Quatschen, Skaten, Filme schauen
Sulzfeld - Junge Leute diskutieren bei Forum, wie die Gemeinde für sie attraktiver werden kann. Bei einer vorherigen Onlineabstimmung konnten Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren ihren Heimatort im Internet bewerten und Wünsche formulieren.

Sulzfeld - "Wir brauchen einen Platz, an dem man auch im Winter zusammen rumhängen kann, quatschen oder Billard spielen." Der 16-jährige Tolunay Demiral wirft Kumpel Marvin Kögel vielsagende Blicke zu. "Im Sommer haben wir den Skateplatz, aber jetzt ist es da zu kalt", ergänzt der. "Und da liegen immer so viele Scherben rum." Kaum haben die Jungs ihr Anliegen vorgetragen, fliegen auch ein paar Tische weiter Hände für Wortmeldungen in die Höhe. Die rund 40 jungen Leute, die zum Jugendforum ins Feuerwehrgerätehaus gekommen sind, zeigen sich nicht verlegen um Ideen, wie man Sulzfeld für Kinder und Jugendliche noch attraktiver gestalten könnte.
Onlineabstimmung
"Ich finde es super, dass wir mal alles sagen können, was uns auf dem Herzen liegt", sagt der 15-jährige Marvin. Von seinen Lehrern an der Hauptschule hat er von der Aktion der Gemeinde erfahren, bei der junge Leute zwischen zehn und 20 Jahren ihren Heimatort im Internet bewerten und Wünsche formulieren konnten. Bis zum 31. Oktober hatten sie Zeit dazu. Eine Chance, die knapp 250 Kinder und Jugendliche genutzt haben. "Besonders Jungs", sagt Bürgermeisterin Sarina Pfründer. Die Ergebnisse dienten als Grundlage für das Forum an diesem Abend, bei dem die Rathauschefin gemeinsam mit Organisator Marcel Gencgel die Ergebnisse präsentieren und noch einmal bei den jungen Leuten nachhaken möchte.
Gencgel lobt das Engagement der jungen Leute und betont, dass Sulzfeld in der Beurteilung relativ gut dasteht. Fast drei Viertel der Befragten antwortete etwa auf die Frage, wie gerne sie in ihrem Ort leben, mit "sehr gerne" oder "gerne". Ähnlich sieht es auch beim Thema Jugendgruppen aus. "Sulzfeld hat ein reges Vereinsleben mit zum Beispiel Jugendrotkreuz, Fußball- und Tischtennisclub", erklärt Sarina Pfründer. Was sich die jungen Leute dagegen wünschen, ist ein Jugendtreff (73 Befragte zeigten sich "sehr unzufrieden" mit der jetzigen Situation, 43 "unzufrieden") oder Freizeitangebote wie eine Disco, Ausflüge und ein mobiles Kino.
Niemanden stören Themen, die auch im direkten Gespräch mit den Kindern und Jugendlichen an diesem Abend zur Sprache kommen. "Der Skateplatz braucht einen besseren Boden", sagt einer der jüngeren Teilnehmer. "Das Board kommt gar nicht richtig ins Rollen. Und eine neue Rampe wäre auch nicht schlecht." Ein anderer wünscht sich einen vernünftigen Rasen für den Bolzplatz. Und auch ein zweiter Korb für den Basketballplatz an der Schule steht hoch im Kurs. Marvin Kögel und Tolunay Demiral machen sich für einen Jugendtreff stark. "Dann stören wir auch keine Anwohner mehr, wenn wir uns mit ein paar Leuten treffen wollen", sagen sie. "Wenn wir draußen sind, rufen oft Leute aus dem Fenster, dass wir abhauen sollen. Das ist auch für uns ziemlich blöd."
Damit das nicht so bleiben muss, will man sich im Rathaus nun verstärkt einsetzen. Sulzfeld will sich für das Landesprogramm Politik konkret bewerben. Dort werden Gemeinden mit Projekten für junge Leute gefördert. Sarina Pfründer nimmt aber auch die Kinder und Jugendlichen in die Pflicht: "Denkt daran, auch ihr müsst euren Teil zum Gelingen beitragen."
Wie es weitergeht
Junge Sulzfelder, die sich für ihre Gemeinde engagieren möchten, können sich ab sofort im Rathaus für verschiedene Projektgruppen eintragen, die während des Forums ins Leben gerufen worden sind. Schwerpunkte sind die Gestaltung des Skater- und Bolzplatzes, des Basketballplatzes, die Einrichtung eines mobilen Kinos, eines Soccerfeldes und die Eröffnung eines Jugendtreffs. Projekte, für die sich niemand einträgt, werden nicht realisiert. Natürlich kann nicht jeder Wunsch berücksichtigt werden. Immerhin geht es auch um viel Geld. „Nicht jede Gemeinde kann alles haben“, sagt Bürgermeisterin Sarina Pfründer.
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