Rübenverkehr sorgte für reges Leben auf der Schiene

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Auf dem Eppinger Bahnhof stand die größte und modernste Verladestation in Baden-Württemberg - Täglich wurden 22 Güterwaggons gefüllt

Von Ulrich Merz
 Foto: az

Auf den meisten Stationen der Kraichgaubahn sorgte der Rübenverkehr während der Kampagne von Oktober bis Weihnachten für reges Leben. In Eppingen wurden die Feldfrüchte in den ersten Jahren mit der Hand an verschiedenen Stellen oberhalb der Güterhalle verladen. Mindestens einen halben Tag benötigte ein kräftiger Arbeiter, um einen Eisenbahnwaggon mit Rüben zu füllen.

Nachdem sich der Anbau in Eppingen und Umgebung in den folgenden Jahrzehnten immer mehr verstärkte, gründeten 1955 insgesamt 33 Landwirte aus Eppingen, Adelshofen, Mühlbach, Rohrbach und Stebbach eine Zuckerrübenverladegenossenschaft. Die mühselige Handarbeit mit der Rübengabel war damit passé. Ein vollautomatisches Verladegerät wurde in Betrieb genommen. Die Anlage füllte täglich 22 Eisenbahnwaggons. In einem Güterwagen hatte die Ladung von sechs Traktorenanhängern Platz.

In den ersten Betriebsjahren kamen pro Kampagne etwa 650 Eisenbahnwaggons zusammen, ab den siebziger Jahren sogar weit über 1100. Mit einer neuen Anlage neben der Eisenbahnstraße wurde 1975 die Verladung auf Ein-Mann-Betrieb umgestellt. Eppingen war damals die größte und modernste Zuckerrübenstation in Baden-Württemberg. Von 1955 bis 1992 wurden in der Fachwerkstadt rund 27 000 Waggons verladen. Waren es 1965 noch 255 Anbauer, die etwa 210 000 Doppelzentner Rüben erzeugten, brachten es 1993 noch 80 Landwirte auf rund 300 000 Doppelzentner. Ziel der Güterzüge war vornehmlich das Werk der Süddeutschen Zucker-Aktiengesellschaft in Waghäusel.

Zu Beginn der achtziger Jahre setzte ein Trend zur Umstellung des Rübentransports auf Lastwagen ein. Innerhalb weniger Jahre verlor die Bundesbahn einen Großteil dieses Frachtaufkommens. Bei den Landwirten führte der Druck zu wirtschaftlichem Handeln zu immer größeren Einheiten, die den Einsatz modernster Rodegeräte und eine Rübenverladung direkt am Feldrand ermöglichten. Ein besser ausgebautes Wegenetz begünstigte den Einsatz großer Fahrzeuge, die den zeitaufwändigen Transport zum Bahnhof gegenstandslos machten. Auch die Zuckerindustrie war für die Feldrandabholung. Ihre Argumente: weniger Kosten und Schmutzanteile, günstigere Tarife, kürzere Transportstrecken und ein niedrigerer Personalaufwand.

Die Bundesbahn sah den Rübenzugverkehr als unwirtschaftlich an. Das dreimonatige Saisongeschäft erforderte zusätzliche Mitarbeiter, Lokomotiven und Waggons, die in der übrigen Zeit nicht benötigt wurden. Mit der Kampagne 1993 endete in Eppingen die Bahnverladung. Alle politischen Bemühungen, die Verlagerung auf die Straße aufzuhalten, waren letztlich vergebens.

Das Ende einer langen Ära: Einer der letzten Zuckerrübentransporte auf der Schiene verlässt im Herbst 1993 Eppingen.
Das Ende einer langen Ära: Einer der letzten Zuckerrübentransporte auf der Schiene verlässt im Herbst 1993 Eppingen.  Foto: Von Ulrich Merz
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