Parkhaus bekommt Fassadenverkleidung
Überflüssiger Luxus oder schiere Notwendigkeit? Nach teils heftiger Debatte hat sich der Eppinger Gemeinderat dazu durchgerungen, dem neuen Parkhaus an der Wilhelmstraße eine Fassade aus Metall zu verpassen. Beim 3,5-Millionen-Euro-Projekt macht das fünf Prozent der Kosten aus.

Lange hatte der Gemeinderat mit sich gerungen, Vorschläge verworfen, eine Holzfassade favorisiert und diese dann aus Kostengründen wieder kassiert. Seit Dienstag steht fest: Eine Fassade für die Schauseite an der Wilhelmstraße wird es geben - sehr zur Erleichterung von Stadtplanern und Verwaltung, die vor einer architektonischen Null-Lösung in Form eines komplett offenen Zweckbaus gewarnt hatten.
Die Front wird aus transparenten, netzförmigen Platten aus sogenanntem Streckmetall bestehen, unterbrochen von mehreren Fenstern und einer hohen Öffnung, die einen gegenüberliegenden Tordurchlass gestalterisch aufgreifen soll. Der Sockel wird aus Metallgittern zusammengefügt, die mit örtlichem Sandstein aufgefüllt werden.
Die Fassade soll in dieser Form 168.000 Euro kosten, 125.000 Euro waren im 3,5-Millionen-Paket bereits einkalkuliert. Eine noch etwas aufwendigere Gestaltung mit Lamellen hätte fast 200.000 Euro gekostet. Die Front nur halb zu verdecken, wäre für 75.000 Euro zu haben gewesen - sie ganz blank zu lassen, hätte gar nichts gekostet und die ursprünglich angesetzten 125.000 Euro damit überflüssig gemacht.
SPD-Sprecher verlässt unter Protest den Saal
Für diese Sparvariante setzte sich Hartmut Kächele vehement ein. Die Fassade sei „völlig überzogen an dieser Stelle, die Innenstadt ist woanders“, kritisierte der SPD-Sprecher, es würden allerlei Begründungen angeführt, „um Geld rauszuschmeißen“. Man müsse nicht „mit Gewalt einer Mode hinterherlaufen“. Besonders erzürnte ihn, dass unmittelbar zuvor eine Erhöhung der Kindergartengebühren den Rat passiert hatte. Kurz nach der Entscheidung mit 16 zu sechs Stimmen pro Fassade verließ Kächele sogar unter Protest den Saal – ein seltener Vorgang im Eppinger Ratsgeschehen.
Viele im Gremium sahen das Thema weniger emotional. Ein räumlicher Abschluss müsse her, argumentierte Kächeles Fraktionskollege Michael Mairhofer: „Wir brauchen eine Fassade“. Auch Carmen Probst von der CDU oder Jörg Haueisen von den Freien Wählern hielten eine Verkleidung für unverzichtbar, während Peter Wieser von den Grünen auch mit einer Halbhoch-Variante hätte leben können. „Man muss das nicht als Juwel in der Stadt betrachten, sondern als notwendiges Übel.“
Das Parkhaus an der Wilhelmstraße soll rund 200 Stellplätze bringen und bis Jahresende fertig sein. Insbesondere der Einzelhandel setzt große Hoffnungen in den Bau.
Kommentar: Kein Luxus
Ein Eppinger Parkhaus mit der Optik eines Industrieregals wäre peinlich gewesen
Man kann nicht behaupten, dass es sich der Eppinger Gemeinderat leicht gemacht hat. Schier endlose Diskussionen rankten sich um die Fassade des Parkhauses. Jetzt ist eine Entscheidung gefallen. Natürlich ist das Ergebnis Geschmacksache, die meisten werden die Front aus strukturierten Metallplatten und großen Fenstern wohl ganz akzeptabel finden. Damit ist der Zweck erreicht. Der Bau bekommt eine vernünftige Anmutung, aber keine übertriebene Luxushülle. Eine Fassade war einfach nötig.
Ein Auto-Verwahr-Lager im Stil eines Industrieregals wäre hier fehl am Platz gewesen. Auch wenn es sich nur um eine 1-B-Lage handeln mag, liegt das Parkhaus doch mitten in der Stadt. Fünf Prozent der Bausumme in ein gefälliges Äußeres zu stecken, sollte drin sein. Da verwundert es, dass die Wellen bei der Debatte derart hoch schlugen. Die Emotionen zeigen aber auch, dass viele Stadträte mit dem auch in der Bürgerschaft umstrittenen Projekt fremdeln. Es gilt als unvermeidlich, aber eher auch als lästiges Pflichtobjekt. Jetzt wird es zumindest ein ansehnliches Pflichtobjekt.
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