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Vermisstenfall
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Vor einem halben Jahr in Bad Rappenau verschwunden: Familie sucht weiter nach Nuh Pektas

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Nuh Pektas wird seit Monaten vermisst. Seine Familie gibt die Suche nicht auf – und fordert nun eine internationale Fahndung.

Von Ralf Schick
Die Familie des seit Monaten vermissten Seniors Nuh Pektas bittet die Öffentlichkeit um Mithilfe bei ihrer Suche.
Die Familie des seit Monaten vermissten Seniors Nuh Pektas bittet die Öffentlichkeit um Mithilfe bei ihrer Suche.  Foto: Ralf Schick

Es ist eines dieser Schicksale, die man niemandem wünscht. Seit 11. Juli des vergangenen Jahres fehlt von dem 79-jährigen Nuh Pektas aus Bad Rappenau jede Spur. Die Angehörigen sind frustriert, traurig, enttäuscht und geben doch die Hoffnung nicht auf, noch irgendein Lebenszeichen von dem Vermissten zu finden. Am Samstag trafen sich Verwandte und Freunde, um erneut auf den Fall aufmerksam zu machen.

Gut 60 Menschen meist türkischer Herkunft stehen vor dem Dönerladen von Herdem Calli, der 52-jährigen Tochter des Vermissten. In den Händen halten sie Flugblätter oder große Schilder mit den letzten Bildern des Vermissten und ein paar Eigenschaften. "Babam nerede?" steht auf einem dieser Schilder. Das heißt: "Wo ist Papa?". Tochter Herdem Calli kämpft mit den Tränen, als sie mit zitternder Stimme inmitten der Menschenmenge eine Rede hält.

"Wir fühlen uns nach über einem halben Jahr seit dem Verschwinden unseres geliebten Vaters müde und hoffnungsloser denn je", sagt Calli. Monatelang haben sie und ihre Verwandten in ganz Süddeutschland auf eigene Faust Suchaktionen organisiert, sie war auch im Fernsehen und beim Radio, viele Medien berichteten über den Vermisstenfall. Und auch wenn die Zeit schwindet und es kaum mehr Chancen gibt, den Vermissten zu finden, geben sie nicht auf.

Familie vermisst Nuh Pektas: Polizei hat keine neuen Erkenntnisse

"Es ist einfach schwer zu glauben und zu akzeptieren, dass jemand einfach so vom Erdboden verschwindet", sagt Enkel Güney Calli. Neuerliche Hinweise oder Erkenntnisse gebe es nicht, sagt im Vorfeld der Kundgebung Polizeisprecher Daniel Fessler, der unmittelbar nach dem Verschwinden einen Großsucheinsatz leitete.

Doch die Familie des Vermissten klammert sich an jeden Strohhalm, auch wenn die Ungewissheit über den Verbleib von Nuh Pektas "uns immer mehr in die Verzweiflung" treibt. Herdem Calli will Antworten haben, schließlich sei ihr Vater nicht bloß ein Aktenzeichen. "Er ist ein hilfloser, orientierungsloser Mensch", stellt Herdem Calli klar.

"Wir wollen, dass nach unserem Vater international gefahndet wird und die Polizei proaktiv noch mal eine Suchaktion startet", fordert die 52-Jährige. Und selbst wenn ihr dementer Vater einer Straftat zum Opfer gefallen sein sollte, würde der Familie es helfen, wenn eine neuerliche Suche mit Leichenhunden Aufschluss darüber geben würde, "ob unser Vater sich tatsächlich nicht in unverbindlicher Nähe befindet".

Große Suchaktion im vergangenen Jahr: Polizei suchte Vermissten mit Helikopter

Nuh Pektas war im Juli des vergangenen Jahres aus dem Seniorenstift am Park verschwunden, wo er in Tagespflege war. Er soll eine graue Jeanshose, ein dunkelolivfarbenes Poloshirt, eine dunkelgraue Jacke und blaue Schuhe getragen haben. Außerdem führt er eine graue Basecap und eine Sonnenbrille bei sich.

Laut Polizeisprecher Fessler hatte die Polizei mit einem Helikopter, mit einem Großaufgebot an Kräften und zahlreichen Hunden nach dem Vermissten gesucht. Anfangs seien täglich mehrere Hinweise eingegangen, nach denen der Vermisste in verschiedenen Städten und an verschiedenen Orten gesehen worden sein soll. Oft habe sich herausgestellt, dass nur jemand gesehen worden sei, der dem Vermissten ähnlich sah.

"Wir bedanken uns bei allen freiwilligen Helfern, die uns in den letzten Monaten tatkräftig unterstützt haben", sagt Herdem Calli und hofft auf weitere Hilfe, "damit wir vielleicht endlich Antworten erhalten".

 

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