Sammetärmel und Doobel von Bad Wimpfen

  
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Den Ratsherren verdanken die Wimpfener einen ihrer Spitznamen - Zeuge alter und längst vergangener Herrlichkeit

Von Siegfried Joneleit

Die Kelten waren die Namensgeber von Neckar, Kocher, Jagst und Wimpfen. Deren Name bedeutet so viel wie "von einem Wall umgebener Berg". Also müsste hier an der Grenze zwischen Kraichgau und Neckarsenke eine keltische Fliehburg gestanden haben.Vom 14. bis zum 19. Jahrhundert war Wimpfen Freie Reichsstadt, deren Bürger bereits im Mittelalter gegen den Adel eine Ratsverfassung mit zwei Bürgermeistern und einem Stadtgericht durchsetzten. Und diesen Ratsherren verdanken die Wimpfener einen ihrer Spitznamen: Sammetärmel.Dr. Othmar Melsinger, einer der Altmeister der Kraichgauer Volkskunde, schrieb dazu 1906: "In harten Kriegsjahren wurde die Stadt so sehr mitgenommen, dass selbst der hohe Rat die samtenen Ratsgewänder verkaufen musste. Nur ein Paar Samtärmel blieb als Zeuge alter Herrlichkeit. Als nun ein großes Fest stattfand und der Rat sich den Bürgern zeigen sollte, zog einer nach dem andern die Ärmel an und erschien am Rathausfenster."Dies ist auch eine Wandergeschichte, die abgewandelt in manch anderem Reichsstädtchen Fuß fasste: Stets geht es darum, Überlegenheit vorzugaukeln, obwohl den Betroffenen das Wasser bis zum Hals steht. Gar nicht schmeichelhaft ist die Bezeichnung Wimpfener Doobel, was so viel wie einfältiger Mensch oder Tölpel bedeutet. Ab und zu hört man auch den Necknamen Wimpfener Saache. Damit wird Bezug genommen auf eine Aussprachsbesonderheit: In Wimpfen sagt man zu Magen Maache, zu sagen saache.

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