Mühlbacher Klaus Sachsenheimer im Sulzfelder Obst- und Gartenbauverein und schlägt mit einem Hammer auf seine Sense. Bei jedem Schlag dröhnt der Stahl in den Ohren. Sachsenheimer dengelt seine Sense beim Sommerfest des 150 Mitglieder großen Vereins um den ersten Vorsitzenden Werner Rößler, denn der zeigt neben Schnitt- und Veredelungskursen mit Andreas Ochs beziehungsweise Hans Leonhardt, wie Sensen zu schärfen sind - mit August Schneider.Der 59-jährige Klaus Sachsenheimer zieht das Sensenblatt Millimeter für Millimeter über einen Amboss. Er schaut auf das Werkzeug. "Die Sense ist noch nicht fertig." Zu viele Jahre habe er sie nicht bearbeitet, gibt er zu. Doch regelmäßiges Dengeln sei wichtig, erklärt der 83 Jahre alte August Schneider, der immer noch Wiesen mäht und im Frühjahr bis zu 20 Sensen vorbereitet. "Sensen schleifen ist falsch", erklärt er. Denn dabei nehme man Material weg, die Sense wird mit jedem Schleifen schmaler. Anders beim Dengeln: Mit den Schlägen auf die Schnittkante wird das Material ausgetrieben. Anschließend müsse er noch die Sense wetzen, schon ist sie scharf.Schneider hält die Schnittseite ein paar Millimeter über den kleinen Amboss. "Nicht aufliegen lassen", erklärt er dem Kreis der Interessierten. Denn sonst könnte er Wellen in die Schneidefläche schlagen. Wichtig sei außerdem, die Sense von hinten nach vorne durchzuarbeiten, sagt der 83-Jährige, der auf die Sense haut, dann wieder stoppt, zu seinen Zuschauern blickt und über die Sense streicht, bevor er wieder zum Hammer greift.Und dabei gilt: Den Hammer nicht festhalten, sondern locker in der Hand schwingen lassen, erklärt Schneider, der sich für das Schneidgerät Zeit nimmt. Mindestens eine halbe Stunde und 3000 Schläge seien nötig. "Dann ist eine Sense richtig gedengelt."Auch Eugen Scheffel aus Sulzfeld setzt sich für ein paar Minuten an eine Sense. Er hat zwar schon einmal Sensen bearbeitet, ihn interessiert die Schau trotzdem. Um zu sehen, wie so etwas zu machen sei, sagt er. Mit eigenen Sensen angerückt ist der Eppinger Roland Pisot. Der besitzt eine acht Ar große Obstbaumwiese, und die mäht er mit der Sense. "Ich will gar nicht mit einem Mäher drüber fahren." Der sei laut. Außerdem könnten beim Sensen Tiere wie Frösche, Blindschleichen überleben. "Ich betreib' Naturschutz".Klaus Sachsenheimer aus Mühlbach weiß, dass er seine Sense noch nicht lang genug gedengelt hat. "Die muss durchs Gras gehen wie durch Butter." Noch sei sie nicht scharf genug. "Es kann sein, dass ich daheim weitermache."
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